- Ordentlich als sei das Lieben nur zum Hassen da , erboset man sich den ganzen Tag auf das süßeste Herz , sucht es sehr zu peinigen , breitzudrücken , einzuquetschen , zu vierteilen , zu beizen - - aber wozu ? - Um es halbtot an die Brust zu nehmen und zu schreien : o ich Höllenhund ! So gottlos hielt ich mit Freunden Haus , noch gottloser freilich mit Freundinnen . - Dreitausendzweihundertundfünfmal söhnt ' ich mich mit einer thüringischen Geliebten in dem kurzen Wonnemonde unserer Liebe aus - mit andern aber öfter - ; und kündigte doch gleich darauf , wie ein kopulierter Fürst , die Seelen-Trauung wieder durch Kanonenschüsse und Mordknälle an , weil ich wieder den kleinsten schönsten allerliebsten Reif der Liebe für Schnee ansah . - Bei solchen Umständen , das schwur ich feierlich , heirate der Teufel oder ein Gott ; denn ist die Person nicht abwesend , die man zu lieben hat ( abwesend gehts sehr ; auch brieflich ) , oder was ebensogut ist , abgegangen mit Tod ( Liebe und Testament werden durch Sterben erst ewig ) : so hat man nach den bekannten wenigen Flitter-Sekunden seine Blei-Jahre , bringt sein Leben wie an einem Kamin hin , halb den Steiß im Feuer , halb den Bauch im Frost , oder wie ein Stück Eis im Wasser , oben von der schönen Sonne , unten durch die Wellen zerfließend . - Und da schaue Gott den Jammer ! Jeder hüte sich , lehr ' ich oft genug , vor dem sauern Schmoll- und Salzgeist , weils keinen schlimmern gibt . - Daß ich immer abreisete von alten Menschen zu neuen , muß ich eben tun , um nicht zu zanken , sondern noch zu lieben . Der Himmel weiß , wie ich Dich peinigen werde . Aber vorausgesagt hab ' ichs hier in bester Laune ; und dann sei dieses Blatt , wenn es aufgemacht wird , mein Schirm- , mein Feigen- , mein Ölblatt . Q. H. « Nr. 19. Mergelstein Sommerszeit - Klothars-Jagd Jetzt fing das Notariat des Notarius ordentlich erst recht an . Er wurde der allgemeine Instrumenten-Macher der neugierigen Stadt . Gerichtlich bei den Testamentsexekutoren sind die Schuldverschreibungen , die Protokolle über verdorbne Warenfässer , Pachtbriefe über Handelsgewölbe , Kontrakte über zu reparierende Stadtuhren und dergleichen niederlegt , die er in so kurzer Zeit ausfertigte , daß ein alter hinkender Notarius nicht wußte , was er dazu sagen sollte aus Grimm , sondern zu Gott hoffte , der Amtsbruder werde , was er da einbrocke , schon einmal auszuessen haben , wenn ihn einst die sieben Erben und die geheimen Testamentsartikel für jedes Notariats-Verbrechen bei den Haaren nehmen , wie ja das sein tägliches Gebet zum Himmel sei . Walt fand nichts dabei unbegreiflich , als daß er - freilich mehr sein Petschaft - imstande sein sollte , die wichtigsten Dinge zu bestätigen , da er kaum begriff , wie er einst einen Ehemann oder Staatsbürger abgeben könnte statt einem leeren Jüngling . Seinem Bruder schrieb er , wie er mitten unter den Instrumenten den Roman weiterwebe , indem er so lange , bis eine Kopie abtrockne , ungehindert dichten könne - so wie d ' Aguesseau behauptete , er habe viele seiner Werke im Zwischenraume gemacht , wo er sagte , qu ' on serve , und wo man meldete , qu ' il etoit servi . Aber Vult schrieb ihm Bitten und Gebote zurück , ums Himmels willen bei sich zu sein , sich nie zu irren , kein Stunden-Datum und andere Beiwerke der Kontrakte zu vergessen , nie zu abbrevieren mit Zeichen oder notis , obgleich notarius davon herstamme ; - da er zumal sicher wisse , daß man jedem Federzug auflaure und daß ihm nur deshalb der Hoffiskal das Kunden-Heer zuweise . Einst schrieb ihm etwas Ähnliches sein Vater Lukas - nachdem er bisher jeden dritten Tag mündlich deswegen gekommen war - in einem kalligraphischen , kopierten Briefe , worin er ihn bei der Erbschaft beschwor , in seinen Instrumenten nichts zu radieren , noch zweierlei Dinte zu nehmen , und darauf befragte , ob es außer Treibers Spatzenrecht , Klüvers Hundsrecht und Müllers Bienenrecht nicht noch Wespenrechte , Hühnerrechte und Rabenrechte gebe , und was das Bienenrecht statuiere , wenn einer nur eine Biene totmache oder ein paar . Der Sohn schickte eine höfliche und ernste Antwort mit einer Spielkarte , worein er einen Maxd ' or als einen Ehrensold für den Rat gesteckt . Er hatte das Goldstück gegen übermäßiges Agio von Neupetern erwechselt , um seine Eltern durch das Gold ( den Phönix und Messias des Landvolks ) in den dritten Himmel zu werfen . Die Botenfrau mußt ' ihm aber die Viertelstunde ihrer Ankunft bestimmen und beteuern , damit er erstlich bis dahin in den seligsten Träumen des nahen elterlichen Glückes schwimmen und zweitens doch noch die Viertelstunde kosten könne , wo er entschieden wußte , das ganze Haus in Elterlein sei nun außer sich vor Jubel über den Maxd ' or und lasse Schomakern aus dem Schul-und die Goldwaage aus dem Pfarrhause dazu holen . Soviel süßer wirds , lieber durch Boten als mit der Hand , lieber fernen Leuten als einem dasitzenden Mann zu schenken , der alles ausmacht , wenn er einsteckt und sich bedankt . Seine alte Seelen-Schwester Goldine erhielt jetzt einen Brief . Vorn herein schrieb er : er übertreib ' es nicht , wenn er sowohl in Rücksicht seiner jetzigen Bekanntschaften als seiner künftigen Hoffnungen sich für ein Glückskind des gütigsten Schicksals erkläre ; und nur mit griechischer Furcht vor der Nemesis bekenn ' er , daß sein erster Ausflug fast zu glücklich , seine erste Ziel-Palme schon voll Früchte sei und seine Abende einen Abendstern besäßen , und die Morgen den Morgenstern . Darauf ging er weiter zur Malerei des Sommerlebens , an welche er sich ohne Furcht mit folgenden Farben machte : » Schon der Sommer allein erhöbe ! Gott