ihn zum Siege fortriß . Und doch war es so . Joachim Friedrich Seegebart ist es , der uns nach Etzin und in diese Kirche geführt hat , Joachim Friedrich Seegebart der Sieger von Chotusitz . Hören wir , wie es damit zusammenhängt . Joachim Friedrich Seegebart , geboren den 14. April 1714 im Magdeburgischen , wahrscheinlich zu Wolmirstedt , war Feldprediger beim Prinz Leopoldschen Regiment , das vor Ausbruch des ersten Schlesischen Krieges , und auch wohl später noch , zu Stendal in Garnison stand . Er war ein Anhänger der Spenerschen Lehre , demütig , voll Liebe , nur streng gegen sich selbst , ein Mann , von dem man sich einer gewissenhaften Wartung seines Amtes , der Festigkeit in Wort und Glauben , aber keiner kriegerischen Tat versehen konnte , er selbst vielleicht am wenigsten . Die rasche Besitzergreifung Schlesiens war Ausgang 1740 beschlossene Sache . Die Regimenter erhielten Marschorder und den 8. Dezember brach das Regiment Prinz Leopold von Stendal auf , mit ihm Seegebart . Ober diesen Marsch durch die Kurmark und später durch Schlesien besitzen wir interessante Aufzeichnungen von Seegebarts eigener Hand . Am II. März , nach längerem Aufenthalt in Berlin , betrat das Regiment schlesischen Boden , zeichnete sich bei der Erstürmung von Glogau aus , focht bei Mollwitz und bezog im Oktober das Winterquartier in Böhmen . Hier blieb es in Reserve , während der König in Mähren einrückte . Erst im Frühjahr 1742 vereinigte sich das Regiment wieder mit der aus Mähren zurückgehenden Hauptarmee und war mit unter den Truppen , die am 17. Mai 1742 der österreichischen Armee unter dem Prinzen Karl von Lothringen bei Chotusitz eine Viertelmeile von Czaslau gegenüberstanden . Dieser Tag von Czaslau oder Chotusitz ist der Kriegs- und Ehrentag unseres Seegebart . Gegen acht Uhr morgens begann die Schlacht , die österreichische Infanterie eröffnete den Angriff , und warf sich auf den rechten preußischen Flügel , litt aber durch Kanonen-und Kleingewehrfeuer so stark , daß einzelne Regimenter den Rücken kehrten , und , trotzdem sie von ihren eigenen Offizieren in kaum glaubhafter Anzahl niedergestochen wurden , nicht wieder zum Stehen zu bringen waren . Jetzt sollten Kavalleriechargen die Scharte auswetzen . Mit großem Ungestüm schritt man zur Attacke ; aber vergeblich . Mal auf mal wurden die Chargen abgeschlagen und die rückgehenden Regimenter schließlich mit solcher Vehemenz verfolgt , daß die dahinter aufgestellte Infanterie mit in die Flucht verwickelt und zum Teil niedergemacht , zum Teil über das Feld hin zerstreut wurde . So standen die Dinge am rechten Flügel , zum Teil auch im Zentrum . Alles ließ sich glücklich an und schien einen raschen Sieg zu versprechen ; aber völlig entgegengesetzt sah es am linken Flügel aus , wo unser Seegebart auf einer kleinen Fuchsstute im Rücken seines Regiments hielt . Hier standen sechs Bataillone in Kolonne und zwar in Front zwei Bataillone Prinz Leopold , dahinter einzelne Bataillone der Regimenter La Motte , Schwerin , von Holstein und Prinz Ferdinand . Das Unglück wollte , daß der Angriff der Österreicher eher erfolgte , als die Aufstellung der Preußen , insonderheit ihrer Kavallerie beendigt und geordnet war , und so wiederholte sich hier zuungunsten der Preußen das , was sich am entgegengesetzten Flügel zu ihren Gunsten ereignet hatte . Die preußischen Dragoner wurden geworfen , die Infanteriekolonnen , zumal die in Front stehenden Bataillone Prinz Leopold , mit in den Wirrwarr hineingerissen und endlich alles in wildem Durcheinander durch das brennende Dorf Chotusitz hindurch gejagt . Reserven rückten vor und nahmen den Kampf wieder auf , aber im selben Augenblick stoben , wie durch ein böses Ungefähr , vom entgegengesetzten Flügel her , die flüchtigen Reitermassen heran , die dort dem Vordringen der Preußen hatten weichen müssen , und nun eben rechtzeitig genug erschienen , um dem ohnehin siegreichen Stoß der Ihrigen eine gesteigerte Wucht zu geben . In diesem Augenblick äußerster Gefahr war es , wo der kriegerische Geist in unserem Seegebart plötzlich lebendig wurde und , zunächst den Kampf wiederherstellend , endlich alles zu Heil und Sieg hinausführte . Seegebart selbst hat dies sein Eingreifen in den Gang der Schlacht mit so viel Anschaulichkeit und Bescheidenheit geschildert , daß es wie geboten erscheint , ihn an dieser Stelle mit seinen eigenen Worten einzuführen . » Als unser Regiment nun retirirte und zum Theil mit feindlicher Cavallerie und Grenadiers vermischt war , jug ich spohrenstreichs hin und wieder durch dasselbe und redete den Burschen und Offiziers beweglich und Notabene recht ernstlich zu , daß sie sich widersetzen und fassen sollten . Einige schrien mich gleich an mit einem lauten : Ja ! und waren bereit und willig , wurden aber von der andringenden Macht verhindert , kamen aber doch wieder zu stehen . Als ich dieses that , flogen mir die Kugeln so dick um den Kopf , als wenn man in einem Schwarm sausender Mücken stehet , doch hat Gottlob mich keine , auch nicht einmal den Roquelour verletzt . Ein Bursch hat mein Pferd in diesem Lärm mit dem Bajonette erstechen wollen ; aber ein anderer hat es ihm weggeschlagen . Bis hierher hatte ich nur zu den Leuten unsres Regiments gesprochen , ich sammelte jetzt aber einige Escadrons Cavallerie , die in Confusionen waren , vom linken Flügel , brachte sie in Ordnung , und sie attaquirten in meiner Gegenwart die feindliche Cavallerie und repoussirten sie . Ich war so dreist , daß ich mich an General und Obristen machte , sie bei der Hand faßte und im Namen Gottes und des Königs bat , ihre Leute wieder zu sammeln . Wenn dies geschehen , so jug ich hin und wieder durch und trieb die Leute wieder dahin , wo sie sich wieder zu setzen anfingen . Ich brauchte allerley Beredsamkeit und man folgte mir in allen Dingen . Ich wundere mich , daß die schweren Pferde meinen kleinen Fuchs nicht zertreten haben , aber es schien , als wenn alles vor mir auswiche und mir Platz machte .