Mütze mit einer Feder sah er aus wie ein Heusprengsel und die Gräfin von Münnich , eine fromme Dame , die ohne eine kirchliche Buße nicht ins Theater ging , mußte im Kreise ihres Besuchs wider Willen über ihn lachen , als sie auf einen Balcon hinaustrat , der in den Hof ging , angelockt von einem Horusolo , das jedoch des Guten zu viel that und in Dissonanz verendete ... Zu der Blüte des Adels , zu jungen und alten im Bann der hiesigen Anschauungen lebenden Cavalieren , auch Offizieren der benachbarten Garnisonen , hatte sich schon jetzt eine nicht geringe Anzahl Frauen gesellt . Amazonenhaft traten nur einige wenige auf . Mit Spannung erwartete man vorzugsweise die Damen aus dem Stifte ... Die Fräulein von Merwig und von Absam blieben ohne Zweifel schon auf dem für den Beginn der Jagd abgesteckten Standorte zurück , an dem sie vorüberfahren mußten und wo sich alle diejenigen einfinden wollten , die erst über Münnichhof einen Umweg gemacht hätten ... Terschka war nicht zu sehen ... Jeder fragte nach ihm ... Fest stand , daß ihn seine Ritterlichkeit heute wieder zur Hauptperson des Tages machen würde ... In der That schon mit » Schußneid « sagte das Graf Münnich , ein schlanker , von Kopf bis zu Fuß jagdgemäß gerüsteter Herr , dessen Aufregung unter den zwanzig bis dreißig Cavalieren die lebhafteste war ... Benno und Thiebold sollten gleichfalls kommen ... Letzterer als baldiger Herr des heute und bis zum Frühjahr zum letzten mal vom Jagdruf widerhallenden Waldes ... Der auch an ihn ergangenen Einladung hatte er um so weniger widerstehen können , als er nach den gestrigen schmerzlichen Erfahrungen für Benno ' s ihn » jetzt ängstigenden « Trübsinn und den minder gefährlichen eigenen die erheiternde Wirkung eines solchen Vergnügens geltend machte , auch » nicht leugnen « konnte , daß ihm ein vom jungen Tübbicke in Witoborn schleunigst nach dem Modejournal angefertigtes Jagdcostüm nicht übel stehen müßte ... In dem großen Ahnensaal , in welchem neben den bis weit über den Westfälischen Friedensschluß hinausreichenden Familienporträts die wunderbarsten Hirschgeweihe hingen , solche sogar , die mit Baumästen verwachsen waren , nahm man ein Frühstück ein . Dann wäre man , da die , welche noch fehlten , aus dem gewählten Schießstande im Warten ungeduldig werden konnten , unfehlbar aufgebrochen , wenn sich nicht die Scene auf eine eigenthümliche Art durch das Eintreten einer Persönlichkeit geändert hatte , deren Erscheinen hier Niemand erwartete . Ein magerer Herr in mittlerer Statur , in der sogenannten Armeeuniform , die Brust mit Orden bedeckt , trat ein ... Hinter ihm folgte ein Jäger , der , wie alle Leibschützen , die Flinte seiner Herrschaft trug ... Der Landrath ! ging es mit einstimmigem Murmeln durch die Reihen der aus ihren schon wieder angezogenen Pelzröcken und Ueberwürfen kaum erkennbaren Physiognomieen ... Niemand war bestürzter , als der Wirth , Graf Münnich selbst ... Was ist das ? rief er erstaunt und allen hörbar ... Bald stellte sich heraus , daß den Landrath von Enckefuß Niemand eingeladen hatte ... Noch mehr ... Der feierliche Aufzug des in dieser Sphäre schon lange durch die Zeitereignisse Proscribirten hatte etwas Beängstigendes ... Daß dieser weiland » schöne Mann « , ein alter Cavalerieoffizier , sich mit der größten Beflissenheit seinen Bart , sein Haar gefärbt , ja sogar die Runzeln seines fast fleischlosen und nur aus Haut und Knochen bestehenden Kopfes weggemalt hatte , überraschte Niemanden . Auch heute hatte er seine allbekannte Toilette , dieselbe Chevalerie mit den Damen , dasselbe stramme Auftreten mit den hohen Stulpstiefeln , dieselben Scherze , die man an ihm gewohnt war ... Aber in so seltsamer Übertreibung kam alles an ihm zum Vorschein , daß man annehmen mußte , entweder hatte er bereits seinem vormittägigen Lieblingsgetränk , dem Cüração , stark zugesprochen oder er befand sich in allem Ernst in geistiger Unzurechnungsfähigkeit ... Sofort bildete sich eine Phalanx gegen den Vertreter der Regierung , gegen den Mann , der einen Bruder des Kirchenfürsten im Duell erschossen hatte , gegen den Freund des Kronsyndikus , gegen den Vater des Assessors , des jetzigen Rathes von Enckefuß ... wiederum sah man die große Kluft des Vaterlandes und immer peinlicher wurde die Verlegenheit für den Jagdherrn ... Allgemein stellte man ihm in ergrimmter Aufregung die Zumuthung , er solle den unberufenen Eindringling bedeuten , daß sein Eintreffen auf Schloß Münnichhof ein Misverständniß wäre ... Sogar die Gräfin besaß den Muth , die Bedenklichkeiten ihres inzwischen zaghafter gewordenen Gatten zu überwinden und mit der Würde ihrer äußern Erscheinung , mit dem Hochgefühl ihres Zusammenhangs mit dem Träger der dreifachen Krone , den Landrath auf ein Misverständniß aufmerksam zu machen ... sie wollte sagen , daß sie sich ein Gewissen daraus gemacht haben würde , den Herrn von Enckefuß » mit Elementen « zusammenzuführen , » die ihm höchst unangenehm sein müßten « ... Jetzt aber erfuhr sie durch die Dienerschaft , Herr von Enckefuß wäre durch die Nichteinladung zu einer Jagd , an der jeder Adelige der Gegend theilnähme , in einem Grade beleidigt worden , daß man ihn seiner für nicht mehr mächtig halten könnte . Stündlich hätte er die Einladung zur Jagd abgewartet , hätte sein Schießzeug hervorgesucht , es selbst geputzt , seinen Hund angeredet : Sie danken dich ab , Caro ! Sie werfen dir einen Knochen vor , Caro ! Sie setzen dich außer Brot , Caro ! Dann wäre seine Ungeduld gestiegen , immer hätte er gefragt : Keine Einladung vom Grafen ? Keine von Baron Levinus ? Keine von Herrn von Terschka ? Seit gestern hätte er dann eine Miene angenommen , als wäre die Einladung wirklich erfolgt . Nun hätte er seinem Bedienten befohlen , sich als Jäger anzukleiden . Auf die Einrede , er irre sich , die Einladung fehle , hätten die heftigsten Zornausbrüche geantwortet , sodaß man zuletzt vorgezogen , zu schweigen und sich in alles zu fügen . In diesem Zustand erschien er und scheinbar