und fest weiß - daß ich Sie trotz Ihrer von unserm Glauben gebotenen Himmelskronen - ich weiß nicht warum ! - unglücklich finden werde ? ... Und Sie bejahen das - ? ... Aber auch Ihr rätselhaftes Martyrerthum wird Sie nicht befriedigen ! Es gibt Naturen , die nicht aus Erdenstoff geschaffen scheinen und die dennoch mehr den Gesetzen der Erdenschwere unterliegen , als die gemeinen ! Ihre Mutter schon rettete sich nur durch eine Flucht ganz aus der Welt heraus vor Gefahren , in die nun auch Sie sich begeben wollen ; Ihre Mutter wird von Tausenden verurtheilt , ohne daß sie es verdient ; sie wird verurtheilt und - sie leidet darunter ... Auch Sie , Sie , Armgart - werden den Beifall der Menschen vergebens suchen , wenn Sie ihn nicht mehr finden können ... Ich erschrecke vor Ihrer Zukunft ! Armgart erwiderte leise und sprach lange . Terschka konnte nichts verstehen , als daß sie nur vom Beifall Gottes und von ewiger Trennung sprach ... Endlich wurde alles still ... Die Thür ging ... Noch hörte Terschka nur ein plötzliches , heftiges , aus tiefster Seele kommendes Schluchzen ... Armgart mußte allein sein ... Ihr Weinen wurde zuletzt so heftig , daß es sein Innerstes durchschnitt ... Anfangs wollte er hinüberstürzen , sich ihr zu Füßen werfen , die Liebe , die wirklich nur ihm , ihm geweiht sein konnte , ablehnen , wollte die Wahrheit bekennen , daß er Priester wäre , ein gerade in ihren Augen todwürdiges Verbrechen begehen würde , schon an ihren Besitz auch nur zu denken - - Dann aber erschreckten ihn - erst die Thränen Armgart ' s ... er konnte ihr Weinen nicht mehr hören ... Er verlor die Besinnung ... Leise schlich er auf den Zehen durch die Zimmer zurück , kam zum großen Speisesaal , öffnete die Thür , die in den Corridor führte ... Alles war still ... Niemand wol hatte ihn beobachtet ... Durch ein Fenster in den Hof blickend , entdeckte er Thiebold und Benno , wie beide schweigend , vernichtet , erstarrt zur Erde blickend zum Portal des Schlosses hinausgingen , wahrscheinlich um gemeinschaftlich nach Witoborn - und in ein neues Leben zurückzukehren ... Die Mittagsglocke läutete , die alles in dem kleinern Speisezimmer vereinigte ... Tischgenossen , die der Zufall brachte , gab es in dem gastfreien Hause genug ... Nun schon trat Armgart hinter Terschka hervor ... Tief verweint waren zwar noch die Augen ... Doch rang sie schon nach Unbefangenheit ... Herr von Terschka , sagte sie mit leiser Stimme , ich will Nachmittag nach Heiligenkreuz ... Der Wagen ist schon für die Damen bestellt ! sagte er ... Wie mußte er sich beherrschen , nicht ihre Hand zu ergreifen ... Nicht in die Augen konnte er ihr sehen ... Es sind mir ihrer zu viel ... So bestell ' ich zwei Wagen ... Ich will zu Fuß gehen ... Es wird Abend werden , ehe Sie fortkönnen ... So können - so können Sie mich ja - begleiten ... Damit stand Terschka allein ... Auf dies Wort » begleiten « kämpften Himmel und Hölle ... Terschka begriff vollkommen , was in Armgart vorging ... Sie hatte ein Gelübde gethan , um den versöhnten Aeltern anzugehören . Sie glaubte : Er wäre ein Hinderniß dieser Versöhnung - ! Die Mutter wäre im Begriff , ihn zu lieben - ! Deshalb - Deshalb - ! Wie Glühstrom fiel es auf ihn : Deshalb reißt sie mich mit Gewalt von einer eingebildeten Liebe ihrer Mutter los und will mich selbst gewinnen - - - Die Möglichkeit , daß ein solcher Gedanke in ihr entstehen , dies Ertödten ihrer Neigung zu Benno möglich sein konnte , übersah er ... Armgart war katholisch ! ... Sollte er nun dies Wahngebild sich immer weiter ausbilden , immer verheerender im Herzen der lieblichen Jungfrau um sich greifen lassen ? Um sich greifen lassen auf Grund einer Voraussetzung , die - das sah er ja beschämt - in Betreff Monika ' s eine völlig unbegründete war und auf Verwickelungen hinausführte , die nie zu lösen schienen - ? Im Abenddunkel sah seine Aufregung ihn mit Armgart allein dahinschreiten durch die Winterlandschaft ... Im Geist sah er Armgart neben sich , im Pelz die Hände bergend , deren eine er vielleicht , von seinem Glück überwältigt , verwegen ergriff beim Eintritt in den dichtern Tannenforst ... Im Geist hörte er , was sein Uebermuth , sein Leichtsinn ihr zu sagen wagen würde : Wie hab ' ich Sie einst schon gesucht an jenem stürmischen Regentag , als die Jugend von Lindenwerth zur Villa in Drusenheim kam ! Wie zog mich Ihre Flucht Ihnen nach ! Den schnellsten Renner hätt ' ich satteln lassen mögen vor Eifersucht , nur um der Dritte sein zu können unter denen , die in Ihrer Nähe weilen durften ... Dann sah er Eulen auffliegen , die den Schnee von den Aesten verschütteten , auf denen sie gesessen ... Rehe , Hirsche - Unthiere , sah er aufgescheucht vom Vortreiben zur morgenden großen Jagd , durch die Gebüsche brechen ... Der Mond stieg am äußersten Rand des Horizontes empor ... Ausmalen mußte er sich , wie er würde Abschied nehmen müssen an der Allee , die nach Heiligenkreuz führt , und wie er würde zurückkehren , wenn sein alter , gewohnter Lebensübermuth ihn übermannt hätte ... Toll , toll würde er in die Nacht hinauslachen , bis - - plötzlich aus den Büschen an jedem Seitenwege ein Bote seines vergangenen Lebens träte - Jean Picard , sein Gespiele - Franz Bosbeck , sein Lebensretter - van Prinsteeren , der ihn einst zuerst aufs Pferd gehoben - jener Schweizersoldat , der ihn mit in die Alpen nahm - er hörte das Stampfen der Rosse in der Kaserne der Lanzenreiter zu Rom - sah die Benfratellen , wie sie ihn in das Spital an der Tiber trugen - dann hatten sie alle , alle Todtenhemden an