politischen Plänen sprechen ? Rafflard warf diese Worte so lauernd und forschend hin , um ihre Wirkung zu beobachten ... Nein , nein ! rief Helene gequält . Die Kammer gefällt Egon wirklich nicht . Er wird die lästigen Freunde abschütteln . Wir sehen keinen deutschen Winter mehr . Ich schreib ' es Desiré . Ich sehe Egon in Italien . Rafflard zog die Augenbrauen in die Höhe und trat nun , da er Helenen zu befangen , zu beherrscht von Egon ' s gewaltiger Persönlichkeit sah , machtvoll mit der entschiedensten Ungläubigkeit hervor . Guter Engel ! sagte er mit schneidender Schärfe , Sie sind , wie ich Sie immer gekannt habe . Ich habe Ihnen in Osteggen Märchen erzählt von Menschen , die so groß sind , daß sie in einem Fingerhut wie in einem prächtigen Palaste wohnen können , von Riesen wieder , die so groß sind , daß sie über den Arc de l ' Etoile hinweg den Tuilerien guten Tag ! sagen könnten ... Sie haben an die Zwerge geglaubt und haben an die Riesen geglaubt . Wissen Sie , daß , so lange Egon in den Händen Paulinen ' s , Guido Stromer ' s , Rudhard ' s , der Gebrüder Wildungen und dieses melancholischen Brutus Louis Armand ist , für Sie keine Hoffnung blüht , kein Glück , keine sichere Stunde der Zärtlichkeit , keine Minute jener phantastischen Idyllen , die jeder empfindenden Frau vom Glücke der Liebe unzertrennlich sind ? Egon sagt , die Politik ekle ihn schon an ? Ich war einen Augenblick , als ich aus den Gefängnissen kam , auf der Zuhörertribüne der Kammer . Wissen Sie , daß Alles gespannt ist auf eine Rede , die Egon heute oder morgen halten wird ? Er ist Berichterstatter des volkswirthschaftlichen Ausschusses und wird über Dinge , die er versteht , seine Meinung sagen . Alles ist Ohr , der Hof wartet mit Sehnsucht , wie sich der von ihm so ausgezeichnete Fürst entwickeln wird . Glauben Sie , daß ihn diese Spannung nicht heben , nicht begeistern wird ? Er wird Triumpfe ernten und bald von dem Weihrauche der Parteiengunst so betäubt sein , daß er aus diesen Absorptionen nicht mehr herauskann , wenn er auch wollte . Arme Helene ! Helene d ' Azimont verzog ihre Mienen , als hätte sie den Schmerz der Kleopatra gefühlt , als ihr unter Blumen die Schlange in die entblößte Brust stach ... Sie sind furchtbar ! Sie tödten mich ! hauchte sie fast wie hinsterbend . Dann aber regte sich plötzlich die Wallung des Stolzes . Ihre leidenschaftliche Natur empörte sich , sie sprang auf . Ihre Brust wogte , ihre Augen funkelten .... So sanft sie sein konnte , wenn ihr Alles nach Wunsche ging , so gläubig sie sich beschwichtigen ließ , so leidenschaftlich konnte ihr Unmuth hervorbrechen , wenn sich ihrem verwöhnten Willen nur das geringste Hinderniß entgegenstelle . Hier nun handelte es sich um Etwas , was ihr die Aufgabe ihres Lebens schien . In tobender Ungeduld , die Briefe , Zeitungen zerknitternd , wegwerfend , im Zimmer auf- und abschreitend , brach sie los und rief , fast wie Norma , dies Ideal der modernen starken Frauen , in der Oper : Bin ich denn der unglücklichen Priesterinnen des Alterthums Eine , die die Flamme am Altare der Liebe in ewiger Glut erhalten sollen und von Dem , der ihre Sehnsucht ist , ihr Leben , ihr Tod , ihr Verbrechen , ihr Alles , betrogen werden ? Ich wüßte keinen Felsen am Meere , der zu hoch wäre , daß ich mich von ihm aus Verzweiflung nicht in die Fluten stürzte ! Wehe mir , was hab ' ich dieser Liebe nicht geopfert ! Losgerissen hab ' ich mich vom Sterbebette eines guten Menschen , der in seinen letzten Stunden auf die liebende Sorgfalt meiner pflegenden Hand angewiesen ist ; Urtheil , Achtung der Menschen hab ' ich in die Schanze geschlagen - was sind sie mir denn Alle , die auf der Erde sind außer dem Einen , den ich liebe , wie meinen Herrn und Gott ! Hätte mir der Himmel ein Kind gegeben , ich würde wissen , wohin ich diese Regungen der Liebe und Zärtlichkeit niederlegte , wie an einen Altar ! Ich würde es pflegen , an ' s Herz drücken , über seinem Athem wachen und nur in ihm leben , in seinem Lallen , in seinem lachenden Auge ... Nun hab ' ich aber auf dieser ganzen Gotteserde nur Egon - nur ihn ! Egon ! Egon ! Und Der liebt mich nicht mehr ! Das heftigste Schluchzen unterbrach diese Verzweiflung und erstickte Helenen ' s Stimme . Die Liebe war stärker als ihr Zorn . Übermannt von ihrer Empfindung warf sie sich auf das Sopha und drückte ihr weinendes Antlitz an die sich feuchtenden Polster ... Rafflard konnte nichts thun , als sie anfangs sich ruhig dem Ausbruche dieser Empfindungen überlassen und mit scheinbar schmerzlicher Theilnahme laut seufzend ihrer verzweifelten Stimmung Nahrung geben . Dann aber erhob er sich und bat sie , ihm zuzuhören . Liebe Gräfin , sagte er , ich muß Sie jetzt tadeln ... Mich tadeln ? Warum ? Mich noch tadeln ! Weil Sie von Egon das Unmögliche begehren ! Geben Sie die Ideen von einem Alleinbesitz des Geliebten auf ! Aufrichtigst ! Sie leiden an einer Überfülle von Romanenstoff , dem Sie die Huldigung bringen wollen , ihm nachzuleben ! Diese abscheulichen Poeten ! Warum können Sie sich nicht Ideale eigener Art erfinden ? Sie , mit Ihrem reichen Geiste , mit Ihrer reichen Phantasie - Ah , unterbrach ihn Helene , ich bin arm . Ich bin nur reich an Liebe . Und werden reich an Unglück sein , wenn Sie mir nicht folgen . Was wollt Ihr jungen Frauen mit Eurer Manie , auf italienischen Seen zu schwimmen , in Rom an den Wasserfällen von Frascati sich zu umarmen