That auf einer Jagdchaise dahergebraust und schon vor ihm - allgemeiner Jubel ! - zogen im erweichenden Schnee drei Wagen voll Heiligenkreuzer Stiftsdamen , die eben Terschka einholen wollte ... Das war ein Grüßen jetzt und Rufen und Lachen und Spotten ... Aus dem Gewirr der Regenschirme und Pelze und Schleier entwickelten sich zwei Jägerinnen , Fräulein von Merwig und Fräulein von Absam ... Und nun ertönte plötzlich noch eine Salve von Bravis und schallendem Händeklatschen ... Noch eine dritte Amazone sprang vom Wagen ... Es war Armgart von Hülleshoven . Thiebold und Benno trauten ihren Augen nicht ... Sie riefen zum Erstaunen des Onkels diesem hinüber und jetzt nicht im mindesten zu dessen Schrecken ... Levinus dachte nur an sich ... Seine Stimmung wurde immer wilder und ( vor Furcht ) kühner : er lobte Armgart und verdammte alle Stubenhocker ... Benno und Thiebold betrachteten sich mit stockendem Herzblut ... Es war Armgart ... Armgart , die trotz ihrer gestrigen Thränen aus dem einen der drei großen offenen Omnibus , der mit den andern zum Schloß Münnichhof weiter fuhr , heraussprang und von Terschka ' s Armen aufgefangen wurde ... Sie trug einen blauen engen , gefütterten Tuchrock über einem grauseidenen Kleide , einen grauen runden Hut mit wallendem blauen Schleier , dunkle Handschuhe und einen carrirten blau-grün-rothen Plaid rings um ihre Schultern geworfen ... Ihr Antlitz war geisterblaß ... Ihr Ausdruck , ihr Lächeln ließ ihre zwei weißen Zähnchen blinken , wie immer , wenn sie träumerisch abwesend war ... Sie grüßte Niemanden , blinzelte nur zu den beiden weißen Erlen hinüber , wo Benno und Thiebold standen , und ging wie ein Opferlamm willig dorthin , wohin sie Terschka stellte ... Ihr ganzes Wesen war gebunden , ihr Wille , des Menschen edelste Kraft , lag vor dem Altar der Gottesmutter ... Das ist die katholische Macht des » Gelübdes « . Der Onkel rief ihr ein Willkommen zu und allerdings sprach er noch drohend : Na ja ! Ich dachte mir doch gleich so etwas ! Das wird schön werden - mit der Tante ! Jetzt nur Vorsicht ! Vorsicht , Herzenskind ! Benno sagte voll Grimm und Verzweiflung zu Thiebold : Eine förmliche Erklärung wird das heute ! Eine öffentliche Vorstellung vor der Gesellschaft ! Sehen Sie nur , wie alles flüstert ! Auch Thiebold » war im Begriff , außer sich zu gerathen « ; aber hinter jedem der Jagdtheilnehmer stand ein Jäger und bediente das Schießzeug - man mußte etwas vorsichtig sein und that besser , zu schweigen ... Pancraz ! rief aber auch Terschka wild auf und ein Jägerbursche , in der grün und gelben Livree der Dorstes , sprang hinzu und bot Armgart die Flinte , offenbar schon im Einverständniß und nach gestern Abend mit ihr getroffener Verabredung ... Sie nahm sie , wie wenn ihre Hand aus einer Urne ein Todesloos zog ... Trara ! Trara ! Trara ! begann es jetzt überall und Halloh ! Halloh ! An die Plätze ! rief man ... Nun lief alles und stellte sich erwartungsvoll ... Der mittlere Plan war leer ... Zwei Jägerreihen zogen sich vierhundert Schritt entlang ... Am äußersten Ende stand der immer laut perorirende Landrath ... Ein Rascheln , ein Knacken hörte man jetzt ... Siehe da ! Fünf Hirsche brachen aus der rechten Flanke des Quarrés , das die Gesellschaft bildete ... Die Hunde , die noch an der Leine gehalten wurden , winselten ... Die Thiere standen noch Keinem schußrecht ... Da plötzlich ruft eine Stimme - es war die des Grafen : - Tire haut ! Tire haut ? ... Alles lachte ... Der Lärm der Treiber hatte die gefiederten Bewohner der Baumkronen in Aufregung gebracht , aber der Onkel hatte ganz Recht , als er heftig lospolterte : Was sind das für Sachen ! Dieser verdammte Münnich ! Nur die Aufmerksamkeit will er vom laufenden Wild ablenken durch die Vögel , die heute gar nicht in Betracht kommen ! Es sind nur Flederwische da oben ! Doch über ihn her viel Schnee von einem abstiebenden Auerhahn ... Pancraz sagte : Herr Baron ! Oben » steht Alles ein « ! Während Armgart über den technischen Ausdruck von » einstehendem « Geflügel vom Onkel eine Belehrung zugeflüstert bekam , erscholl es Piff ! Paff ! ... Von allen Seiten ... Vier Hirsche lagen ; der fünfte war durchgebrochen ... Aber auch der Auerhahn stürzte herab ... Diesen hatte Terschka geschossen ... Darüber gab es Verwirrung genug . Man hatte nun die Hunde losgelassen . Verwundet war das fünfte Thier entflohen . Auf dem Schnee sah man die Schweißspuren . Einige Hundert Schritt von der andern Flanke der Pläne , die man bestand , stutzte der Hirsch , machte , von den Treibern der andern Seite empfangen , Halt und wandte sich zurück . Nun stellte ihn die Meute und der Zunächststehende war berufen , das Thier zu schießen ... Es waren gerade Benno und Thiebold ... Thiebold , » vorwitzig , wie auch nur ich sein kann « , schoß - schoß fehl ... Jetzt legte Benno an - wollte losdrücken ... Paff ! Im Nu schon sank das Thier , von einer Kugel getroffen , die vom äußersten Ende der Jagdreihe kam ... Der Landrath hatte geschossen ... Aus einer Entfernung , wo ihm zum Schuß jede Berechtigung fehlte ... Darüber gab es denn einen gewaltigen Lärm ... Diese Anmaßung war gegen alle Regel ... Die Kugel hätte fehltreffen , Jemanden verwunden , tödten können ... Zornig schrie man durcheinander ... Dem Onkel wurde es immer wirrer zu Muthe ... Das fortgesetzte Knallen der Büchsen - an andern Orten brach neues Wild durch - die Nähe der Schießstände , das Pfeifen der Kugeln , Armgart ' s ihm jetzt doch » tollkühn « erscheinende Anwesenheit , alles mahnte zur Vorsicht und in leibhafter Gestalt sah er Tante Benigna neben sich , die mit den ängstlichsten Warnungen ihn beschwor , sich um aller Heiligen willen in