. Eine derselben lautete : die Heirath zwischen Helene von Osteggen und dem Grafen Desiré d ' Azimont zu lösen , das bedeutende Vermögen des Grafen zum Rückfall an die Mutter zu bringen und von dieser es somit zuletzt dem Orden zuzuwenden . Dieser Aufgabe unterzog sich Rafflard mit dem ganzen Aufgebot seiner Energie . Es war seine Mission , sein Unterhalt sogar . Die übrigen Einwirkungen , die er da und dort und bei seiner Sprachengewandtheit auch in fernen Ländern auszuführen hatte , kamen zur Lösung dieser Hauptaufgabe ergänzend , aber unwesentlicher hinzu . War Rafflard in Paris und Enghien schon thätig , um Helenen und den Grafen zu entzweien , so setzte er nach der Flucht der jungen Frau diese ihm gestellte Aufgabe mit Gewissenhaftigkeit fort . Egon warnte Helenen vor Rafflard schon in Frankreich . Sie glaubte Spuren zu haben , daß Louis Armand damals in Enghien nicht ohne Vermittelung Rafflard ' s so grausam störend in ihr Glück eintrat . Sie fuhr schaudernd und ergrimmt auf , als man ihr nach ihrer Ankunft in Deutschland diesen Namen nannte , der in der Residenz anwesend , ohne Zweifel ihr gefolgt war und sie nach allem Vorgefallenen eines Tages zu sprechen wünschen konnte . Wie aber gutmüthige Naturen - und eine solche war Helene bis auf einen gewissen Punkt im höchsten Grade - einmal sind , sie fassen die Menschen immer nach ihrem augenblicklichen Bedürfniß . Klagen sie mit dem Klagenden , so heißt es : Ich habe mich geirrt , er ist gut , er ist wenigstens besser , als ich dachte ! Helene d ' Azimont hatte auch noch die Eigenschaft gutmüthiger Charaktere , daß ihr jedes Wiedersehen etwas Verschönerndes bot . Einem Menschen , den man in der Heimat haßte , wird man in der Fremde nicht begegnen , ohne sich zu denken : Wenn er dir hier , unter diesem schönen Himmelsstrich , unter diesen herrlichen Statuen , unter diesen duftenden Gewächsen , die Hand böte , du würdest sie nicht zurückweisen ! Bringt er nicht Heimatsluft mit ? Geht er nicht wieder dahin , wohin du gern einen solchen Gruß aus lebendem Munde übersenden möchtest ! Rafflard benutzte diese Stimmung , die er bei Helenen offen genug vorfand . Er war noch klüger . Er machte gleich reinen Tisch . Er sagte : Gräfin , warum hassen wir uns ? Er ergriff damit gleichsam das schillernde Gewand , das seine geheimsten Absichten verbarg , und zog die tausend Falten desselben glatt in eine Fläche , in die Fläche der Aufrichtigkeit und Bonhommie . Er sprach so natürlich , so sich selbst ironisirend , daß Helene schon lächelte . Er verspottete die alte Dame vom Faubourg St.-Germain , er ahmte der Gräfin so treffend nach , daß Helene sie völlig wiedererkannte und mit zu lachen anfing . Seine grauen Augen wurden fast kindlich ; ja als ihn sein böser Husten überfiel , griff Helene in die Schubfächer ihres Schreibtisches und bot ihm , mitleidig wie sie war , von der Pate Regnauld aus Orleans an , die er täglich kaute , aber doch kostete , doch als etwas ihm Unbekanntes annahm , nur um dabei über das schöne Paris sentimental werden zu können und Helenen zu rühren . Und vollends umstrickte er Helenen dann durch das offene Vertrauen , das er ihr zeigte , als sie ihm seine Verbindung mit den Jesuiten vorwarf . Er bekannte ganz offen , mit den ehrwürdigen Vätern in Verbindung zu stehen . Sie sind Priester ? hatte sie gesagt . Nein , antwortete er , ich gehöre zu jenem amphibischen Theile des Bundes , der in- und außerhalb der Kirche steht . Ich bin zu weltlichen Zwecken affiliirt . Und Sie gestehen mir Das so offen ? hatte Helene erstaunt gefragt . Warum sollt ' ich denn verhehlen , was Sie wissen , war seine Antwort gewesen ; verhehlen , setzte er hinzu , was Sie verschweigen werden ! Die Vorsicht , die ich brauche , daß ich in philanthropischen Zwecken , zur Verbesserung der sittlichen Gefangenenpflege , reise , öffnet mir viele Thüren : selbst die Thüren der Gefängnisse sind nicht unwichtig . Man entdeckt dort oft Menschen , die gewandt und brauchbar sind . Helene wies ihn mit dieser Moral entsetzt zurück ; aber er hatte ihr damals in französischer Sprache gesagt : Liebe Comtesse ! Sie müssen diese Welt betrachten wie ein großes Chaos , in das die Vernunft , die Philosophie , die tausendfach verzweigte gute Absicht der Menschen Licht und Frieden bringen wollen . Ich habe früher als Protestant , als Erzieher zu diesem Zwecke der vernünftigen Verständigung mitzuwirken gesucht und meine Überzeugung war zuletzt die , daß ich das Übel zur eignen Qual nur vermehrte . Da lernt ' ich Jesuiten kennen und fand eigenthümliche , am Dasein merkwürdig erfreute Menschen . Sie reisten und wandelten da und dort . Hier kannte man sie , dort nicht . Sie hatten Zwecke , deren Nothwendigkeit sie nicht untersuchten , deren Durchführung sie unterhielt und sie im Zusammenhang mit einer großen geschlossenen Kette kluger Mitverbundener persönlich stärkte und erheiterte . Ich finde in den Jesuiten die Apostel des reinsten Menschenthums . Was wollen sie denn anders , diese Vielverschmähten , als die Menschen von dem Staate , der sie quält , von der Kirche , die sie verdüstert , etwas lockerer und loser lassen ? Was wollen sie herstellen ? Nur die große , bequeme Ordnung der römischen Religion , die am Ende , wenn man aufrichtig sein will , nichts als ein freundlicher Verkehr zwischen dem Laien und dem Priester und eine Art von Gewissens-Arkadien ist . Arkadien ist überall , wo es keine Gewissensbisse gibt . Die Jesuiten können , was sie bezwecken , kaum sagen . Es sind die eigentlichen Triebkräfte der Welt , die mehr die Freunde des gedrückten Volkes heißen dürfen als alle Demagogen im Purpur und in der Blouse . Was ist denn Das groß für Sklaverei ,