als bei Julianens Geburt sind bewirtet worden , was würden diese glauben und glauben machen , wenn wir es bei dieser Gelegenheit unterließen ? Entweder , daß unsere Freude nicht von Herzen gehe , oder daß wir die Gebräuche unserer Vorfahren nicht mehr ehren . Es darf nicht unterbleiben ! Doch bleibt dir , Liebe , die ganze Anordnung unumschränkt überlassen . Die Mißbräuche , die du ganz richtig angemerkt hast , werden sich vielleicht vermeiden lassen . « Das Gespräch ward durch Briefe von der Gräfin Clementina an den Grafen und an Julianen unterbrochen . Beide entfernten sich . Eleonore beratschlagte währenddem mit Eduard und Florentin wegen des Auftrags , den ihr der Graf gegeben . Es ward endlich unter ihnen etwas verabredet , und Florentin eilte sogleich die nötigen Anstalten dazu zu treffen , die Kinder begleiteten ihn . Der Graf kam zurück , und als er Eleonoren mit Eduard allein antraf , sagte er ihnen : sie dürften nun nicht mehr auf Clementinens Gegenwart bei der Vermählung rechnen , sie hätte es völlig abgeschrieben . Eleonore bat ihn , ihr etwas Näheres aus dem Briefe mitzuteilen , weil sie auf des Grafen Gesicht einige Sorge wahrnahm , die sie beunruhigte . » Ich befürchte « , sagte er , » daß Clementina von einem ernsthaftern Grund zu kommen abgehalten wird , als der ist , den sie vorschützt . Wenn sie nur nicht wieder krank ist , und es uns verbirgt ! « - Eleonore suchte ihn zu beruhigen ; sie erinnerte , daß ihre fast niemals weichende Kränklichkeit ein ganz ruhiges Verhalten oft notwendig mache , gefährlich schien es doch nicht zu sein , da sie beide Briefe eigenhändig geschrieben hätte . Sie schlug dem Grafen einen verlängerten Aufschub vor , er unterbrach sie aber mit einiger Ungeduld : » - Es scheint auch Clementinens Wunsch zu sein « , sagte er ; » aber , meine Liebe , ich kann weder dir , noch jener hierin nachgeben . Ich werde es nicht länger aufschieben , ein so heilig gegebenes Versprechen zu erfüllen , und ich selbst sehne mich zu lebhaft , dich , Eduard , als meinen Sohn zu umarmen . Es bleibt bei dem bestimmten Tage , gleich nachher wollen wir zusammen Clementinen besuchen , mich verlangt recht danach , sie zu sehen . « - Er ging mit Eleonoren in den Garten , wo er ihr noch einiges aus dem Briefe mitteilen wollte . Juliane war traurig , ihre geliebte Tante nun nicht erwarten zu dürfen . Sie überlas ihren Brief immer wieder aufs neue . Eduard suchte sie bei sich in ihrem Zimmer auf , und wollte sie durch seine zärtlichen Liebkosungen erheitern . Sie fühlte seine Liebe , konnte sich aber dennoch nicht aus ihrer trüben Stimmung reißen , und bat ihn endlich , sie allein zu lassen . Er ging fort und suchte Florentin auf ; er wollte nicht mit seinem Unmut allein sein . Juliane schrieb folgenden Brief an Clementinen . Juliane an Clementina Ihr letzter Brief hat mich nicht so froh gemacht , wie sonst alles , was von Ihnen kommt . Sie selbst erwartete ich , liebe Tante , wie soll ich mir nun an einem Briefe von derselben Hand genügen lassen , die ich selbst so gern mit Küssen überdeckt hätte , auf deren Segen ich hoffte ! Ich habe jetzt Sorgen , meine Tante ! Wie soll ich sie aber aussprechen ? Wenn ehedem eine kindische Sorge mein Gemüt traf , dann wußten Sie es zu erraten , ich war durch Ihre Hülfe davon befreit , ehe ich sie zu nennen wußte . Aber jetzt wird es bedeutender , ich fürchte mich vor den ernsthaften Anstalten . Man kömmt und geht ; Einrichtungen werden gemacht , andere zerstört ; Vater und Mutter haben lange geheime Unterredungen , dann wird oft Eduard dazugerufen . - O hätte ich es gedacht , daß es soviel Mühe , und mir soviel Angst machen würde ! - Und alles ist weit schlimmer geworden , seit Ihren Briefen , Tante ! Nachdem sie gelesen waren , fielen lange Unterredungen vor ; der Vater war sehr bewegt , meine Mutter weinte . Ich saß unbemerkt an meinem Fenster , da konnte ich sie sehen , sie gingen auf der Terrasse auf und ab . Ich durfte um nichts fragen , denn es schien , als machten sie mir absichtlich aus dem Inhalt des Briefs und des Gesprächs ein Geheimnis , aber es beunruhigte mich . Was kann vorgehen ? Ich habe Ihren Brief unzähligemal durchgelesen , um vielleicht in ihm selbst einen Aufschluß zu finden , aber umsonst ! - Meine teure Clementina schreibt von Pflichten , die mir nun aufgelegt werden , denen ich vielleicht nicht gewachsen sei . Was sind das für Pflichten ? Gibt es noch andere , als die ich kenne : daß ich Eduard einzig und bis in den Tod lieben soll ? Und wenn es nur diese sind , wie sollten sie mir zu schwer sein ? Kann man zu lieben aufhören ? Gibt es eine andere Glückseligkeit , als treu zu lieben bis in den Tod ? - Einst sagten Sie mir : das schönste Glück auf Erden für eine Frau wäre , wenn der Gatte zugleich ihr Freund sei . Sie sprachen mir aus der Seele , meine geliebte Clementina ; und wenn dem so ist , so dürfen Sie sich mit Ihrem Kinde freuen ; Eduard ist gewiß der Freund seiner Juliane ; er liebt mich ja , und kann man lieben , ohne der Freund der Geliebten zu sein ? Aber , was ihm nur fehlen mag ? Er ist nicht allein besorgt und nachdenklich , wie ich es bin ; er ist traurig , voll Mißmut bis zur ungerechten Klage : ich liebe ihn nicht so , wie er hoffte , von mir geliebt zu sein . Ich weiß seine Zweifel nicht zu beruhigen , und meine eigne Unruhe wird