sich über die Hand der gekränkten Fürstin und drückte einen ehrerbietigen Kuß auf das parfümierte Leder des weißen Handschuhs . » Ich fühle ganz mit Hoheit , « bemerkte er würdig mit dem sattesten Ton seiner Stimme . » Aber wenn mir die jnädigste Hoheit verzeihen – möchte ich sagen : Donnerwetter ! Schneid hat sie ... Ein Weib von Temperament ! Ich bewundere Leidenschaft und Temperament bei der Frau ! « » O , « meinte die Prinzessin gedehnt , während sie auf das Vorfahren des zweiten Wagens wartete , » man kann auch Temperament besitzen , ohne solche Theatercoups zu machen ! « » Würde und Leidenschaft verstehen nur Fürstinnen zu vereinen , « flüsterte Debberitz , entriß in dem erregten Wirrwarr des Aufbruchs dem Diener den Pelz der Prinzessin und legte ihn sanft um ihre Schultern . » Wie können Sie so etwas ahnen , « erwiderte Prinzessin Karoline , sich für einen kurzen Augenblick der Berührung dieser großen ungefügen Proletarierhände überlassend . » O , Sie haben viel Kraft , « seufzte sie befriedigt . » Und wir – wir Armen dürsten nach Leben ... Lassen Sie sich mir melden , wenn Sie nach Langenrode kommen ! Sie müssen mir berichten , wie die Dinge sich hier entwickelt haben , hören Sie ? « Debberitz verbeugte sich tief und fühlte sein Herz heftig schlagen . Diese Prinzessin hatte ein Lächeln Was in aller Welt sollte nun mit dem Mädchen werden ? Das war die Frage , die auf aller Lippen schwebte und aller Herzen sorgenvoll bewegte . August , als wäre er der Überzeugung , daß bei solchen Erwägungen unpassende Dinge zur Sprache kommen könnten , trat zu seiner Frau , sie zart und gütig auffordernd , sich zurückzuziehen . Debberitz hingegen erklärte , daß er ein moderner Mensch sei und als Großstädter weitere Begriffe habe . » Ich für mein Teil fand das Mädchen direkt heroisch , « rief er laut und mit Energie – » ich habe die höchste Achtung vor ihr – das kann ich nur wiederholen – obschon – natürlich ... « hier wurde seine Stimme leiser und kleinmütiger , » ... man weiß ja nicht , wie die hohen Herrschaften über die Chose denken ! « » Herr Debberitz , « sagte Trinette sanft überredend , » glauben Sie mir , ich kenne den Herzog – wir haben als Kinder zusammen mit der Puppe gespielt – er würde sich in seinem wahrhaft guten Herzen freuen , wenn diese fatale Angelegenheit – wenn ein edler Mann , wollte ich sagen , sich bereit finden würde ... kurz , er würde diesem edeln Manne dankbar die Hand drücken ... « Debberitz räusperte sich umständlich , und auch Herr von Kosegarten stieß unverständliche Töne aus , von denen es ungewiß blieb , ob sie Zustimmung oder Warnung bedeuten sollten . August war ans Fenster getreten und blickte , als hörte er nichts von dem Gespräch , in den mit Schneeflocken untermischten Herbstregen , der draußen gegen die Fenster schlug . Debberitz fragte , ob er sich eine Zigarre anzünden dürfe , eine Bitte , die ihm selbstverständlich gern gestattet wurde . Frau Marie brachte ihm Streichhölzer , sie sah ihn dabei mit ihren guten , tränenumflorten Augen bittend an . Debberitz blies eine Weile seine Rauchringe schweigend in die Luft . Er fühlte sich zu dieser Stunde als nächster Freund der Familie von Kosegarten , fast selbst als ein Glied dieses ehrwürdigen Geschlechts , für die Aufrechterhaltung seiner Ehre zu jedem Opfer bereit ... Wie aber ließ sich die verletzte Ehre eines jungen Mädchens besser wieder herstellen als durch die Heirat mit einem ehrenwerten Manne ? An sich war ihm ja Hilde nur begehrenswerter und pikanter geworden durch diese Liäson mit einem Grafen ... Denn er zweifelte ja keinen Augenblick daran , daß eine solche wirklich bestanden habe . Übrigens hatte er auch vor kurzem in Erfahrung gebracht , daß Hilde ursprünglich nähere rechtliche Ansprüche auf das Vermögen , das der Tante Trinette zugefallen war , geltend machen konnte – daraus ließ sich denn doch wohl auch ein gelinder Druck auf die alte Dame herleiten und nützlich zur Anwendung bringen . Eventuell drohte man nach der Heirat mit einem Prozesse zur Anfechtung von Onkel Christophs Testament ... Es war ohnehin unglaublich nachlässig vom alten Kosegarten , sein Mündel so friedlich um ein Vermögen kommen zu lassen . Nun – man kannte ja geschickte Anwälte , glücklicherweise ... Debberitz legte die Zigarre beiseite und seufzte , es klang wie ein Ächzen , während er seine Weste straffzog . » Herr von Kosegarten , « sagte er würdig , » ich glaube . Sie haben schon länger bemerkt , daß ich Ihre Nichte , Fräulein Hilde , mit wohlgefälligen Blicken betrachte . Daran hat der eben stattgefundene Auftritt nichts geändert . Ich bin ein Mann von fortschrittlichen Ideen . Es würde mir eine hohe Ehre sein , in Ihre werte Familie einzutreten . Ich bitte Sie also , Herr von Kosegarten , um die Hand Ihres Fräulein Nichte ! Wie gesagt – ich werde meine Frau Gemahlin stets in Ehren halten ! « Er zog ein Tuch und wischte sich den Schweiß , der bei dieser Ansprache reichlich an Stirn und Schläfen hervorgequollen war . Der alte Herr schüttelte ihm heftig die Hand . » Na , Debberitz , unter den Verhältnissen – da kann sich das Mädel gratulieren , wenn sie unter die Haube kommt . « Auch er ächzte und pustete , der alte Edelmann . Das Leben war putzwunderlich , und er für sein Teil machte nicht mehr mit – nee , weiß der Deibel – so ne verflixte Schweinerei ... Trinette war hinausgeeilt , ihre Nichte zu rufen , hörte indessen von dem Hausmädchen , Hilde sei in großer Erregung in den Park gegangen . Ein Gang durch Sturm und Wetter wird sie am besten beruhigen , dachte Fräulein von Kosegarten , und aus weit entlegenen Tagen kam ihr die Erinnerung an