, nichts Großes , Erschütterndes , bezeichnet die Spur der fliehenden Tage . Unter diese gehört auch folgendes , was unserm Kreis , zu Bemerkungen und Gesprächen viel Veranlassung gab . Wilhelm hatte eine kleine Reise , in eine nahgelegene , wild-schöne Gegend gethan , und als er zurückgekommen war , spielte uns der Zufall ein Lied in die Hände , das er dort gedichtet hatte . Hier ist es : Es seufzen bedeutend die Winde und stumm , die Wolken ziehn leidend , am Himmel herum . Sie quellen , sie fliehen die Thäler entlang , und Träume durchziehen den Busen so bang . Der Tag ist verschwunden tief schweiget die Nacht , im Dunkel dort unten der Hammer nur wacht . Da klagt eine Flöte ihr Leid durch die Nacht , das stets mit der Röthe des Abends erwacht . Es stürzet der Reuter den Waldsturz hinab , und weiter und weiter erreicht ihn sein Grab . O ! Mutter nun weine die Thrän ' über ihn , dann glänzet im Scheine dir froher das Grün . Wenn Frühling besäumet den Hügel mit Flor , in Blumen dann keimet sein Geist dir empor . Sie blicken wie Augen sie suchen dich doch ; sie winken und hauchen und lieben dich noch . Was mich bei diesen Strophen am meisten rührte , war die Stimmung , die ich darinnen durchschimmern sah . Ich fand eine Schwermuth , die ich ungern in diesem jungen Gemüthe bemerkte . Aber auf der andern Seite mußte ich auch das Talent anerkennen , das ohngeachtet der Verworrenheit und den Mängeln die in dem Liede herrschen , doch unleugbar sich zeigt , und deutlich das Bestreben wahrnehmen läßt , die Eindrücke , die Bilder , die um ihn sind zu einem Ganzen zu gestalten und einen Sinn in sie zu legen . - Diese Strophen gaben zu einem Gespräch über Poesie im Allgemeinen Anlaß , welches ich aufgezeichnet habe , weil es meine Freunde sehr genau charakterisirt und reich an auffallenden Bemerkungen ist , aber da ich nicht weiß , ob Dir der Gegenstand wichtig genug ist , ein langes Gespräch darüber nicht ungelesen bei Seite zu legen : so will ich erst Deine Entscheidung darüber abwarten , bevor ich Dir es schicke . Zwölfter Brief Amanda an Julien Ich weiß nicht , ob ich Dir schon in einem meiner Briefe geschrieben habe , daß ich einer baldigen Trennung von Antonio entgegen sähe . Seine Verhältnisse machen ihm eine Reise nothwendig , und diese bevorstehende Entfernung läßt es mich erst fühlen , wie nahe er mir ist . Ja , Julie , mein Leben , das so lange dunkel war , erhellt sich wieder , und ich fühle meine Jugend schöner zurückkehren . Oft schien es mir , als sei ich von aller Liebe frei , und nun liebe ich mehr als jemals . Und wie sollt ' ich anders ? Des Weibes Natur ist Liebe ; die Liebe befreit sie von allen quälenden , unedlen Neigungen , und sie lernt das Göttliche verehren , weil sie in dem Geliebten das Bild der Gottheit anbetet . - Die Stimmung , welche mein Gemüth durch Antonios Umgang , durch seine schönen , freien Ansichten vom Leben erhalten hat , dünkt mich reizender und freudiger , als die schönste , jugendliche Begeisterung . - Mit jedem Tage erscheint mir Antonio schöner , liebenswürdiger , und ein milder Zauber schmilzt sein Bild mit Eduards Andenken zusammen . Es ist nicht Bewunderung , nicht Achtung , Freundschaft mehr , was mich zu ihm zieht ; es ist die süße Gewalt der Neigung , die mich an ihn bindet . - Und so , Julie , seh ' ich freudig seiner Zurückkunft entgegen . Zwar ist mir noch manches in seinen Verhältnissen dunkel geblieben , aber ich habe ein so entschiedenes Vertrauen zu ihm , daß es mir durchaus keine Unruhe macht . Ich hingegen habe schon längst keine Geheimnisse mehr für ihn , und Eduard war oft der Gegenstand unserer innigsten Gespräche . O ! Julie ! wie glücklich werde ich sein , wenn ich auf immer mit Antonio verbunden bin ; denn die Ehe ist für gebildete Menschen , die sich lieben , gewiß der freieste und glücklichste Zustand ! - Spottend wies ich lange alle Hoffnung auf Glück von mir , und nun winkt es mir so nahe , so freundlich ; nun sehe ich mich geliebt , wie ich stets geliebt zu sein mich sehnte ! - Ich kann Dir heute nichts mehr schreiben ; meine Seele ist allzu verwirrt , betäubt von angenehmen , wunderbaren Bildern , aber ich lege Dir hier ein Liedchen bei , das Dir die Stimmung meiner Seele vielleicht deutlicher auszusprechen vermag . Es flieht das süße Leben vom himmlischen umgeben , es hemmt kein träger Zwang des Geistes frohen Drang , und wehret den Gefühlen in Tönen sich zu kühlen in holder Verwirrung mich Stunden umspielen , wie Weste , im Frühling die Blüthen durchwühlen . Schon floh ' n des Lebens Sterne , die Heimath schien so ferne , in banger Sorge Grab zog ' s grausend mich hinab . Nun ist die Welt erheitert , des Lebens Bahn erweitert , und frei wie die Bienen im Blumenthal schweben , fliegt heiter mein Sinn durch das blumige Leben . Nur du hast mich gerettet , auf Rosen mich gebettet , der Liebe heil ' ge Glut ! du gabst der Seelle Muth , die Hoffnung die nie altet , die Freude schön gestaltet , und alle die Himmlischen sangen mir wieder , seit du mir erschienen , die goldenen Lieder . Geweiht zu hohem Leben , sie mich nun stets umgeben , gescheucht von ihrem Licht , nah ' t mir die Sorge nicht . Nur du , mit leisem Schauer der Sehnsucht heil ' ge Trauer , du nah ' st , und entzündest , zu höheren Leben die liebende Seele mit himmlischen Streben . Dreizehnter Brief Eduard