versprochen worden war ; und wie dann eine Frage nun die andere gab , erfuhr der König alles , was man über die Familiengeschichte der Freiherren von Arten wußte , vermuthete und fabelte . Das war aber durchweg danach angethan , dem Könige zu mißfallen . Nicht hübsch , gar nicht hübsch von dem Major , sagte er , ein Mädchen Jahre lang warten und dann sitzen zu lassen ! Auch von der Schwester nicht hübsch , gar nicht hübsch ! Er belobte die Prinzessin dafür , daß sie sich Hildegard ' s angenommen habe . Müssen sehen , dem Mädchen eine Versorgung , einen andern Mann zu schaffen ! - Schade um den Major ! sonst ein tüchtiger Offizier ! fügte er in seiner abgerissenen Redeweise noch hinzu und erkundigte sich dann , was denn aus der Italienerin , aus der ehemaligen Nonne geworden sei , welche der Vater des Majors seiner Zeit aus dem Kloster entführt und aus Italien mitgebracht habe . Man berichtete dem Könige , daß die Baronin im Hause ihres Stiefsohnes lebe , daß dieser den Sohn aus seines Vaters zweiter Ehe dem Kadettenhause übergeben habe , und wie von selbst schlossen sich die Erzählungen über die dem Major von Arten sicherlich sehr unerwartete und unbequeme Ankunft und über das Erkranken der zum Katholizismus bekehrten Gräfin Haughton an jene Mittheilungen an . Der König , der in seiner protestantischen Strenggläubigkeit den Religionswechsel an sich , besonders aber den Uebertritt von Protestanten zum Katholizismus ungern sah , schüttelte mißbilligend das Haupt . Könnte auch was Klügeres thun , als die Arten ' sche Genie-Wirthschaft fortzusetzen ! Schickt sich nicht , schickt sich nicht für einen Offizier ! wiederholte er noch einmal , indem er sich erhob , und das Urtheil über die Arten ' sche Familie war mit diesen Worten für den ganzen Hof nur noch entschiedener als durch die Prinzessin ausgesprochen . Nur Einer ließ sich nicht davon bestimmen , nur auf den ältesten Sohn des Königs , auf den jungen , geistreichen und phantastischen Kronprinzen übte diese ganze Unterhaltung eine gerade entgegengesetzte Wirkung aus . Er liebte die Künste und die Wissenschaften , er war ein Verehrer der alten italienischen Musik , seine Vorliebe für Italien und für die Gebräuche der katholischen Kirche war schon damals eine entschiedene , und es hatte daher eben nur der Erwähnung bedurft , daß die Baronin Vittoria von Arten eine entflohene Nonne und eine Meisterin im Vortrage der alten italienischen Kirchenmusik sei , um dem Kronprinzen das Verlangen nach ihrer Bekanntschaft einzuflößen . Eine ehemalige Nonne die alten , tiefsinnigen Melodieen des fünfzehnten und sechszehnten Jahrhunderts inmitten der aufgeklärten und zum Theil so nüchternen Gesellschaft singen zu hören , bot für die Phantasie des lebhaften , jungen Prinzen einen reizenden Gegensatz dar , und die Erscheinung der verwittweten Baronin war wie dazu geschaffen , die Gerüchte über ihre Vergangenheit zu bestätigen . Vittoria selber fühlte sich überrascht , als sie sich zum ersten Male in ihrem Leben in der reichen Tracht erblickte , welche die Etiquette bei den großen Hoffesten den Eingeladenen vorschreibt . Das schwere Schleppkleid ließ ihre Gestalt größer erscheinen , als sie war , ihre Büste , ihr Nacken zeigten noch die vollendete Schönheit der italienischen Formen , und was die Zeit ihrem mächtigen Antlitze an Frische geraubt hatte , das ersetzte der Ausdruck ihrer Augen , das vermißte man nicht , wenn die Lebhaftigkeit des Gespräches ihre Wangen mit jener feinen Röthe färbte , welche eben auch nur den Südländern eigen ist . Der Kronprinz , der über das Alter Vittoria ' s nicht unterrichtet gewesen war , hatte in ihr , wenn auch nicht eine alte , so doch eine wesentlich ältere Frau zu finden erwartet , und er war daher erstaunt , in ihr noch eine wirkliche Schönheit zu erblicken . Ihre stolze , edle Haltung gefiel ihm wohl , der weiche , tiefe Ton und die vollendete Reinheit , mit welchem sie ihre Muttersprache redete , erfreute sein gebildetes und für jeden Wohlklang sehr empfängliches Ohr , und als er dann am dritten Orte Vittoria einmal mit Cäcilie gemeinschaftlich singen zu hören die Gelegenheit gehabt , hatte er seine Freude über diesen seltenen Genuß so offen und warmherzig ausgesprochen , daß man überall , wo man auf die Anwesenheit des Kronprinzen sich Rechnung machen durfte , die Arten ' sche Familie einlud , sicher , den Prinzen durch den Gesang der beiden Frauen angenehm zu unterhalten . Plötzlich und wider sein Erwarten fand Renatus sich also auf diese Weise in eine Parteistellung gebracht , die er nicht gesucht hatte und die er nicht gewählt haben würde , hätte er es in seiner Hand gehabt , sie nach seinen Wünschen zu bestimmen . Er hatte seine Plane auf ein Vorwärtskommen im Militairdienste und auf die Anerkennung und Gunst des Königs gebaut ; aber diese letztere ward ihm nicht zu Theil . Es hatte bei der einmaligen Einladung , mit welcher der König ihn beehrte , sein Bewenden ; auch an dem Hofe der Prinzessin wurden Renatus und die Seinen nicht in der Weise , wie sie es wünschen mußten , aufgenommen ; dafür aber empfingen alle diejenigen sie mit offenen Armen , welche zu dem näheren Umgangskreise des Kronprinzen gehörten . Renatus , der sich den vorsichtigen Intriguen seiner Schwägerin und seines Oheims gegenüber in die Nothwendigkeit versetzt sah , sich nach einem Stützpunkte und Anhalte umzuthun , und der , wie alle leicht bestimmbaren Menschen , sehr dazu geeignet war , dasjenige als seine freie Entschließung zu betrachten , was ihm von der Gewalt der Umstände abgezwungen oder aufgenöthigt ward , kam dadurch bald dahin , sich zu überreden , wie es für ihn , wie es für jeden jungen und vorwärts strebenden Mann gerathener sei , sich mit seinen Hoffnungen einem gleichalterigen Fürsten anzuschließen , als deren Erfüllung allein von der augenblicklichen Gunst eines älteren Mannes abhängig zu machen , und die Frauen bestärkten ihn in dieser Ansicht . Sie