Feuer ! « Von dem Thurm der Kathedrale schlug es eben halb Sieben . Die Glockenschläge waren noch nicht verklungen , als aus der dritten französischen Batterie eine Rauchsäule sich emporkräuselte und ein dunkler Punkt im Bogen mit jenem prasselnden Zischen durch die Luft kam , das den Bomben eigen ist . Der Knall hallte durch die Luft und zwei weitere Schüsse folgten unmittelbar darauf . Im nächsten Moment schien die Erde zu erbeben , die Luft zu erzittern . Ueber dreihundert Geschütze schweren Kalibers hatten gleich als hätten sie auf das Signal gewartet , von beiden Seiten auf dem ganzen Halbkreis von der Quarantainebucht bis zum Kilengrund ihr furchtbares Feuer begonnen und schütteten einen Hagel eherner Todesboten rings umher . Korniloff beobachtete unbeweglich auf seinem ausgesetzten Posten die Wirkung des Feuers , während der Unteroffizier , der mit der Signalisirung beauftragt war , ungeduldig und besorgt daneben stand . - » Deine Kugeln schlagen zu niedrig , Birjulew , « sagte der Admiral , » lasse etwas weniger Pulver nehmen , oder visire höher - da - der Schuß that seine Wirkung , der Mörser ist demontirt ! « - Er sprang von der Brustwehr herunter und reichte dem Mann das Glas , der alsbald den gefährlichen Posten einnahm . - » Und jetzt , Lieblinge , da ich Euch in voller Arbeit sehe , will ich Euch verlassen und weiter . Gott schütze das heilige Rußland ! « Der Ruf , wie ein Donnerrollen sich über die ganze fernerspeiende Bastion fortpflanzend , übertönte das Krachen der Geschütze . Nur einen Blick konnten die an den Kanonen arbeitenden Leute auf den geliebten Führer werfen , der mit der Hand winkend sie verließ und am Eingang des bedeckten Weges noch einige Momente bei den auf den Tod oder die Verwundung ihrer Kameraden harrenden Ersatzmannschaften verweilte . Dort drückte er Novossilski die Hand , bestieg den harrenden Schimmel und ritt unter dem Regen der Kugeln nach der Bastion III. am jenseitigen Ende der Südbucht . Fürst Barjatinski hatte den Admiral mit den Augen verfolgt , so weit er ihn sehen konnte . Mit einem trüben Kopfschütteln wandte er sich zu dem neben ihm kommandirenden Birjulew . - » Der heilige Andreas möge ihn schützen , aber ich fürchte , wir sehen ihn nicht wieder . Die verfluchte Schaschka ! « Fragend schaute ihn der Offizier an . Aber die Antwort blieb der Befragte ihm schuldig unter dem Donner der Geschütze . - » Eine Bombe für uns - sie ist bitterböse ! Aufgepaßt links ! « schreit der Signalist und das Krachen der einschlagenden gewaltigen Hohlkugel in die Batterie selbst mahnt zur Vorsicht . Man wirft sich zur Seite , dennoch reißt die platzende Bombe sechs Mann zu Boden . Einige sind todt , Anderen hat sie Arme und Beine abgerissen , Blut und Fleisch spritzen umher - aber die Geschütze sind zum Glück unversehrt . Man hört kein Stöhnen , keine Klage ; die Träger springen herbei und bringen die Verwundeten nach dem Verbandplatz im Schutz der Kasematten . Andere Leute treten an das Geschütz - » Eins ! - Zwei ! - Sechs ! - Feuer ! « - und die Kugel fliegt wieder gegen den Feind . Matrosen schleppen ein Reservegeschütz herbei für eine von einer Vollkugel getroffene Kanone oder bringen frische Cartouschen . Eine Granate schlägt in die Brustwehr ein , platzt und nimmt ein Stück Erde mit hinweg . » Leute nach oben ! « ertönt die Stimme des Kommandeurs der Batterie . » Eine Bombe ist in die Blendung geschlagen . « - » Ja , Euer Gnaden . « - Die Todesmuthigen springen nach der Decke der Wölbung und in einem Augenblick ist der gewaltige Trichter mit Erde und Steinen verschüttet . Da saust eine zweite Bombe durch die Luft und das unglückliche Geschick führt sie auf dieselbe Stelle , die Decke wird durchschlagen , die gewaltige fünfzigpfündige Kugel springt und zerschmettert ein Dutzend Tapferer ! Es ist 10 Uhr . Dicker Pulverdampf erfüllt die Batterieen . Die Bastion gleicht dem speienden Krater eines Vulkans , die Männer an den Geschützen , bis an die Hüften entblößt , von Schweiß , Erde und Pulver mit einer dicken Kruste überdeckt , aus dem schwarzen Gesicht nur das Auge weiß und grimmig leuchtend , arbeiten wie die Teufel ; die Offiziere gehen auf und ab und dirigiren das Feuer . Vollkugeln , Granaten , Bomben fliegen , pfeifen , zischen , schlagen ein , platzen , ricochettiren nach allen Richtungen . Jeder ist nur mit dem Zerstörungswerk beschäftigt , Niemand achtet auf die eigene Gefahr ! Ein donnerndes Urrah ! erschüttert das Gewölbe der Batterie . Aus der ersten Schanze der Feinde ist ein mächtiger Feuerstrahl durch den Pulverdampf emporgestiegen , ein gewaltiges Krachen übertäubt den Donner der Geschütze auf der meilenlangen Feuerlinie : das Pulvermagazin der französischen Batterie ist in die Luft geflogen ; - drei Viertelstunden vorher hat die vierte feindliche Batterie dasselbe Schicksal gehabt und mehr als 50 Mann wurden dabei getödtet und verwundet . Die übrigen drei französischen Batterieen waren jetzt nicht mehr im Stande , das fürchterliche Feuer der drei Ssewastopoler Bastionen und der zahlreichen Batterieen kräftig zu beantworten und der General Canrobert überließ es dem Kommandanten der Artillerie , Thiry , den Kampf nach eigenem Ermessen einzustellen . Um 11 Uhr schwiegen sämtliche französische Batterieen . Von den fünf war die eine durch das explodirende Pulvermagazin gänzlich vernichtet , in den anderen waren 19 Geschütze demontirt . An 400 Todte und Verwundete blieben in der französischen Parallele . Aber auch der Verlust und die Zerstörung in den russischen Werken war nicht unbedeutend . Auf dem Kampfplatz , von dem wir den Leser der Eröffnung des Feuers haben beiwohnen lassen , lagen zwischen Blut und Trümmern , keuchend von der gewaltigen Anstrengung , die erschöpften Kämpfer an ihren Kanonen , die frische Luft in die erhitzten Lungen saugend , die der Wind durch die breiten , von den Kugeln der Feinde