Ofen für die glühenden Kugeln versehen , erzielte die englische Artillerie bei diesem ersten Bombardement größere Resultate als die französische . Dennoch widerstanden auch hier die Russen mit Glück . Die Erde zitterte wie bei einem Erdbeben von der gewaltigen Erschütterung der Atmosphäre , der Luftzug war von dem heftigen Feuer erloschen und der Pulverdampf bedeckte so dicht die Umgegend , daß man nur nach dem Blitzen der feindlichen Schüsse die Geschütze richten konnte . Es war 12 Uhr , als der tapfere Leiter der Vertheidigungs-anstalten , Vice-Admiral Korniloff , nachdem er wiederholt die Linien beritten , sich auf dem Malachof-Hügel befand . Er hatte sich eben von seinen Freund und Kameraden Nachimoff getrennt , der mit riesenhafter Thätigkeit die Vertheidigung auf der Bastion III. leitete , deren Geschützbedienung bereits drei Mal hatte ersetzt werden müssen . Als er eben vom Thurm bis zur Brustwehr gehen wollte , um sein Pferd zu besteigen , traf ihn eine Kanonenkugel und riß , die unheilkündende Waffe 8 zerschmetternd , ihm das linke Bein am Unterleibe weg . Heulend vor Schmerz und Wuth warfen sich die treuen Matrosen auf den geliebten Führer und trugen ihn zur nächsten Verbandanstalt . Nur noch bis zum Abend lebte der tapfere Kommandant der Matrosen des schwarzen Meeres . Als man ihm kurz vor seinem Tode die Nachricht mittheilte , daß die feindlichen Batterieen zum Schweigen gebracht worden , rief er ein » Hurrah ! « und starb . Um drei Uhr Nachmittags begannen die Schiffe , eines nach dem andern mit Hilfe der Dampfer sich aus der Kampflinie zurückzuziehen , um 6 Uhr war die ganze alliirte Flotte aus dem Schußbereich der russischen Batterieen und steuerte theils der Rohr-Bai , theils der Mündung der Katscha zu , um Havarie auszubessern . Diese war sehr bedeutend - namentlich hatte das Feuer des Fort Constantin furchtbar gewirkt . Auf dem französischen Admiralschiff - » Ville de Paris « - war der ganze Stab Hamelin ' s verwundet , nur er selbst blieb in dem Regen der Bomben wie durch ein Wunder verschont . Auch der » Montebello « , » Friedland « , » Napoleon « und » Karl der Große « hatten schwer gelitten . Von den englischen Schiffen , die dem Fort Constantin gegenüber gestanden , waren die » Agamemnon « , » Albion « und » Queen « bedeutend beschädigt . Bei keinem später Bombardement wagten die Flotten wieder , den Forts so nahe zu kommen . Aus den englischen Batterieen hatte sich das Feuer hauptsächlich gegen die Bastion III. gerichtet , deren Geschütze um die dritte Nachmittagsstunde fast sämtlich demontirt waren . Doch war auch der Schaden in den britischen Linien bedeutend ; um 4 Uhr flog dort gleichfalls ein Pulvermagazin in die Luft und am Abend erwiderten nur noch zwei Geschütze das Feuer . Mit einbrechender Dunkelheit schwieg das Feuer der Kanonen gänzlich und die Stille der Erschöpfung , des Todes lagerte sich über die Stadt und ihre Umgebung . Der Verlust der Alliirten betrug auf den Flotten allein nach den offiziellen Berichten 527 Mann , in den Trancheen mindestens eben so viel . Die Russen zählten gleichfalls 1200 Todte und Verwundete . Ssewastopol hatte seine Bluttaufe siegreich bestanden ! Fußnoten 1 Die östlichste kurze Einbuchtung der Rhede von Sebastopol auf der Südseite . Zwischen dem Kilen-Grund und der großen Südbucht mit der davon an der Mündung abzweigenden kleineren Schifferbucht liegt die Schiffer-Vorstadt . 2 Hiervon am Eingang südlich das Quarantaine-Fort mit 60 , Fort Alexander mit 90 Geschützen , nördlich Fort Constantin mit 110 Kanonen . Diese 260 Geschütze konnten gegen die Flotten auf der Außenrhede operiren . 3 Den geehrten Lesern , die bei der Lectüre einen Plan Sebastopols nicht zur Hand haben , kann die nachfolgende typographische Situationsangabe wenigstens dazu dienen , die Reihefolge und Stellung der Bastionen für späteren Gang der Erzählung in der Erinnerung zu halten . 4 Kamischewaja-Bai - Rohr-Bai . 5 Etwa 1400 Schritt . 6 Ein tscherkessisches Schwert . 7 S. die Scene Band II. , Seite 87. 8 Die Stücken der Waffe befinden sich im Besitz der Familie des Admirals . Balaclawa und Inkermann . Die Namen stehen blutig eingezeichnet im Buch der Weltgeschichte ! Das erfolglose Bombardement vom 17. October , dem sie nicht einmal den Versuch eines Sturmes folgen lassen konnten , nöthigte die Alliirten zu einer regelmäßigen Belagerung der Festung . Wir haben bereits ausgeführt , wie ihre erste Sorge dahin gegangen war , durch Befestigung des Sapunberges und der Zugänge nach Balaclawa ihre Operationsbasis zu sichern . Hierhin richteten sich natürlich auch die Blicke des Oberkommandanten der russischen Armee . Einstweilen erwarteten beide Theile die Ankunft neuer Verstärkungen . Die Alliirten , auf ihre bedeutenden Hilfsmittel und ihre Ueberlegenheit an Zahl vertrauend , hofften , durch eine regelmäßige Belagerung die Stadt bis zum Einbruch des Winters zu erobern . Die Engländer setzten ihr Feuer aus 68 Geschützen fort und am 19. waren auch die französischen Batterieen so weit wieder hergestellt , um das ihre beginnen zu können . Die Beschießung wurde fortgesetzt , ohne daß der eine oder der andere Theil wesentliche Nachtheile davon hatte . Die Russen , die durch das Bombardement täglich etwa 300 Mann verloren , besserten über Nacht regelmäßig ihre Schäden wieder aus , ersetzten die zerstörten Mauern durch zweckmäßige Erdwerke und errichteten neue unter der rastlosthätigen Leitung der Ingenieur-Arbeiten durch Totleben , der nach dem ersten Bombardement zum Obersten ernannt worden . Die Linie der Befestigungswerke war zur besseren Oberleitung der Vertheidigung in vier Abtheilungen getheilt , welche zu dieser Zeit der General-Major Asnalowitsch , Vice-Admiral Novossilski , Contre-Admiral Panfilof und Contre-Admiral Istomin befehligten . General-Lieutenant Kirjakof kommandirte die Reserven , Kommandant der gesamten Truppen , die aus 57 Bataillonen bestanden , war der General-Lieutenant Moller , Hafen-Gouverneur der Vice-Admiral Staujukowitsch , Kommandant der 13 See-Equipagen der Vice-Admiral Nachimof . Die englischen Batterieen warfen zahlreiche Raketen in die Stadt , doch ohne viel Erfolg ; dagegen litten die Vertheidiger durch das Büchsenfeuer der Zuaven und Jäger