s Herz . Sie mußte aufschreien , weinen - Egon wußte nicht , was geschah und mußte lächeln über Befürchtungen , die ihm ganz grundlos schienen . Ja , Louis , Dankmar , Siegbert , Rudhard waren seine Freunde , täglich sahen sie ihn , sie waren fröhlich , die Jüngern mit ihm das Leben genießend . Den Professor Rafflard hatte Egon abgewiesen . Egon gehörte zu den Menschen , die vielleicht nicht consequent in der Liebe , aber consequent im Hasse waren ... eine starke Art von Menschen , schwer zu behandeln , des Größten fähig und kluger Führung bedürftig . Rudharden aber hatte er auf ' s neue liebgewonnen . Er fühlte , daß er wegen Helenen ' s nicht wagen konnte , ihn im Kreise der Familie Wäsämskoi oft zu besuchen , desto öfter sah er den alten trocknen Verstandesmenschen bei sich und freute sich , wie tief und nachhaltig doch der Grund war , den der ernste Mann einst in seine Seele gelegt hatte . Er war weit öfter mit Rudhard als mit den andern Freunden einverstanden . Auch Siegbert konnte wegen der Fürstin Adele , wie Rudhard , nicht anders , als jede Beziehung zu Helene d ' Azimont vermeiden . Das war Helenen freilich peinlich genug . Sie sah da immer Menschen mit ihrem Geliebten in Berührung , die sie achten mußte und doch nicht für sich hatte . Oft schlug sie gemeinschaftliche Partien vor , man entschuldigte sich durch das Wetter . Sie sprach von Einladungen , von Diners , von Soupers , wie nur sie , sie dergleichen zu veranstalten verstand . Vergebens ! Man hatte Abhaltungen . Dankmar vollends , den sie einige male wirklich sah , machte auf sie einen dämonischen Eindruck . Das war eine Schärfe im Blick , eine Ironie um die Mundwinkel , eine sichere Art des ideell Exclusiven , daß er sie fast reizte . Sie dachte oft darüber nach : Wie gewinnst du dir diese bedeutenden jungen Männer ? Du möchtest wol z.B. von Dankmar wissen , ob seine spröde Schale einen zarteren Kern verbirgt ? Sie neckte Egon mit Dankmar ' s Zurückhaltung und fragte ihn , ob der schöne junge Mann absichtlich von ihr ferngehalten würde ? Sein Proceß diente zur Entschuldigung und der einzige Grund , warum sich Dankmar zurückzog , lag doch lediglich nur darin , daß er mit den drei andern Freunden Farbe halten wollte . Sie bauten soviel auf Egon und sahen ihn nun umstrickt von einer entnervenden Liebe ! Sie wirkten , sie liefen , sie arbeiteten für ihn und wenn sie ihn für die Wahlen , die Kammern , für ihre idealen Pläne plötzlich zu sprechen wünschten , hieß es : Er ist bei der Gräfin , oder : Die Gräfin ist bei ihm ! Das nahm besonders Dankmar , der seine Zeit schätzen lernte , gegen Egon ein und Niemanden mehr als Louis , den Helene deshalb auch geradezu für ihren Widerdämon und für Egon ' s » böses « Princip hielt . Rafflard hatte den Gedanken einer dauernden Vereinigung in ihr Herz gepflanzt und sowenig eigentlich dieser Plan ihrer Natur entsprach , so ungern sie den armen kranken philosophischen Gatten in Paris zu äußersten Entschließungen veranlassen wollte und lieber auf seinen von den Ärzten für gewiß vorausgesagten Tod wartete , so ergriff sie doch diese Idee ohne alle Rücksicht auf ihre Zukunft eben darum so lebendig , um diesen sogenannten Freunden ihres Freundes als Alleinherrscherin über Egon zu imponiren und sie durch einen Machtspruch entweder als Untergebene sich zu gewinnen oder sie als Fürstin von Hohenberg ganz entfernen zu können . Diese vier Männer waren es , die in Egon diejenige Flamme schürten , auf die Helene wie auf die Gunstbezeugungen der schönsten Frau der Erde eifersüchtig war , die Flamme des Ehrgeizes . Ein Weib , das unter solchen Verhältnissen liebt wie Helene d ' Azimont , wird niemals ertragen können , daß sich der Gegenstand ihrer Liebe theilt . Nur die Liebe , die die Sitte heiligt , erträgt im Mann den Aufblick zu einem großen Berufe und jene getheilte Stimmung , die immer im Gefolge eines Wirkens für die Welt sein wird . Die sittenreine Liebe erfaßt den ganzen Menschen , nicht den sinnlichen nur . Sie wächst mit seinem Wachsthum empor . Sie schmiegt sich wie der Epheu zu den Ästen des Baumes hinan und folgt ihm bis in die Krone seiner Triebkraft . Der Ruhm ist wol eine schöne Zugabe zu jedem Verhältnisse zwischen Mann und Weib . Aber der Ruhm will erworben , will behauptet sein und an die stille Werkstatt des Geistes soll da die Liebe nie zur unrichtigen Stunde pochen ! Egon war nicht der Mann , der seinen Ideen entsagt hätte , um einer Liebe willen ! Er lächelte wol zu Helenen ' s Befürchtungen und sagte ihr oft : Du fürchtest nur mein graues Haar , das sich schon durch mein Fieber lichtete , fürchtest die Nachtwachen , denkst an die Staatsmänner , die du kennst , die nach ihrer ersten Rede zehn Jahr jünger und nach der minder gutaufgenommenen zweiten zehn Jahr älter wurden ! Dazu schüttelte Helene den Kopf . Sie sagte , daß Egon immer schön sein würde , aber sie müsse ihn allein haben ! Wie litt sie schon jetzt unter diesen Vorbereitungen zur Wahl in die Kammer ! Welche Verhandlungen , welche Zeitverluste , welcher Ärger , welche Absorption der Gedanken ! Sie wollte Egon nach Italien entführen . Er dachte nicht daran , ihr zu folgen . Er gönnte sich nicht einmal die Zeit , in Hohenberg , wie er gewollt , Ackermann zu besuchen , von dem er soviel Treffliches und Beruhigendes erfahren hatte . Seit einigen Tagen erlebte sie noch vollends , daß Egon , der schon von den vier Männern genug in Anspruch genommen war , mit Pauline von Harder in eine Beziehung kam , die sie nicht verstand . Rafflard sagte ihr zwar : der