Fürst ist nun gewählt , er ist in die Kammer getreten , Pauline von Harder spielt eine neue politische Rolle , es sammeln sich Männer von Ruf und Einfluß in ihrem Salon- Nein , nein , hatte sie ihm geantwortet . Das kann es nicht sein ! Sie haßten sich doch ! Er nannte sie die Todfeindin seines Hauses und sie beklagte es ewig , daß ich einen Mann liebte , der ihre beste Freundin aus Familieninstinct verfolgen würde ! Nun sind sie einig . Jeden Abend haben sie ein tête-à-tête ! Was ist Das ? ... Ein tête-à-tête , an dem Heinrichson nicht theilnimmt , doch nicht etwa ? hatte Rafflard mit Lachen dazwischen geworfen ... Er wollte damit sagen , daß Heinrichson viel öfter bei Helenen , als noch bei Paulinen war und der Gräfin eine große Aufmerksamkeit widmete ... Helene hatte dagegen nichts eingewendet , als daß sie flüchtig von einem jungen Mädchen , einer wahren Schönheit sprach , die seit einiger Zeit von Egon erwähnt würde als Verschönerung der Cirkel der Geheimräthin ... Melanie Schlurck ! Rafflard hatte darauf nichts erwidert als den einfachen Vorschlag : Helene sollte , da die Verhältnisse doch nun in der That dringend und schwierig würden , gegen Egon mit offener Sprache heraustreten und von ihm eine Erklärung über ihre beiderseitige Zukunft verlangen ! Helene , gereizt durch die Erinnerung an Melanie Schlurck , fand diesen Rath weise , hatte ihn in der That befolgt und harrte nun an einem Octobermorgen , der sich freundlicher anließ als die bisher vorübergegangenen Wochen , auf den Besuch des Vertrauten , dem sie die Ergebnisse einer gestrigen Unterredung mit Egon mittheilen , vielleicht gar den Auftrag zu einer Scheidung geben wollte zwischen ihr und dem Grafen d ' Azimont . Zweites Capitel Eine Intrigue Die liebliche junge Frau lag in einem sehr gefälligen Schlafrock von weißem Kaschmir , bunt gefüttert und mit Bordüren besetzt , auf dem Sopha und blätterte in Briefen und Sendungen , die sie von Paris erhalten hatte . Die Herbstsonne hatte sich wieder eingestellt und fiel neubelebend und so erwärmend durch die Fenster , daß man von den Rosetten die Vorhänge lösen mußte , deren gelber Schein dem weißen Teint Helenen ' s einen zarten orientalischen Überhauch gab . Auf dem Tische vor ihr stand eine Vase mit Blumen , die sie sehr liebte . Mit Ungeduld blickte sie auf eine Pendüle , die über dem geöffneten Schreibbureau stand und schon auf elf zeigte . Sie erwartete Rafflard . Der Bediente brachte bald diese , bald jene Meldung . Die Modistin wurde an ihr Mädchen verwiesen . Concerte , zu denen sie die Billets nahm , ohne sie zu besuchen , wurden rasch bezahlt . So oft sie fühlte , daß der Zeiger der Pendüle doch auch gar zu langsam vorrückte , sprang sie auf , daß die Troddeln und Schnüre ihres Schlafrocks klapperten und setzte sich an ein geöffnetes Piano , das in einer Ecke des Zimmers stand und phantasirte in Tanzrhythmen eine Weile auf und ab . Dann fiel ihr ein , dieser oder jener neuen Bekanntschaft rasch ein kleines Billet zu schreiben , einen Roman zu schicken , über den gesprochen wurde , oder sie jagte die Diener , Dies und Das zu besorgen . Endlich gaben ihr einige Zeilen von Heinrichson eine veränderte Stimmung . Heinrich Heinrichson schrieb ihr , daß er drei der gemeinschaftlich gearbeiteten Bilder in zierlichen , entsprechenden Rahmen mitbringen würde und schloß seinen Morgengruß mit einigen Worten , die in seinen vielen , an Helenen schon gerichteten Briefen immer Dasselbe sagten , nämlich , daß sie schön , gut und liebenswürdig wie ein Engel wäre , Huldigungen , die jedesmal eine neue Wendung hatten , seine Weltbildung und Esprit verriethen . Endlich war Rafflard da . Eilig , wie bei Helenen immer , trat er ein , nachdem ihn sein Husten schon im Vorzimmer angekündigt hatte . Rafflard war es in seinem langen , plumpen , ungeschlachten , tappigen Wuchse . Die weiße Halsbinde um den Hals , der schwarze Frack , die weiße Weste , die weißen Handschuhe milderten etwas die hartknochige und unedle Physiognomie . Von der Seite aus gesehen , würde man ihn , wenn er etwas korpulenter gewesen wäre , leicht für einen verkleideten Kapuziner haben halten können . Rafflard küßte Helenen die Hand und überreichte ihr einen Strauß von frischgeschnittenen Orangenblüten . O , rief sie , das haben Sie gut getroffen , Professor ! Diese Blüten versetzen mich nach Italien . Den nächsten Carnaval feir ' ich in Rom . Mit - ? fragte Rafflard gedehnt . Mit ? Mit Egon ? Sie haben ihn verleumdet , Professor ! Er liebt mich wahr und treu und kann mir jedes Opfer bringen . Wie heiter , wie glücklich schloß gestern die Stunde , als ich mich an ihn schmiegte und die schwierige Aufgabe sich vom beklommenen Herzen trennte ... Aber Alles ist erörtert , besprochen , entschieden ! Setzen Sie sich , Professor . Trinken Sie Chokolade ? Danke , meine Freundin ! Erzählen Sie , sagte Rafflard und spitzte die Ohren . Ich schelle ... Cacao ? Meine beste Gönnerin , ich habe heute schon einige Gefängnisse besucht und mir die Morgensuppen der Verbrecher zu kosten erlaubt . Sie können sich denken ... Also Maraschino ! Helenen ' s Gutmüthigkeit war schon in Bewegung zu schellen . Der Bediente kam . Sie gab ihm einen Wink . Er verstand , was sie sagen wollte . Rafflard lächelte erfreut . Die Verbindung mit Egon war das Werk , das er um jeden Preis zu vollbringen hatte ... Sie sollen überrascht werden , sagte Helene ; ich will nicht , daß Sie einen schlimmen Tausch gemacht haben , als Sie statt mit der Mama mit mir vorliebnehmen mußten ... Der Bediente brachte ein Kästchen , das sie öffnete . Rafflard war überrascht . Gerade ein solches Kästchen stellte jeden Morgen die alte Gräfin d ' Azimont auf ihren