besonders hohen Grade zu erringen gewußt , wurde 1677 Oberstleutnant und Chef der Artillerie und leitete das Jahr darauf ( 1678 ) den artilleristischen Teil der Belagerung von Stralsund . » Den 10. Oktober abends « , so heißt es in Paulis Leben großer Helden , » machte Ernst Weiler auf den Ort aus 80 Stücken , meist halben Kartaunen , 22 Mörsern und 50 Haubitzen ein entsetzliches Feuer . Mit anbrechendem Morgen stand die halbe Stadt in Flammen . Den II. Oktober nach 6 Uhr sah man auf Mauern und Türmen drei weiße Fahnen ausgesteckt . Dies machte , daß Ernst Weiler mit dem groben Geschütz zu spielen aufhörte . « So Pauli . 1683 wurde Ernst Weiler Oberst . 1689 , bei der Belagerung von Bonn , Generalmajor . 1691 erhob ihn Kaiser Leopold in den Adelsstand . Wann Falkenrehde in seinen Besitz kam , ist nicht genau festzustellen gewesen , jedenfalls schon vor 1684 . In Berlin besaß er das Weilersche Haus , das gegenwärtige Kronprinzliche Palais . Er starb am 28. November 1692 . In der Gunst des Großen Kurfürsten und seines Nachfolgers erhielt er sich bis zuletzt . Gleichzeitige Schriftsteller rühmen ihn als einen » Meister in der Geschützkunst « ; die Erfindung der glühenden Kugeln aber , die ihm Feuquières zuschreibt , ist viel älter . Frundsberg schon bediente sich derselben . Dieser Ernst von Weiler kann also der Enthauptete in der Falkenrehder Gruft unmöglich sein , und verbliebe somit nur noch eine vage Möglichkeit , daß sein Sohn , der ebenfalls Artillerieoberst war und ebenfalls den Namen Ernst ( Ernst Christian ) führte , irgendein Vergehen mit gewaltsamem Tode gebüßt habe . Aber auch dieser , wiewohl sein Leben allerhand Unkorrektheiten aufweist , ist natürlichen Todes gestorben . Auch sein Leben läßt sich bis zu seiner letzten Stunde verfolgen . Er war unglücklich verheiratet , entfloh mit einer Baronesse Blumenthal , trat in österreichische Dienste , verheiratete sich ein zweites Mal und starb zu Breslau , nachdem er vorher , auf ein Salvum conductum gestützt , für kurze Zeit im Brandenburgischen eingetroffen war , um seine Angelegenheiten zu ordnen . Auch er also ist es nicht . Alle weiteren von mir angestellten Fragen und Untersuchungen sind erfolglos geblieben . Niemand weiß , wer der Enthauptete in der Falkenrehder Gruft ist . Nur das eine scheint festzustehen : kein von Weiler . Die Archive , die Akten des Feldzeugamts geben keine weitere Auskunft . Die Hoffnung ist schwach , dieses Dunkel je gelichtet zu sehen . Auf der Dorfstraße , unter den vielen Neugierigen , die uns daselbst empfingen , befand sich auch mein Reisegefährte , der , wie jene , nur das Resultat unserer Expedition hatte abwarten wollen . Das lag nun vor , soweit es vorliegen konnte . Er bestieg also seinen Wagen , der uns glücklich bis Falkenrehde gebracht hatte , um seinerseits weiter ins Havelland hinein zu fahren . Ich meinesteils nahm herzlichen Abschied von ihm und meinem Kantor , und schritt auf den Krug zu , um daselbst den Nauener Omnibus abzuwarten . In zehn Minuten mußte er da sein . Die Krugstube war nicht viel größer als die Gruft , aus der wir eben kamen , aber es sah bunter darin aus . In einer Ecke hatte sich ein Kartentisch etabliert ; ihm gegenüber saßen zwei alte Frauen , von denen die eine , in allerhand schottisch karierte Lappen gekleidet , an die Norne in Walter Scotts » Piraten « erinnerte . Beide tranken Kaffee und pusteten über die vollen Untertassen hin . Was sonst noch da war , durchschritt den Stubenkäfig , am unruhigsten unter allen ein hübscher , blonder Mann , Mitte dreißig , dessen Gesamthaltung , trotz einer gewissen weltmännischen Tournüre , unverkennbar auf ein mühevoll absolviertes Obertertia hindeutete . Er hatte das Bedürfnis zu sprechen . » Halb neun wird es wohl werden « , hob er an . » Halb neun ! Ich bitte Sie , das wäre ja furchtbar . Fahren Sie auch bis Potsdam ? « » Ja . Ich wohne in Potsdam . Ein teures Pflaster . Aber was will man machen ? Die Erziehung , die Schulen ... Ich bin Regierungsbeamter . Was nutzen einem hundert Taler mehr in Schlochau oder Deutsch-Krone ? Als Familienvater ... « » Haben Sie mehrere Kinder ? « » Drei . Lauter Jungen . Und sehen Sie , das ist es eben . Ein Mädchen kann in Deutsch-Krone besser gedeihen als in Potsdam , aber ein Junge – was ist ein Junge ohne Gymnasium ! Ich bin Regierungsbeamter . Ich kann meinen Kindern nichts mitgeben , außer Bildung , aber daran halte ich fest . « » Wissen Sie , man muß es nicht überschätzen . Der innere Mensch .... « » Freilich , der innere Mensch bleibt immer die Hauptsache . Es muß drin stecken . Aber eine Kinderseele ist eine zarte Pflanze . Vorbild , Beispiel , elterliches Haus .... « In diesem Augenblicke ( mir durchaus gelegen ) erschien der Kutscher des inzwischen eingetroffenen Omnibus in der Tür , um allen Anwesenden , in einer Sprache , die mehr Vertraulichkeit als Respekt ausdrückte , das Signal zum Aufbruch zu geben . Alles drängte hinaus , und fünf Minuten später saßen wir eng zusammengerückt und fest wie ein Spiel alter Karten , auf den beiden Längssitzen des Wagens . Die Pferde zogen an , und beinahe gleichzeitig rief eine Stimme aus dem Hintergrunde des Wagens : » Fenster zu , daß es warm wird . « Feste Kommandos werden immer befolgt . Eine geschäftige Hand zog sofort an der Lederstrippe , das alte Klapperfenster flog in die Höhe und dreizehn Personen , drei Zigarren und eine kleine Tranlampe , die zunächst noch ganz keck und lustig brannte , unterzogen sich jetzt der gewünschten Erwärmungsaufgabe . Als ich mich orientiert hatte , sah ich , daß der Schlachtschrei » Fenster zu « nur von der alten Norne gekommen sein konnte . Sie