dann beim Thee nicht erschienen ... Bonaventura hatte sich unmittelbar nach der Vision entfernt ... Mit leicht erklärlicher Aufregung hatte er Paula gefragt , welches Gebäude sie brennen sähe , und von ihr keine Antwort erhalten ... Ja er magnetisirte sie , um ihr Auge zu schärfen ... Sie verfiel dadurch in einen desto sanftern Schlummer , aus dem sie Niemand mehr wecken mochte ... Onkel Levinus gehörte einer Familie an , die in den frühern geistlichen Zeiten die Landoberjägermeister der Fürstbischöfe von Witoborn gewesen waren . In jagdgemäßen Traditionen war er aufgewachsen . Aber von dem Ideal eines Nimrod stand er so weit entfernt , daß Tante Benigna vollkommen Recht hatte zu befürchten , man könnte statt der erlegten Hirsche und Rehe auch allenfalls ihn selbst , den weiland Candidaten des Erblandoberjägermeisteramts , auf dem Beutewagen nach Hause fahren . Wie sie ihm die Pelzkappe darreichte , den Fußsack seinem Leibschützen Soetbeer auf die Seele band , ja sogar diesem zuflüsterte , wenn der Baron einen feuchten oder zu langen Stand im Walde bekäme , den Fußsack bei der Hand zu behalten ; wie sie das Lederfutter untersuchte , in welchem die prachtvoll damascirte Doppelflinte geborgen lag , da hätte nur die - frühere Armgart gefehlt , um diesen Abschied aus dem Tragischen ins Komische zu übersetzen . Onkel Levinus bewegte sich in seinem Jagdcostüme , zu welchem sich noch die Wildschur gesellte , wie ein » Pelzmärtel « zur Weihnachtszeit . Aus Bär und Zobel konnte man ihn kaum herausfinden . Das Gesicht war erkennbar nur an zwei Brillengläsern , ohne die er heute behauptete keinen Rehbock zu treffen . Bei seinen Fabrikationen von Berliner Blau , Stärkemehl , Pottasche und künstlichen Düngererden hatte er nie die Brille nöthig ; nur auf die Jagd nahm er sie mit , um den Spott , der ihn als Abkommen so vieler fürstbischöflicher Erblandoberjägermeister unfehlbar heute treffen würde , durch ein » kurzes Gesicht « zu mildern . Und dann war Graf Münnich als ein » schußneidischer « Cavalier in der ganzen Gegend bekannt . Der ist eifersüchtig auf jeden Schuß , der nicht aus seiner Büchse kommt ! sagte der Onkel mit einem Ton , als fielen heute mindestens durch seine Kugel ein Dutzend Rehe ... Eine Jagd in einem Walde , der im Frühjahr nicht mehr sein wird ! seufzte Paula beim Abschied ... Ja , alles wird weggeschossen , was Haar oder Federn hat ! renommirte der Onkel ... Bitte , bitte , Baron ! fiel die Tante ärgerlich über einen so gefährlichen und herausfordernden und noch dazu , sie wußt ' es ja , nur affectirten Ton ein ; bitte , sehen Sie nur zu , daß man Ihre Pelzmütze schont ! Die Tante ließ es noch zweifelhaft , ob auch sie zu den Transparentbildern Püttmeyer ' s , die Nachmittags den Damen der vornehmen Jäger gezeigt werden sollten , kommen würde ... Sie wußte , es gab nachher ein stattliches Jagdbanket , und die Trauer Paula ' s gestattete weder ihr , noch Paula , sich in diesem Grade in die Zerstreuungen des Weltlebens zu mischen ... Von Armgart , sagte sie , ließe sich erwarten , daß sie mit den Stiftsdamen auf Schloß Münnichhof zu Püttmeyer ' s Triumphen kommen würde ; diese hätten drei Equipagen aus Witoborn bestellt ... Zwei Stiftsdamen , Fräulein von Merwig und Fräulein von Absam , gehörten sogar zu den Jägerinnen und waren berühmt durch ihren Muth und ihre Fehlschüsse ... Mit der Versicherung des Onkels , daß man sich verlassen könnte , er würde sich weder zu lange an dem Banket , noch an dem selbst in dieser frommen Sphäre nach den Jagdpartieen üblichen hohen Spiel beteiligen , entzog er sich endlich dem beklommenen Abschied ... Das leichte , trotz des Schneeregens offene und freie Jagdwägelchen rollte von dannen . Unterwegs pfiff der Wind nicht wenig . Die Brillengläser des kühnen Jägers beschlugen ; oft verlor er den Athem , wenn der Wind umsetzte und Leibschütz und Kutscher , die vor ihm saßen , nicht mehr als Windfang dienen konnten . Dennoch wurde er nicht müde , Jagdanekdoten theils selbst zu erzählen , theils sich erzählen zu lassen , Anekdoten , die bis in die glänzendsten Zeiten seiner Familie hinaufreichten und dem Ausspruch : Ecclesia sanguinem abhorret ! keineswegs entsprachen ; denn immer handelte sich ' s darum , wie Se . hochfürstbischöflichen Gnaden dazumalen entweder selbsten die Sau abgefangen oder sich von einem sichern Standorte aus Flinte auf Flinte , bereits geladen , hätten darreichen lassen und die herbeigetriebenen Rehe und Hirsche zum » Plaisix Serenissimi « zusammengemördert hätten ... Gegen zehn Uhr war man auf Münnichhof ... Auf diesem stattlichen Herrensitze , der noch mit Zugbrücken und einer Anzahl Lünetten für noch vorhandene alte eiserne Böller , mit Wällen und in einem großen ringsumher gehenden Arm der Witobach mit vorgeschobenen Eisbrechern oder sogenannten Dücs d ' Alba ausgestattet war und im Innern des Hofs in die Blüte und Herrlichkeit des siebzehnten Jahrhunderts zurückversetzte , fand man den größten Theil der Gesellschaft wieder , die neulich dem Freiherrn von Wittekind dei letzte Ehre gegeben hatte ... Der Hof war belebt von dem Jagdzeug des Grafen , das mit den Contingenten der benachbarten Herrschaften , vorzugsweise dem großen Jagdpersonal der Dorstes vermehrt worden war . Da standen die Wagen für die Jagdtheilnehmer und für die gemachte Beute . Treiber und Jagdbursche hielten die Schweißhunde an der Leine und mancher von letztern trug noch am Halse die » Korallen « , einen Stachelring , nach dessen Abnahme man voraussetzen konnte , das gereizte Thier würde um so gieriger an die wilde Arbeit gehen . Der musikalische Theil der Jagd war durch einige horngeschickte Jäger , vorzugsweise durch die in Jagdcostüme gekleideten Trompeter der Husarengarnison von Witoborn vertreten , ja sogar ein Bajazzo fehlte nicht - der buckelige Stammer hatte sich vom gräflich Dorste ' schen Oberförster ein Costüm erbettelt und blies aus Leibeskräften mit den übrigen . In seiner grünen