und ein schwelgendes sybaritisches Leben zu führen ? Finden Sie sich doch in Egon ' s Natur , in Egon ' s Aufgabe ! Ist es denn so unmöglich , daß Sie dieser politischen Laufbahn des Geliebten folgen , sich ihr aufmerkend anschließen ? Gehen Sie doch auf seine Pläne des Ehrgeizes ein ! Geben Sie doch diese ungeheure Sehnsucht nach romantischem Glücke auf ! Ich spreche im Tone des Erziehers ... Als Jesuit ! Als kalter Rechnenmeister , der das Herz immer mit dem Verstande in Einklang zu bringen sucht ... Damit die Rechnung aufgeht und kein ... Bruch entsteht ... Bruch ? Helene wiederholte dies Wort , als wenn der falsche Rathgeber das Entsetzlichste gesagt hätte . Bruch ! wiederholte sie und zitterte wie vor einem drohenden Messer und ihre Lippen blieben starr und offen ... Sie selbst , liebe Helene , fuhr Rafflard ruhig fort , Sie selbst arbeiten auf dies Ende hin . Trauen Sie mir , einem Menschenkenner ! Egon ist ehrgeizig , verbinden Sie sich mit dieser seiner Leidenschaft . Werden Sie ihm ein Werkzeug , ein Bundesgenosse seiner Zukunft ! Ich sprach Gelbsattel , der scharf beobachtet . Er sagte mir , Egon würde zwar das Ministerium stürzen helfen , aber nicht im Interesse der Demokratie ... er hat mit Guido Stromer gesprochen , der die Fülle conservativer Elemente in Egon bewundere . Gefährlich nur sind für Egon ' s Entwickelung zum Höchsten seine Umgebungen . Entfernen wir diese , so haben wir ihn und sein Schicksal in der Hand . Ich möchte doch wohl wissen , ob die Gräfin d ' Azimont , Freiin von Osteggen , ich will sagen , wenn es sein muß , geschieden von ihren französischen Verhältnissen , verbunden mit Egon durch das Band der Sitte , der Kirche , nicht im Stande wäre , mit einer Egon ' s Stande geziemenden Laufbahn gleichen Schritt zu halten ! Noch kann Egon nicht daran denken , Sie zu opfern , Helene ! Noch liebt er sie zu innig . Jetzt ein rascher Entschluß ! Legitimiren Sie dies Verhältniß , geben Sie Italien , Balzac , die Romantik auf , schließen Sie sich Paulinen und seiner politischen Caprice an und Egon bleibt Ihnen und wer weiß nicht wem Allem gerettet ! Rafflard schwieg lauernd . Sein Husten hatte ihn in der Ekstase verlassen ... Helene schaute voll Wehmuth . Sie versetzen Berge ! sagte sie dann leise und doch schon vor Wonne über die Möglichkeit einer solchen Wendung ihres Verhältnisses bebend . Entfernen Sie die lästigen Umgebungen - das thut sich auch so ! Sitzen diese Menschen nicht wie die Kletten an ihm ? Das sind seine Arme , seine Hände ! Mit denen wirkt er ; die heben ihn , die tragen ihn ! Egon weiß sehr wohl , es gibt heute keine Erfolge ohne Faiseurs , ohne Gallopins ! Die müssen für ihn vollbringen , was er nur angibt ; die trennen ihn von mir . Wie sind sie zu entfernen ? Man muß Scheidekünstler sein ! Chemische Dinge erfinden , sagte Rafflard und strich sich die Perrücke über die Stirn , man muß Dinge erfinden , die Egon plötzlich isoliren - er steigt auch ohne diese Menschen . Wie wollten Sie nur z.B. den einzigen Rudhard entfernen ? Rudhard fürcht ' ich am wenigsten ; sagte Rafflard . Rudhard ist conservativ . Warum sollt ' ich nicht wünschen , daß Helene Osteggen sich mit der Schwester durch einen Akt des Anstandes aussöhnt ? Helene lachte hierauf bitter und verächtlich , aber doch geschmeichelt von den neuen Möglichkeiten . Mit wiedergewonnener Laune sagte sie : Die gute Schwester folgte mir vielleicht in der neuen Ehe und ließe sich herab , die Frau eines Malers zu werden . Diese Beziehung auf Siegbert Wildungen verstand Rafflard sehr wohl . Schmunzelnd sagte er : Sie sind eifersüchtig auf die gute Adele ! Siegbert Wildungen hat etwas , was Sie an den Lago di Como , die Borromäischen Inseln und den Golf von Neapel erinnert ! Wenn man es dahin bringen könnte , daß die ganze Wäsämskoi ' sche Familie mit dem blonden Siegbert über die Alpen zöge und noch viel früher in Rom wäre , ehe von der Engelsburg die große Girandole aufprasselt ... Helene empfand den bittersten Neid auf dies Glück . Sie wollen mich tödten , sagte sie . Sie wären Jesuit genug , mich durch dies Glück einer Andern zu foltern ! Beruhigen Sie sich , Helene , antwortete Rafflard über diese Frau kopfschüttelnd . Rudhard ist für diese Art von Poesie zu sehr im alten klassischen Geschmack . Wir wollen schon zufrieden sein , wenn Siegbert und Dankmar von Rudhard sich entfernen und ein Zwiespalt unter den Freunden selber eintritt ... Sylvester Rafflard dämpfte die Stimme und trat mit seinen verschmitzten Absichten deutlicher hervor ... Rudhard empfängt , sagte er , heute , wo man , wie ich höre , ein kleines Gartenfest bei den Wäsämskoi ' s feiern wird , wenn sich das Wetter hält , vielleicht um diese gegenwärtige Stunde schon ein Billet , natürlich anonym , und von einer Hand , die er nie enträthselt , worin er aufmerksam gemacht wird , daß die Gesellschaft erstaune über Dinge , die unter seinen Augen zwischen einer Mutter , einer Tochter und einem jungen Maler sich ereigneten ... Boshaft ! fiel Helene ein . Die nächste Folge dieser Mahnung ... Wirklich Olga und die Mutter ? Ist Dem so , Rafflard ? Die nächste Folge dieser Mahnung ... Das arme Kind ist so unglücklich , den Gegenstand ihrer Neigung sich von dieser Mutter geraubt zu sehen ? Die nächste Folge dieser Mahnung ... Diese Olga ! Ich möchte sie kennen lernen ! Meine Nichte ! Was ich von dem Kinde höre , interessirt mich ... ich fühle , daß ich diesem charaktervollen Mädchen eine zärtliche Mutter sein könnte ... Die nächste Folge dieser Mahnung ist ohne Zweifel eine Scene zwischen Rudhard und der Fürstin oder der