nicht im mindesten stolz . Er sprach leutselig mit allen , wie wenn sie seine besten Freunde und Bekannte wären ... Ein ängstlicher Waffenstillstand zwischen zwei feindlichen Lagern ... Hinein in die Unentschlossenheit , was nun zu beginnen wäre , in den unheimlichen Eindruck des so außerordentlich sichern , ja fröhlichen Benehmens des Landraths ertönten die Signale des Aufbruchs , die Rüden schlugen an , johlten und heulten vor Jagdungeduld , die Jäger klatschten mit den Peitschen , der Zug kam in Bewegung , noch ehe man den Landrath entfernt hatte . Auch jetzt folgte er wohlgemuth und setzte sich auf einen der Wagen , gerade wie wenn er dazu gehörte . Da sein Diener nicht jagdkundig war , blieb derselbe zurück . Es schloß sich dafür dem Landrath ohne weitere Weisung einer der jedem Jagdtheilnehmer zum Beistand beorderten Jäger an ... Die Fahrt dauerte nicht allzu lange . Bald gelangte man in den von hohen Tannen und Buchen bestandenen Wald ... Es war die letzte große Jagd in einem Walde , der hundert Jahre bedurfte , um das wieder zu werden , was er war ... An einer Eichenschonung stand unter zwanzig Männern , die hier schon zu Fuß und zu Wagen harrten , einer , der sich in stillem Träumen das auch sagte und rings um sich blickend nachfühlte . Wie wenig liegt ein seiner Sinn in den Auffassungen der Menschen ! Wie gehen sie ruhig an Thatsachen vorüber , an denen ein anderer mit Schmerz verweilt ! Benno war es , der auch das sich sprach ... In einen einfachen kurzen Militärmantel , grau mit rothem Kragen , war er gehüllt , einen Mantel , den er über seiner gewöhnlichen Kleidung trug . Fest an den Hüften war der Mantel zusammengeschnürt und hob gefällig seine schlanke Gestalt ; ein schwarzer bürgerlicher Hut bedeckte sein blasses , leidendes Antlitz ... Ueber Thiebold mußte er lächeln , der in einiger Entfernung einen Kreis um sich hatte , dem schon wieder in bester Laune von ihm seine amerikanischen Abenteuer und sein berühmter Sturz in den Sanct-Moritz erzählt wurden ... Für Benno ' s Jugendträume gaukelten hier die kleinen Elfen des Waldes daher dahin ... Noch einmal hielten sie unsichtbar ihren letzten Reigen unter den grünen Tannen , schwangen sich zum letzten mal auf den Nacken des Wildes , um ihm einen Weg durch das Dickicht zu bahnen vor seinen Verfolgern ... zum letzten mal waren die kleinen Seen , die sich hier und dort im Walde fanden und zu denen sonst im Mondlicht die Hirschkühe ihre Kleinen zur Tränke führten , von den Schatten hoher Bäume bekränzt ... Bald sollten diese Lichtungen , die sich unter der schmelzenden Schneedecke so geheimnißvoll und traulich im Holze öffneten , dem Winde preisgegeben sein , der über die zurückgelassenen todten Stumpfe der verkauften Stämme fegte ... In einem Wald , den ein leichtsinniger Verschwender vor der Zeit lichtet , glaubt man oft Banket gehalten zu sehen von Junkern und geputzten Damen bei musicierenden Eichhörnchen und brummenden Borkenkäfern und taktschlagenden Spechten in den Zweigen ... Hier , da der Wald zu Eisenbahnschwellen benutzt wurde , brauste die Locomotive daher und schnaubte und pfiff so teufels- und aufklärungsgemäß , wie nicht blos Norbert Müllenhoff gesagt hätte , sondern selbst Onkel Levinus wiederholte , der , je besorgter er jetzt wurde , desto mehr zu sprechen anfing ... Benno war von ihm aufs freundlichste begrüßt worden ... Levinus plauderte schon deshalb , um sich dem Jagdhumor zu entziehen , der auf der Fahrt vom Schloß Münnichhof und hier bei dem Halloh der ersten Begrüßung sich auf seine Kosten zu entwickeln begann . Man fragte ihn , welche Nummer seine Brille hätte , wie viel Wild er heute würde am Leben lassen , ob er es unter einem Sechszehnender thun würde und so fort in jenem jagdüblichen Schrauben , das bei allen schon in vollem Gange war ... Ich kenne euere Pfiffe ! rief Onkel Levinus . Ihr wollt uns nur sicher machen durch euere schlechten Witze ! So wild werd ' ich darum doch noch nicht , daß ich mich vor Zorn mit dem ersten besten Stand begnüge , der mir angewiesen wird ! Das ist so eine Ihrer bekannten Finten , Graf Münnich , uns im Spaß alles übersehen zu lassen ! Wir Landesoberjägermeister kennen das ! Man befand sich auf einer mitten im Walde liegenden Fläche , die auf einige hundert Schritte weit von Knieholz unterbrochen wurde und sich zur Aufstellung einer doppelten Schützenreihe , auf jeder Seite zwanzig , hinter Busch und Baum , vortrefflich eignete . Eine Freifrau von Stein , die schon vom Schloß mitgekommen war , ließ sich in einem Tragsessel von zwei Bauernburschen ins Holz tragen ; eine schon bejahrtere Frau von Böckel-Dollspring-Sandvoß watete selbst durch den Schnee mit Wasserstiefeln , die ihr bis an die Kniee gingen ... Die Wagen waren inzwischen nicht weit vom Eingang in den Forst zurückgeblieben ... In der Ferne und immer näher kommend hörte man schon ein Rasseln und Schlagen in den Büschen und der Oberförster versicherte , es wäre die höchste Zeit , die Posten einzunehmen ... Noch war keine rechte Einigkeit da , denn Terschka fehlte . Alle spähten nach ihm ; nicht blos Onkel Levinus , nicht blos Benno und Thiebold , die hinter zwei mächtigen Erlenbäumen , die gabelförmig aus der Erde geschossen , zusammenstanden , Platz genommen hatten ... Terschka ' s Jagdkunst schien allen bestimmt , den Preis zu gewinnen ... Da er ausblieb , wollte man beginnen ... Der Onkel bedeutete die Signalisten und rief : Diese Eile ist wieder nur eine euerer verdammten Finten ! Statt mit Vorsicht und Bedacht die Plätze anzuordnen , wird nun alles mit Hast übers Knie gebrochen ! Schweigt ! Schweigt ! sag ' ich . Die verdammten Intriguanten haben alles abgekartet ! Endlich hörte man nur noch Ein Signal blasen ; es kam aus der Ferne ... Das wird Terschka sein ! hieß es ... Terschka kam in der