, seine Frau und seine Stiefmutter in reichem Schmucke erscheinen zu lassen , sondern ganz eigentlich die Rücksicht auf das Andenken seines Vaters , es waren seine Kindesliebe und ein Gefühl für das , was er sich und seinem Hause schuldig sei , die ihn bewogen , sowohl für Vittoria als für Cäcilie heimlich Ankäufe von Schmuck zu machen . Sie kamen natürlich den einstigen Familien-Diamanten , wie die Baronin Angelika sie aus ihres Gatten Hand empfangen hatte , in keiner Weise gleich ; indeß Cäcilie hatte die alten Brillanten niemals , Vittoria sie seit langer Zeit nicht mehr gesehen , und Renatus hatte also keine große Mühe , es den beiden Frauen glaublich zu machen , daß der verstorbene Freiherr während der Kriegsjahre einige der Werthstücke verkauft und daß er selbst jetzt den übrig gebliebenen Brillanten , Behufs der Theilung zwischen seiner Frau und seiner Mutter , eine neue Fassung habe geben lassen . Es gewährte ihm dabei eine Freude , zu sehen , wie wenig Vittoria zur Habsucht geneigt war , wie bereitwillig sie die Hälfte des , wie sie glauben mußte , ihr allein zu Recht gehörenden Schmuckes an die Schwiegertochter abtrat ; und da nebenher auch Cäcilie ein außerordentliches Vergnügen über den Besitz dieser Diamanten kund gab , so schlug sich Renatus endlich die Sorge wegen dieser neuen und für seine gegenwärtigen Verhältnisse viel zu großen Ausgaben aus dem Sinne . Er tröstete sich damit , daß die Vorsehung , welche ihm so mannigfache , unerwartete Hindernisse bereitet und Prüfungen jeder Art auferlegt habe , ihm doch endlich auch auf irgend eine unvorherzusehende Weise zu Hülfe kommen , daß sie es ihm möglich machen müsse , die guten und festen Vorsätze , die er schon in früher Jugend für seine einstige Ehe gehegt hatte , zur Ausführung zu bringen , damit er sich jenes schöne und würdige Familienleben aufrichten könne , welches ihm von jeher als das Ziel vorgeschwebt hatte , nach welchem vor Allem der wahre Edelmann zu streben habe . Daß ihm für diesen idealen Bau die beiden Hauptbedingungen : der feste Boden gesicherter Vermögensverhältnisse oder die Fähigkeit der zu jeder Entbehrung bereiten Selbstbeschränkung , fehlten , daran allerdings dachte der Freiherr nicht . Mit seinem Namen , mit seinen Verbindungen und bei seiner militärischen Stellung fand er für seine Vorstellung bei Hofe keine Schwierigkeit ; dennoch war der Empfang , welcher ihm und seiner Familie in den verschiedenen Hofstaaten zu Theil ward , je nach den , in den einzelnen Schlössern herrschenden Gesinnungen und Lebensgewohnheiten , sehr verschieden . Daß er von Seiten der Prinzessin , welche sich zu Hildegard ' s Beschützerin gemacht und deren Gunst Graf Gerhard sich erworben , auf keine günstige Stimmung für sich rechnen konnte , hatte sich Renatus im voraus gesagt . Aber die Gnade , welcher die Gräfin Rhoden sich von Seiten der Prinzessin von jeher erfreut hatte , machte es trotzdem für Cäcilie und für ihren Gatten zu einer Pflicht der Dankbarkeit , die Vorstellung bei der Prinzessin nachzusuchen , und Renatus , der in dem Regimente diente , dessen Chef eben der Gemahl der Prinzessin nach dem Kriege geworden war , fand sich damit ab , daß er wenigstens doch die Zufriedenheit und Geneigtheit dieses Letzteren besitze und es in seiner Gewalt habe , sie durch die strengste Pünktlichkeit im Dienste in immer höherem Grade zu verdienen . Diese Pünktlichkeit im Dienste war es auch , welche den König auf den jungen Major von Arten aufmerksam hatte werden lassen . In der ganzen Garde gab es bei den Cavallerie-Regimentern kaum eine andere Schwadron , deren Exercitien so vollendet , in welcher der Mann und sein Pferd so Eins , in der die Leute eine so in einander gefestete Masse und jeder Knopf und jede Schnalle so der strengsten Dienstvorschrift entsprechend gewesen wären , als in der des Majors von Arten . Aber wenn die Armee und ihre äußere Stattlichkeit auch der Stolz des Königs und die Freude an der regelrechten , seelenlosen Front jetzt nach den Kriegen noch mehr als vor denselben seine eigentliche Liebhaberei geworden war , so bestimmte doch der strenge , bis zur Uebertreibung gehende Ordnungssinn des Königs , aus welchem der ganze militärische Gamaschendienst entsprang , seine Anschauungen und Ansichten auch nach andern Seiten . Er erkannte überall nur mit Widerstreben die Nothwendigkeit oder die Berechtigung zu einer Ausnahme von der festen Regel an . Feste Gesetze für eine möglichst einförmige Menschenmasse , das war es , was ihm als Ideal vorschweben mochte . Er verabscheute jene Selbständigkeit des Einzelnen , welche sich ihre Lebensverhältnisse nach eigenem Bedürfen zu gestalten unternimmt ; und wie er selber einst in seiner Ehe dem Volke nach den zügellosen Zeiten seines Vaters ein treffliches Vorbild der guten Sitte geliefert hatte , so verlangte er , daß auch von seiner Umgebung kein böses Beispiel gegeben , daß der Anstand und die Zucht in den Familien mit Gewissenhaftigkeit aufrecht und heilig erhalten und überall dasjenige vermieden werden sollte , was von sich sprechen machen , was Aufsehen oder gar ein Aergerniß erregen konnte . Es waren also nicht eben besondere Anstrengungen dazu nöthig , den Major von Arten in der guten Meinung des Königs zu beeinträchtigen . Man bedurfte dazu keiner Künste , keiner Verleumdung , keiner Unwahrheit , die Sache machte sich ganz von selbst . Die Prinzessin , welche nach dem frühen Tode seiner Gemahlin dem Könige nur noch näher getreten war , erwähnte nur einmal zufällig und bedauernd der armen , guten Gräfin Rhoden , die nun nach so langer Entfernung von der Hauptstadt unter so traurigen Verhältnissen wieder in dieselbe zurückgekehrt sei . Der König , dessen nach Fürstenweise wohlgeschultem Gedächtniß nicht leicht eine Thatsache verloren ging , von der er einmal hatte sprechen hören , und der ebenfalls nach Fürstenweise von den Stadt- und Familienneuigkeiten unter der Hand gut unterrichtet zu sein liebte , meinte sich zu erinnern , daß die Tochter der Gräfin mit dem jetzigen Major von Arten frühzeitig