gern Rede zu stehen , sie antwortete ausweichend . » Felix ist jetzt meist in einer Stimmung , mit der sich nicht rechten läßt . Ich begreife das und schone ihn so viel als möglich , du scheinst das nicht gethan zu haben , Papa , er war tief gereizt , als er von dir kam . « » Wir haben Geschäftliches besprochen , da kann man keine Schonung üben , « erklärte Marlow . » Ich habe es ihm offen herausgesagt , daß er nicht so rücksichtslos vorgehen , nicht so alle Brücken hinter sich abbrechen darf . Er hat nicht mehr die Zügel in Händen , wie noch vor drei Monaten , Was da inzwischen in Steinfeld laut geworden ist , läßt sich nicht so ohne weiteres niederzwingen . Jetzt , wo die Unterbeamten , die Arbeiter nicht mehr für ihre Existenz fürchten , wo sie sich im Schutze der Öffentlichkeit wissen , jetzt redet alles . Aber er will ja nicht hören und kümmert sich nicht um meine Warnungen . Meinetwegen ! Steinfeld ist sein Eigentum – ich habe nichts mehr damit zu schaffen . « » Nichts mehr ? « Edith wandte sich überrascht , fast erschrocken um . » Nein , der Plan ist ja gescheitert und die Aktiengesellschaft unmöglich geworden . Glaubst du , daß sich jetzt noch jemand findet , der sein Geld an Steinfeld wagt , oder dafür eintritt ? « » Du bist doch einst dafür eingetreten , Papa , und mußt als Finanzmann doch ein Urteil darüber gehabt haben . Du stimmtest damals sofort dem Plane zu , « Der Vorwurf wurde gefühlt und verstanden , der Bankier blieb stehen , und in seiner Stimme verriet sich eine gewisse Unsicherheit , als er hastig sagte : » Da lagen die Dinge anders . Ich habe manches nicht gewußt , manches vielleicht zu milde beurteilt . An ein Riesenunternehmen wie Steinfeld durfte man nicht den gewöhnlichen Maßstab legen , da ist vieles erlaubt , ja notwendig , was in kleineren Verhältnissen zu verwerfen wäre . Es läßt sich da unendlich schwer eine Grenze ziehen . Nach dem Einblick , den ich jetzt habe , würde ich mich unbedingt zurückziehen , selbst wenn die Bildung der Gesellschaft noch möglich wäre . Diese Unmöglichkeit erspart mir die immerhin peinliche Absage an Ronald . « Edith schwieg , aber sie begriff vollkommen . Marlow hatte ja vielleicht manches nicht gewußt und vieles nicht wissen wollen , um nicht einem Unternehmen fern bleiben zu müssen , das ihm ungemessenen Vorteil versprach . Sobald die öffentliche Meinung sich dagegen erklärte , erwachte sein kaufmännisches Gewissen , da zog er sich vorsichtig und rechtzeitig zurück . » Der kühle , kluge Geschäftsmann « wußte immer , was er that , er hatte sich auch bei diesem Rückzuge keine Blöße gegeben , aber seine Tochter fühlte doch jetzt zum erstenmal , daß zwischen ihr und dem Vater eine Kluft lag . Freilich , er war derselbe geblieben , und sie war eine andere geworden – seit dem Frühjahr ! » In der nächsten Woche beginnt der Prozeß , « hob Marlow wieder an . » Da hatte Ronald ja allerdings keine Wahl ; zu den Anklagen jener unseligen Schrift schweigen hieß sie zugeben . Er mußte die Klage wegen Verleumdung stellen , auf alle Gefahr hin . – Bestehst du denn noch immer darauf , den Verhandlungen beizuwohnen ? « » Ja , « sagte Edith mit voller Entschiedenheit . » Ich kann und will nicht fern bleiben , wo so viel für uns auf dem Spiele steht . « » Für uns – ja so ! « wiederholte der Bankier gedehnt , und dabei streifte ein eigentümlich forschender Blick die Tochter . » Nun , gerade deshalb möchte ich dich noch einmal bitten , gib den Gedanken auf ! In solchen gerichtlichen Verhandlungen werden oft die peinlichsten Dinge erörtert . Bist du deiner Selbstbeherrschung so völlig sicher , um nur als fremde Zuhörerin zu erscheinen ? Oder wäre es dir gleichgültig , wenn man gerade jetzt deine Beziehungen zu Ronald erriete ? « » Das Erraten wäre überflüssig gewesen . Ich habe Felix schon bei unserem letzten Zusammentreffen in Gernsbach vorgeschlagen , unsere Verlobung öffentlich zu erklären . « » Edith ! « Es war ein Ausruf des Schreckens , aber sie fuhr unbeirrt fort ! » Er wollte das damals nicht annehmen , ich war bereit dazu , « » Um Gottes willen , welch ein Gedanke ! « brach Marlow aus . » Jetzt , wo Ronald von allen Seiten angegriffen wird , willst du dich öffentlich als seine Braut erklären ? Ein Glück , daß er wenigstens vernünftig war . Er kann jetzt doch unmöglich verlangen – « » Was er später unbedingt verlangen wird ! « ergänzte Edith . » Und da fordert er nur sein Recht , « Marlow schien einen Widerspruch auf den Lippen zu haben , unterdrückte ihn aber und nahm neben seiner Tochter Platz . » Kind , du ahnst nicht , wie die Sache steht , « sagte er in gedämpftem Tone , » Ich habe dich nicht ängstigen wollen , jetzt aber muß ich dir doch die Wahrheit sagen , Ronald ist grenzenlos – unvorsichtig gewesen in seiner Geschäftsführung , er hat sich Dinge erlaubt , die man ihm nicht verzeihen wird und auch nicht verzeihen kann . Es handelt sich nicht mehr um Steinfeld allein , aber Steinfeld wird sein Verhängnis werden . Die teilweisen Enthüllungen dort haben bereits verraten , daß er die Werke nicht mehr halten konnte , daß er die Aktiengesellschaft nur zur Deckung für seine Verluste benutzen wollte . Damit hat er verspielt bei dem Publikum , damit hat er das Vertrauen verloren , das ihn und all seine Unternehmungen trägt . Stürzt da eins , so wankt alles andere . Und nun noch einen Gegner wie dieser Raimar – du weißt nicht , was das bedeutet ! « » Doch ,