Thiebold waren auf halbem Wege ihr zu Hülfe gesprungen , ja setzten sich selbst darüber dem nächsten Schusse aus ... Ueber alles das entstand eine Scene der höchsten Aufregung ... Sie mehrte sich , als der Landrath vorsprang und rief : Wer raisonnirt hier ? Ruhe ! Ich befehle ! Ich ! Jetzt stand er wuthschäumend auf der Mitte der Pläne ... Ein gemeinsamer Ruf unterbrach ihn : Er ist verrückt ! Haltet ihn ! Bindet ihn ! Wirklich schlug der tolle Mann um sich , drohte mit seiner Doppelflinte , deren einer Lauf wahrscheinlich noch geladen war , und würde ein Unglück angerichtet haben , wenn nicht Jemand hervorsprang , ihm die Arme zu halten . Man hielt Benno und Terschka zurück , auf die Jäger rechnend . Eine leicht erklärliche Scheu vor der ersten Verwaltungsbehörde der Gegend hielt die Nächststehenden noch eine Secunde ohne Entschluß - Da theilten sich die Büsche und mit dem Rufe : Pax vobiscum ! sprang mit auffliegender Kutte ein Franciscanermönch auf den Plan , hielt mit einem Arm die Flinte des Landraths und griff mit dem andern so geschickt beide durch die Luft fuchtelnden Hände des ungeberdig Drohenden und Rasenden , daß dieser zwar mit schaumbedecktem Munde sich fest und aufrecht erhielt , aber auch bewegungslos verharrte , nur noch machtlos seinen Bändiger anstarrend ... Bruder Hubertus war es , der selbst weiland ein Jäger gewesen und den entweder das Gebell der Hunde , das Knattern der Flinten oder Terschka ' s Anwesenheit angezogen hatte - im Kloster hatte er sich vor wenig Stunden ihm zu nähern gesucht und war von Terschka schnöde abgewiesen worden ... Die Gesellschaft , außer sich über den Vorfall , umringte die Gruppe und rief dem Mönch , der wie der bändigende Tod dastand : Bewachen Sie ihn ! Führen Sie ihn fort ! Ich will Ihnen Leute zurücklassen ! rief Graf Münnich ... Der Mönch schüttelte den Kopf , sich verbürgend , er würde schon allein den Unglücklichen in Sicherheit bringen ... Inzwischen bliesen auf ein gegebenes Zeichen die Hörner ... Schon zog sich die ganze Gesellschaft in den dichtern Wald ... Armgart geführt von Thiebold - Terschka war im Augenblick , da Hubertus erschien , verschwunden ... Still und stiller wurde es ringsum ... Die Signale nur hörte man , die den Treibern die Veränderung der Stellung ankündigten und die von diesen fernher wieder beantwortet wurden ... Ein einziger schreckenvoller Augenblick ... Jedermann eilte , ihm zu entfliehen . 14. Wie in nächtlicher Waldeinsamkeit zwei kämpfende Hirsche sich ihre Geweihe so ineinander gebohrt haben können , daß sie sich nicht mehr auseinander zu winden wissen , die Kraft der Stirnen nachlassen fühlen und beide ermattet und zum Sterben bereit , ja wie im Tode zuvor noch versöhnt , zu gleicher Zeit hinsinken , so standen sich der Mönch mit dem Todtenkopf und ein Irrsinniger gegenüber ... Immer schwächer und nachgiebiger wurde der Widerstand des Wutschäumenden , der barhaupt , ohne seine herabgefallene Mütze , dastand mit schweißbedeckter Stirn . Zuletzt begann er , wie aus einem Traum erwachend , in Ohnmacht zu sinken ... Der Mönch fing ihn mit ungeschwächter Kraft auf . Er hielt ihn unbeweglich in seinen Armen ... Kein Laut , keine Anrede kam aus seinem Munde ... Der Landrath brach zusammen und verlor die Besinnung ... Einsamkeit ringsum ... Nur die düstern Tannen stille Zeugen des schreckhaften Auftritts ... Beide Männer auf dem schmelzenden Schnee stehend ... Hubertus in Sandalen , der Nässe und Kälte nicht achtend , der Rittmeister mit Koth bespritzt bis zur Achsel ... Ein Gegensatz zu dem sich weitab verziehenden Lärm der Jagd , zu dem Knallen der Büchsen , zu dem Bellen der Hunde , zu dem noch jeweiligen Durchbrechen des Wildes , das scheu und stutzend hielt , der den Muth und die Geistesgegenwart eines Helden herausforderte ... Den Arm des Landraths ließ der Mönch noch immer nicht . Er wollte ihn , wenn er zur Besinnung kam , verhindern , zu entfliehen und der Gesellschaft wieder nachzurennen ; denn daß er mit einem Mann zu thun hatte , der das Licht der Vernunft verloren , hörte Hubertus bald an dem , was der Unglückliche allmählich zu sprechen begann ... Ich bin der Landrath - ! sagte er erwachend ... Wohl ! Wohl ! Herr von Enckefuß ! flüsterte der Mönch mit milder und beruhigender Stimme ... Nehmen Sie sich vor mir in Acht ! Ich kenne Sie sehr wohl ! fuhr der Rittmeister nach einer Weile fort ... Große Ehre , Herr Landrath ! Sie sind der Doctor Klingsohr ! Pater Sebastus jetzt ! Wie konnten Sie sich unterstehen , mich von meinem Freunde - Wittekind fortzuschicken ? Das war ja mein bester , einzigster Freund ! Und der - wollte doch sonst das Pfaffengesindel nicht ! Laß mich , Kapuziner ! Der Mönch bedeutete den Rittmeister , der den Grafen Münnich mit dem Kronsyndikus verwechselte , auf dessen Jagden er früher den Matador gemacht , mit nickenden Zustimmungen ... Nicht wahr ? Ich bin eingeladen ? fragte jetzt der Landrath kleinlaut ... Diese Worte wiederholte er öfter und mit Pfiffigkeit und fuhr dann stolz fort : Mein Vater hat die Schlacht bei Belle-Alliance gewonnen ! Sagst du auch : Wellington ? Landesverräther ! Man muß euch hier alle niederschießen ! Alle ! Eher kommt keine Ruhe und kein Patriotismus ins Land ! Beide gingen dabei schon fürbaß ... Manchmal noch rangen sie , manchmal zankend , manchmal beruhigt still stehend ... Der Mönch ermüdete nicht , durch Eingehen auf die Vorstellungen des kranken Mannes ihn zu besänftigen ... Der Tobende rief : Ich werde euch zeigen , welche Verwandte ich habe ! Ihr sollt euch wundern , wer meine Protection ist ! Der König hat schon mehr als dreißigmal mit mir gesprochen ! Betteln kann ich so gut wie andere , aber - ich gebe keine fünfzig Procent ! Auf Spiel , da steht jetzt Strafe ... Haha ! Tangermann ! Zimmer 15 !