sie noch heute an den Quai d ' Orsay nach Paris zu berichten . Helene , in völliger Sicherheit sich wiegend und bei Rafflard nur die Theilnahme für ihr Glück voraussetzend , fuhr fort : Egon nahm diese Worte nicht stürmisch , aber auch nicht kalt auf , Rafflard , und ich fand dies ermuthigend für mich . Es ist doch , meinen Sie nicht , Professor , es ist doch ein Entschluß für das Leben , den ich von ihm verlangte ? Du stellst mir Alternativen ? sagte Egon ruhig lächelnd und fügte hinzu : Helene , Das ist doch eigentlich nicht schön von dir und nicht deiner würdig , nicht Helenisch ! Lieber Egon , sagt ' ich , ich stelle dir keine Alternativen . Ich werde dich lieben , das weißt du , auch wenn du mich mit Füßen trittst . Leider kennst du meine Schwäche . Aber ich will dein eigenes Glück . Ich ehre dein sittliches Gefühl , es quält dich , mich nicht durch die Bande der Ehe an deine theure geliebte Person gekettet zu sehen . Oder willst du die Ehe selbst nicht , laß uns wenigstens nach Italien gehen und unter milderen Voraussetzungen , als die hier üblichen sind , glücklich leben . Dieser Boden kann niemals die Heimat meines Glückes werden - Das fühl ' ich , Egon ... Ich konnte nicht weiter ; denn Thränen erstickten meine Stimme ... Sie sind noch jetzt gerührt , Helene ! Fassen Sie sich ! sprach Rafflard in größter Spannung . Er war Menschenkenner genug , Egon ' s Antworten keineswegs so beruhigend zu finden , wie sie sich Helene dachte ... Egon war sehr lieb , sehr gut , Rafflard ! Wirklich , er zog mich an sein Herz und sah mir so kindlich in ' s Auge , so gut , wie in unsern glücklichsten Tagen am See von Enghien . Helene , sagte er , wie ich dich liebe , weißt du ! Ich mache mir Vorwürfe , daß mein Herz getheilt ist . Ich bin nicht so sehr Egoist , daß ich dir nicht nachempfände , wie es dich schmerzen muß , mich in so vielen Beziehungen zu wissen , die in keiner Verbindung mit den zarten Fäden stehen , in denen dein Herz sich einzuspinnen liebt . Auch meine Beziehung zu Paulinen erfreut dich nicht . Ich bin aus mancherlei Rücksichten verpflichtet , wenn nicht die Freundschaft , doch die Schonung dieser Frau zu wünschen . Sie hat sich mir mit großer Hingebung anvertraut ... Sie wird ihn benutzen , so lange er gilt , schaltete Rafflard ein , um Helenen ' s Befremden über Das , was sie selbst erzählte , zu mildern ; sie wirft ihn weg , wenn er sich überlebt hat , was in unserer Zeit und bei der Gattung von Politik , die jetzt auf dem offnen Schauplatze getrieben wird , das Werk eines halben Jahres ist . Er selbst , fuhr Helene fort , räumte mir die gleiche Bemerkung , die ich machte , gern ein und verwünschte den Einfluß , unter den er so plötzlich gerathen wäre . Ich sprach nun von seinen Freunden ... mit Energie , mit Zornesworten flammt ' ich auf . Ja Rafflard , ich glaube , daß sie anfangen ihm lästig zu werden . Rafflard horchte ungläubig ... Doch ! Doch ! Er sprach von großer Verschiedenheit der Ansichten und von chimärischen Auffassungen , die auf dem Boden der gegebenen Verhältnisse nicht Stand hielten . Er hatte , Sie kennen diese Pläne , sich vorgenommen , fast alle seine Leute zu entlassen , sein Hauswesen bis zur Entsagung eines Diogenes zu vereinfachen . Alle diese Pläne sind aufgegeben . Er wird seinem Stande gemäß leben und sich sogar nicht scheuen , in Hoffnung auf seinen umsichtigen Generalpächter , Ackermann , mit dem Bankier Reichmeyer ein neues Geldgeschäft zu machen ... Rafflard hörte nur und hustete ... Ich gebe Ihnen mein Wort , Rafflard , er sprach so vernünftig , so klar , so seinem Stande angemessen ... Und die Heirath ? unterbrach der Späher ... Freund , ich mochte doch nun auf dies Thema nicht wieder gewaltsam zurückkommen ! Er vermied es nicht . Nein ! Aber ich begnügte mich , ihm nur meinen Refrain : Italien ! Italien ! zu wiederholen . Und da versprach er mir , allen diesen Beziehungen , die ihn hier fesseln , hier zerstreuen , meiner Liebe entziehen , sobald es irgend mit seiner Ehre vereinbar wäre , zu entsagen und mit mir über die Alpen zu ziehen . Ist Das nicht himmlisch ? Rafflard stand auf . Er war mit diesem Ergebniß nicht im Geringsten zufrieden . Er sah , wie leicht die eigenthümliche Natur Helenen ' s zu täuschen war . Doch hütete er sich wohl , ihren Verdacht zu wecken und seine Zweifel zu laut auszusprechen . Er räusperte sich , hustete und wiederholte nur : Sehr schön ! Sehr schön ! Helene wird so glücklich werden , wie sie es verdient . Sehen Sie Italien ! Ich wünschte , ich dürfte Sie begleiten und Abends auf dem Corso von Florenz spazieren gehen . Mit einem raschen Übergang kam Rafflard auf Briefe , die vor Helenen ausgebreitet lagen und Pariser Poststempel trugen . Er wußte schon , daß der Graf todtkrank war . Seine Mutter hatte ihm geschrieben und die dringendste Eile für die Verbindung Helenen ' s mit Egon angerathen . So stellte er sich unwissend und fragte , was sie von Paris Neues hätte ... Desiré ist sehr leidend , sagte Helene . Die Ärzte wollen ihm kein Jahr mehr geben . Ich lese mit Rührung die Scherze , die er mir schreibt . Er ist so gut ! Er will mich unterhalten , und hofft , daß ich glücklich bin ! Glücklich ? In Italien ? Zum Carnaval ? Nicht ? Desiré hört es vielleicht gern , wenn Sie mit ihm von Egon ' s