Benno errieth nicht , welche Gedankengänge in Armgart schlummerten , welchen Opfertod sie meinte ... Daß aber Wien und Terschka zusammenhing , das mußte ihm gewiß sein ... Terschka hörte , daß er eine Rede abbrach , die aus seiner mächtigsten Aufwallung zu kommen schien . Wie mit einer sich beherrschenden Stimme sprach er : Ich denke , Sie leben nur der Vereinigung Ihrer Aeltern ? Das thu ' ich auch ! In wenigen Tagen werden sie verbunden sein ! Wer sagt Ihnen das ? Meine Ahnung ! Was der Mensch getrennt hat , kann kein Gott wieder zusammenfügen ! Selbst Sie nicht , Armgart ! Atheist ! Können Sie wissen , was sich Ihre Aeltern vorzuwerfen haben ? Nichts haben sie sich vorzuwerfen ! Und wenn - ! Die Kirche scheidet nicht ! Sagten Sie nicht oft , Vater und Mutter - beide sind Menschen voll Hochherzigkeit und Edelmut ? Und sie sollten sich nicht angehören ? Nicht ewig ? Liebe erzwingt sich nicht ! Das - - das seh ' ich ja ! Die Liebe ist ein Wahn ! Armgart ! Nur Gott ist die Liebe ! Gott sagt , wen und was die Liebe wählen soll ! ... Ha , Sie sprechen von Glück , Benno ? Thorheit , Thorheit menschlicher Schwäche , die nur in Befriedigung ihrer eiteln Wünsche Beruhigung findet ! Wohl ! Schön muß es sein , herrlich zu leben , das geb ' ich zu , wenn das Herz erreicht , wonach es verlangt ... Aber auch stückweise es hinzugeben , wenn es die höhere Pflicht begehrt , die Prüfung unserer Größe es will - darin kann ebenso viel Freude liegen - oder glauben Sie nicht , daß Hedwig von Polen glücklich war , als sie dem Ferdinand von Oesterreich , den sie liebte , entsagte und den Heiden Jagello zum Manne nahm , der ihr seine Taufe , die Taufe eines ganzen Volkes , zur Morgengabe brachte ? Wie sie ihren Brautschleier der Mutter Gottes von Krakau schenkte , muß ihr das Leben anfangs wie unter einem schwarzen Gewitterhimmel dahingezogen sein ! Dann aber umsäumte es sich rosig und gewiß , gewiß - sie wurde glücklich ! Armgart ! rief Benno außer sich voll Erstaunen ... Und alles wurde jetzt still ... Terschka sah im Geist seinen Schutzheiligen , den achtzehnjährigen Polen Stanislaus von Kostka , dem beim Gebet sein Antlitz von Verklärungsschimmer überleuchtet gewesen ... Ebenso auch hörte er Monika , deren Methode , zu fühlen und zu denken , ganz dieselbe war , wie bei ihrer Tochter , wenn auch ihr Fühlen und ihr Denken andern Ergebnissen zugute kam ... Sein Herz verstand , was er hörte ... Dämonen raunten ihm zu : Willst du mitleidig sein mit diesem jungen Mann , der seinen Abschied auf ewig - um deinetwillen erhält ? Willst du thöricht sein und um einer solchen von Göttern zu beneidenden Hingebung willen gestehen , daß ihr Opfer - ihre Absicht , ihn - von ihrer Mutter zu trennen , auf einem Irrthum beruht ? ... Armgart ! Armgart ! Ich beschwöre Sie , was geht in Ihnen vor ? rief Benno ... Ich lebe - einem Gelübde ! ... Himmel , kann denn irgendeine That Gott wohlgefällig sein , die Ihr Herz Gefahren aussetzt , für die keine , keine Himmelskrone Sie entschädigen wird ? Lästerung ! Wem wollen Sie Ihr Herz , Ihre Hand zum Opfer bringen ? Warum , warum nur lieben Sie - Terschka ? ! Kein Aufschrei Armgart ' s erfolgte ... Alles blieb still ... Lange , lange blieb es still ... Terschka begriff nicht , warum beide plötzlich schwiegen ... Allmählich begann Benno zu sprechen ... Er sprach so leise , daß Terschka nicht folgen konnte ... Dem Schlüsselloch Ohr und Auge zuzuwenden wagte er nicht , ungewiß , ob die nebenan herrschende Stille nicht jede seiner Bewegungen verrathen könnte ... Vor seiner Phantasie stand Benno in diesem Augenblick , als müßte er Armgart an beiden Händen halten , müßte ihr tief in die Augen blicken , müßte mit ruhiger Ergebung ihr die ganze Wahrheit seines Herzens enthüllen und ihr sagen : So sollst du hinschwinden , schöner Traum meines Lebens , und wer , wer konnte dich fesseln ! Wer konnte dir werther sein , als ich ! - - Die Worte , die Terschka allmählich dann unterschied , lauteten : Armgart ! Wenn irgendjemand die Stimmungen kennt , in denen man , wie wir so oft in den Gärten des Enneper Thals nach den schwellenden Früchten über uns nicht langten , ebenso auch sein Glück dahinziehen läßt unerstrebt , so bin ich es ! ... Aber bleiben Sie nur , Armgart ! ... Ich wurde schon ruhiger , seit ich wußte , daß auch ein Freund Sie liebt ! ... Denn wie wollen Sie es nennen , wofür die Sprache nur Ein Wort hat ! ... Sie erklärten vorhin dem Freund ohne Zweifel mit derselben Bestimmtheit , wie mir , daß Sie aus unserm Leben auszuscheiden wünschen und unsere Bewerbungen ferner nicht mögen ... Nun denn ! Ich nehme den Aschenbecher , wie er , der Fröhlichere - die Tasche für schnell verkohlende - Cigarren ! ... Wer Ihr Herz besitzt , ich sagte es vorhin ... Herr von Terschka wird eine große gesellschaftliche Stellung einnehmen , wird Sie in das schöne Wien entführen , dort werden Ihnen Glück und Reichthum lächeln ! ... Fliegen Sie mit ihm zu Roß dahin in flatterndem Gewande ! ... Aber nehmen Sie ein Wort von mir zum Abschied ! ... Ich bin Ihnen nichts mehr und nun - nun bin ich mir noch weniger , als schon seit lange ... Ihre Tante hat recht , mich wie einen Zigeunerknaben zu behandeln , den man nur aus Barmherzigkeit aufnimmt ... Ich bin ein verflogener Vogel und passe für euere Käfige nicht ... Doch ich werde Sie wiedersehen ; das weiß ich ... Wissen Sie , Armgart , daß ich auch Das sicher