Meine Liebhaber hatten freilich , nach der lästigen Unverdrossenheit ihrer Aufwartungen zu urtheilen , keine lange Weile bei mir ; aber dafür machten sie mir deren so viel , daß ich des albernen Spiels endlich überdrüssig ward . Nein , sagte ich , es ist nicht länger auszuhalten ; Aristipp läßt mich sitzen und schaukelt sich zwischen den Cykladen herum . Wie wenn ich ihm nachreis ' te ? - Nachreisen ? - Pfui ! das sähe ja gleich so aus , als ob eine verlass ' ne Ariadne ihren Ungetreuen verfolgen wollte ? Nein , nicht nachreisen , aber reisen will ich , und zwar nach Athen , um , während er sich auf den Schauplätzen alter Götter und Heldenmährchen herumtreibt , seine Stelle - bei dem weisen Sokrates einzunehmen . Gedacht , gethan ! Es wird eingepackt , angespannt , ich setze mich mit meinen Grazien ( wie du sie zu nennen pflegtest ) in den Wagen und rolle davon , von drei wohl bewehrten Dienern zu Pferde begleitet , wiewohl die Landstraße zwischen Korinth und Athen nicht mehr so unsicher ist wie zu Theseus Zeiten . Ich verweile mich etliche Tage zu Megara , wo ich Geschäfte mit einem alten Gastfreund des Leontidas abzuthun hatte , setze meine Reise fort , und lange an einem schönen Abend in einiger Entfernung von Athen auf einem mit Bäumen und Gebüschen bekränzten Hügel an , dessen Anmuth mich und meine Nymphen zum Absteigen einladet . Ich befehle meinen Leuten langsam fortzufahren und mich bei einem gewissen Tempel , der an unserm Wege liegt , zu erwarten . Kaum sind wir auf dem weichsten Rasen ein paar hundert Schritte vorwärts gegangen , als ein prächtiger Ahorn97 von ungewöhnlicher Größe und Schönheit unsre Augen auf sich zieht , neben welchem in kleiner Entfernung eine krystallhelle Quelle , zwischen Rosen und Lorberbüschen rieselnd , unvermerkt zu einem Bach wird , der den durchgehenden kaum die Knöchel benetzt . Ein rüstiger , wiewohl glatzköpfiger Alter , an Gestalt und Gesichtsbildung wie man die Silenen abzubilden pflegt , und ein schöner zum Manne heranreifender Jüngling , beide unbeschuht , der Alte nur mit einem kurzen hier und da ausgefaserten Mantel , der andere weniger spärlich und beinahe zierlich bekleidet , sitzen auf einer Rasenbank am Fuß des Ahorns , und scheinen , in einem lebhaften Gespräche begriffen , uns nicht eher gewahr zu werden , bis wir , völlig aus dem Gebüsche hervortretend , kaum noch zwanzig Schritte von ihnen entfernt sind . Jetzt erblicken sie uns , stutzen , flüstern einander etliche leise Worte zu , und sehen aus , als ob irgend eine magische Gewalt es ihnen unmöglich mache aufzustehen und sich zu entfernen . Wir waren alle vier zwar so leicht wie es die Hitze des Tages erforderte , aber ( was sich ohnehin versteht ) sehr sittsam und einfach gekleidet , und es begreift sich , daß der unerwartete Anblick vier solcher Figuren wie wir , an einem so einsamen und dichterischen Orte , etwas Auffallendes und beinahe Wunderbares für sie haben mußte . Ich gehe langsam auf sie zu , grüße sie , und frage , weil mir nicht gleich eine andere Einleitung beifallen will , ob dieß der nächste Weg nach Athen sey ? Mir däuchte als ob sie sich durch diese Frage merklich erleichtert fühlten ; denn ich wollte wetten , der alte Herr , der etwas abergläubisch seyn soll , würde verlegen gewesen seyn , wie er uns anreden müsse , um der Sache weder zu viel noch zu wenig zu thun . Nun übersah er mich aus seinen großen weit hervorstehenden Augen vom Kopfe bis zu den Füßen , und erwiederte in einem freundlichen Tone , wir könnten die Stadt auf keinem Wege mehr verfehlen . Dieser Ort ist so anmuthig , sagte ich , daß wir uns , wenn es euch nicht zuwider ist , einen Augenblick zu euch setzen , und an euerm unterbrochnen Gespräch , wofern es keine Geheimnisse betrifft , Antheil zu nehmen wünschen . Beides , versetzte er , steht euch frei , wiewohl der Gegenstand , womit wir uns beschäftigten , wirklich eine Art von Geheimniß ist . An einem den Musen geheiligten Orte wie dieser , sind Personen wie ihr nie zu viel . Nicht wahr , junger Mann ? Der Jüngling erröthete , sah ihn lächelnd an , und nickte Beifall . Geheimnisse , erwiederte ich , an denen man die ersten besten Antheil nehmen lassen kann , müssen wenigstens sehr unschuldig seyn . Das eurige war vermuthlich ein philosophisches ? Der Alte . Und gehört ganz besonders unter eure Gerichtsbarkeit ; denn es betraf Schönheit und Liebe . Da die Liebe sich doch nur an das Schöne hält , so suchten wir dahinter zu kommen , was denn eigentlich das Schöne sey . Ich . Und was fandet ihr ? Der Alte . Daß , wiewohl jedermann das Schöne liebt , doch vielleicht nicht Einer sich selbst oder andern zu sagen weiß , was es sey . Ich . Vielleicht ist es mit dem Schönen wie mit der Farbe , die jeder Sehende kennt und unterscheidet , wiewohl er nicht sagen kann was Blau oder Grün ist . Der Alte . Du meinst vermuthlich , jedermann kann sagen , dieß Kraut ist grün , diese Blume roth , diese blau ; aber niemand kann sagen , was die Grüne , die Bläue , die Röthe sey ? Ich . Es kann auch , dächte ich , niemanden viel daran gelegen seyn , ob er ' s sagen kann oder nicht . Der Alte . Mit den Farben mag es immerhin diese Bewandtniß haben : aber was das Schöne betrifft , so möcht ' es wohl gut , ja sogar nöthig seyn , sagen zu können , was es ist , damit wir immer sicher seyn könnten nichts zu lieben als was wirklich und immer schön ist . Ich . Aber sollte dieß denn auch so nöthig seyn