zu knieen . Sollte das der alte Hofkaplan seyn ? so dachte er bey sich ohne große Verwunderung . Der Mönch kam ihm größer und ungestalter vor , je näher er zu ihm trat . Er bemerkte nun seinen Irrthum , denn es war ein einzelner Felsen , über den sich der Baum herbog . Stillgerührt faßte er den Stein in seine Arme , und drückte ihn lautweinend an seine Brust : Ach , daß doch jezt deine Reden sich bewährten und die heilge Mutter ein Zeichen an mir thäte . Bin ich doch so ganz elend und verlassen . Wohnt in meiner Wüste kein Heiliger , der mir sein Gebet liehe ? Bete du , theurer Vater , jezt in diesem Augenblick für mich . Wie er so bey sich dachte fieng der Baum an zu zittern . Dumpf dröhnte der Felsen und wie aus tiefer , unterirrdischer Ferne erhoben sich einige klare Stimmchen und sangen : Ihr Herz war voller Freuden Von Freuden sie nur wußt Sie wußt von keinem Leiden Druckts Kindelein an ihr ' Brust . Sie küßt ihm seine Wangen Sie küßt es mannichfalt , Mit Liebe ward sie umfangen Durch Kindleins schöne Gestalt . Die Stimmchen schienen mit unendlicher Lust zu singen . Sie wiederholten den Vers einigemal . Es ward alles wieder ruhig und nun hörte der erstaunte Pilger , daß jemand aus dem Baume sagte : Wenn du ein Lied zu meinen Ehren auf deiner Laute spielen wirst , so wird ein armes Mädchen herfürkommen . Nimm sie mit und laß sie nicht von dir . Gedenke meiner , wenn du zum Kayser kommst . Ich habe mir diese Stätte ausersehn um mit meinem Kindlein hier zu wohnen . Laß mir ein starkes , warmes Haus hier bauen . Mein Kindlein hat den Tod überwunden . Härme dich nicht - Ich bin bey dir . Du wirst noch eine Weile auf Erden bleiben , aber das Mädchen wird dich trösten , bis du auch stirbst und zu unsern Freuden eingehst . Es ist Mathildens Stimme , rief der Pilger , und fiel auf seine Kniee , um zu beten . Da drang durch die Aeste ein langer Strahl zu seinen Augen und er sah durch den Strahl in eine ferne , kleine , wundersame Herrlichkeit hinein , welche nicht zu beschreiben , noch kunstreich mit Farben nachzubilden möglich gewesen wäre . Es waren überaus feine Figuren und die innigste Lust und Freude , ja eine himmlische Glückseligkeit war darinn überall zu schauen , sogar daß die leblosen Gefäße , das Säulwerk , die Teppiche , Zierrathen , kurzum alles was zu sehn war nicht gemacht , sondern , wie ein vollsaftiges Kraut , aus eigner Lustbegierde also gewachsen und zusammengekommen zu seyn schien . Es waren die schönsten menschlichen Gestalten , die dazwischen umhergiengen und sich über die Maaßen freundlich und holdselig gegen einander erzeigten . Ganz vorn stand die Geliebte des Pilgers und hatt ' es das Ansehn , als wolle sie mit ihm sprechen . Doch war nichts zu hören und betrachtete der Pilger nur mit tiefer Sehnsucht ihre anmuthigen Züge und wie sie so freundlich und lächelnd ihm zuwinkte , und die Hand auf ihre linke Brust legte . Der Anblick war unendlich tröstend und erquickend und der Pilger lag noch lang in seliger Entzückung , als die Erscheinung wieder hinweggenommen war . Der heilige Strahl hatte alle Schmerzen und Bekümmernisse aus seinem Herzen gesogen , so daß sein Gemüth wieder rein und leicht und sein Geist wieder frey und fröhlich war , wie vordem . Nichts war übriggeblieben , als ein stilles inniges Sehnen und ein wehmüthiger Klang im Aller Innersten . Aber die wilden Qualen der Einsamkeit , die herbe Pein eines unsäglichen Verlustes , die trübe , entsezliche Leere , die irrdische Ohnmacht war gewichen , und der Pigrimm sah sich wieder in einer vollen , bedeutsamen Welt . Stimme und Sprache waren wieder lebendig bey ihm geworden und es dünkte ihm nunmehr alles viel bekannter und weissagender , als ehemals , so daß ihm der Tod , wie eine höhere Offenbarung des Lebens , erschien , und er sein eignes , schnellvorübergehendes Daseyn mit kindlicher , heitrer Rührung betrachtete . Zukunft und Vergangenheit hatten sich in ihm berührt und einen innigen Verein geschlossen . Er stand weit außer der Gegenwart und die Welt ward ihm erst theuer , wie er sie verlohren hatte , und sich nur als Fremdling in ihr fand , der ihre weiten , bunten Säle noch eine kurze Weile durchwandern sollte . Es war Abend geworden , und die Erde lag vor ihm , wie ein altes , liebes Wohnhaus , was er nach langer Entfernung verlassen wiederfände . Tausend Errinnerungen wurden ihm gegenwärtig . Jeder Stein , jeder Baum , jede Anhöhe wollte wiedergekannt seyn . Jedes war das Merkmal einer alten Geschichte . Der Pilger ergriff seine Laute und sang : 1 Liebeszähren , Liebesflammen Fließt zusammen ; Heiligt diese Wunderstätten , Wo der Himmel mir erschienen , Schwärmt um diesen Baum wie Bienen In unzähligen Gebeten . 2 Er hat froh sie aufgenommen Als sie kommen , Sie geschüzt vor Ungewittern ; Sie wird einst in ihrem Garten Ihn begießen und ihn warten , Wunder thun mit seinen Splittern . 3 Auch der Felsen ist gesunken Freudentrunken Zu der selgen Mutter Füßen . Ist die Andacht auch in Steinen Sollte da der Mensch nicht weinen Und sein Blut für sie vergießen ? 4 Die Bedrängten müssen ziehen Und hier knieen , Alle werden hier genesen . Keiner wird fortan noch klagen Alle werden fröhlich sagen : Einst sind wir betrübt gewesen . 5 Ernste Mauern werden stehen Auf den Höhen . In den Thälern wird man rufen Wenn die schwersten Zeiten kommen , Keinem sey das Herz beklommen , Nur hinan zu jenen Stufen . 6 Gottes Mutter und Geliebte Der Betrübte Wandelt nun verklärt von hinnen . Ewge Güte , ewge Milde , O ! ich weiß