liebes Fräulein , ist in Ihre eigene Hand gelegt . Geben Sie sich heiteren Eindrücken hin , genießen Sie Ihre Jugend . ” Er erteilte nun seine einfachen Verordnungen , die in allen Hauptsachen mit denen des alten Hausarztes übereinstimmten . Doch hörte man ihm aufmerksamer zu , und jedes Wort aus seinem Munde schien einen höheren Wert zu besitzen . Agathe hätte ihm am liebsten in heißer Dankbarkeit die Hand geküßt . Als der Professor sich entfernt hatte , umarmten Papa und Mama die Tochter . Ihr Glück dünkte Agathe so unschätzbar , so köstlich und so tief befriedigend , daß ein freudiger , ja ein wahrhaft kampflustiger Mut zu jeder Entsagung über sie kam . Sie wollte gesund sein , sie wollte leben — für niemand und für nichts anderes auf der weiten Welt , als nur für ihre Eltern . Eugenie war nach der Geburt ihres ersten Kindes immer noch hübscher geworden . Sie strahlte förmlich in Gesundheit und fröhlicher Laune . Wenn der stramme kleine Kerl auf dem Arm der Wärterin neben ihr ausgeführt wurde , trugen Mutter und Kind dieselben runden , tellerförmigen Kappen aus weißer Wolle auf den blonden , rosigen Köpfen , und das machte sich ganz allerliebst . Eugenie dachte sich immer etwas Besonderes aus in ihrer Toilette , das die Leute ärgerte oder freute und worüber man in jedem Falle verschiedener Meinung war . “ Ein neuer Einfall meiner Frau ! ” pflegte der Lieutenant Heidling dann zu sagen , und in dem Ton , mit dem er hinzufügte : “ ja , diese kleine Frau ” verriet sich eine beinahe knabenhafte Verliebtheit . Verglichen die Bekannten Walter mit seiner reizenden Frau , so fiel ihnen sein beunruhigtes und oft gedrücktes Wesen auf . Er hatte Launen . Seine Stirn , seine einfachen , jugendlichen Züge konnten ohne ersichtlichen Grund von Unmut verfinstert werden . In Gesellschaften , wo Eugenie sich unterhielt , lachte , tanzte und sich von seinen Kameraden den Hof machen ließ , stand er schweigsam umher und beobachtete sie . Zuweilen warf er ihr einen bittenden Blick zu . Meist wollte er früh aufbrechen , doch ließ er sich stets von ihr bedeuten — er konnte seinen Willen nicht durchsetzen gegen sie , und dann wurde er verdrießlich . Ihm war die Gesellschaft verhaßt , am liebsten wäre er immer allein mit seiner Frau geblieben . Hätte er es ihr verraten , so hätte sie über ihn gelacht . Und ihr Lachen that ihm weh , er forderte es nicht gern heraus . — Ja — und — — es war doch ihr Geld , von dem sie ein Haus machte , Toiletten anschaffte u.s.w. Würde sie ihm das einmal vorwerfen . . . Darauf durfte er es nicht ankommen lassen . Die Furcht vor diesem Worte , welches Eugenie sprechen konnte , vermehrte noch die Unsicherheit , in die seine große Liebe ihn stürzte . Er war maßlos eitel auf seine Frau , auf ihre Triumphe — sogar auf ihre Koketterie . Verächtlich und mitleidig äußerte er sich in Bezug auf alle übrigen Frauen . Aber — aber . . . . Er hatte sich ihr Verhältnis früher ganz anders gedacht . Eine Vernunftheirat — und sie mußte doch froh sein , wenn er ihr Vermögen nicht beim Jeu verbrauchte . Ja — ja — ja — die Ehe bringt zuweilen wunderliche Überraschungen . Vor der Taufe des Kindes hatte Agathe einem heftigen Streit zwischen Walter und Eugenie beigewohnt . Walters Hauptmann , Herr von Strehlen , der gnädigen Frau allergetreuester Verehrer , sollte neben dem alten Wutrow und dem Regierungsrat Gevatter stehen . Eugenie hatte dem Hauptmann schon vor Monaten versprochen — in Walters Gegenwart , er mußte sich doch erinnern — -ihr erstes Kind sollte , falls es ein Junge werde , nach dem Hauptmann “ Wolf ” genannt werden . Der Junge war auf die Welt gekommen , und Walter war doch auch ganz zufrieden mit der Thatsache . Ein altes Versprechen nicht zu halten , weil es ihm plötzlich nicht mehr paßte , das ging ja nicht — das mußte er doch einsehen . Ein ältlicher Junggeselle legt Wert auf so etwas . Mein Himmel warum ihm nicht die Freude gönnen ? Strehlen war nun einmal Walters Vorgesetzter — daran ließ sich nichts ändern , man durfte ihn nicht erzürnen . Walter würde das sonst schon in seiner Carrière zu fühlen bekommen . Sie sprach sehr verständig , und nachdem Walter anfangs heftig genug gewesen , gab er schließlich ihren guten Gründen nach . Der Junge wurde Wolf genannt . Herr von Strehlen kam fast täglich heran , um sich nach den Fortschritten in der Entwickelung seines Patenkindes zu erkundigen . Auch wenn er nicht anwesend war , tönte sein Name in tausend Liebkosungen durch die Wohnung . Hielt Eugenie ihr Söhnchen auf dem Schoß und spielte mit ihm , beim Baden und Ankleiden , das sie als gewissenhafte Mutter immer selbst besorgte , hieß es fortwährend unter Küssen und Schäkern : Mein Wolfimäuschen ! Mein alter Zuckerwolf ! Mein Brüllwölfchen ! Mein kleiner , süßer Herzenswolf ! Und die scharfen , grauen Augen der jungen Frau blickten unter halbgeschlossenen Lidern mit listiger Schelmerei zu Walter hinüber und sahen , daß er litt — immerfort litt — sich Vorwürfe machte über eine so unsinnige Qual — daß er seine Ehre und sein Vertrauen zu ihr und seine Vernunft , die ihr nichts vorwerfen konnte , zu Hilfe nahm , und sein Zartgefühl , welches sich schämte , auch nur mit einem Worte seine Unzufriedenheit zu äußern über etwas ganz Selbstverständliches — ihr Scherzen mit dem Kleinen — und daß er dennoch litt . Sie lächelte ganz heimlich darüber . Lieber Gott — der langweilige Hauptmann . . . . Der wär ' ihr gerade der Mühe wert gewesen . . . . Aber die unbarmherzigen Gedanken hinter den kühlen , grauen Augen , unter der weichen Haarmähne , die wußten , wenn