die Drohung diesmal mehr . Der Prälat blickte ihm finster nach , er sah die Macht , die er mit der Ueberlegenheit eines kalten unbewegten Charakters von jeher über den leidenschaftlichen Bruder ausgeübt , in Trümmer gehen , er wußte besser als der Graf selbst , daß hier ihre Grenze war . Er war noch ganz in dies finstere Nachdenken versunken , als der Pater Prior gemeldet ward , der gleich darauf eintrat und sich mit seinem gewöhnlichen schleichend demüthigen Wesen ihm näherte . „ Ich komme , die Befehle meines hochwürdigsten Abtes in Bezug auf Pater Benedict in Empfang zu nehmen , “ begann er feierlich . „ Wir können ihn von morgen an jeden Tag erwarten . Reverendissimus wünschen wohl jedenfalls erst seine Verantwortung zu hören ? “ „ Verantwortung ? “ fragte der Prälat scharf ; „ deren bedarf es hier nicht mehr ! Wenn er sich , wie ich nicht zweifle , zu seinen Worten bekennt , so bleibt nur noch übrig , Gericht über ihn zu halten . Ich habe über den Fall bereits an den Erzbischof berichtet und erwarte stündlich seine Antwort . Indeß ich weiß im Voraus , was ich zu thun habe , und daß man mir vollkommen freie Hand lassen wird . “ „ Auch ich bin überzeugt , daß man uns die unbeschränkteste Vollmacht ertheilt ! “ bestätigte der Prior mit einem frommen Aufblick nach oben . „ Es gilt , den Frechen zu strafen , und die schwer beleidigte Kirche durch Reue und Büßung wieder zu versöhnen , damit ihr Heil – “ Der Prälat machte eine ungeduldige Bewegung . „ Lassen Sie den salbungsvollen Ton ! Sie wissen , ich liebe das Frömmeln nicht , am wenigsten , wenn wir unter uns sind . Es handelt sich nicht darum , die Kirche zu versöhnen , sondern sie vor einer Gefahr zu schützen , hier wo das Beispiel des Einzelnen verhängnißvoll werden könnte für den ganzen Stand . Ich bin entschlossen , die vollste Strenge walten zu lassen ! “ Ein triumphirender Blick schoß aus den Augen des Priors , aber er senkte sie sofort wieder demüthigst zu Boden . Man durfte heute dem Prälaten nur mit Vorsicht nahen , es geschah selten , daß er sich in so scharfen rücksichtslosen Worten gehen ließ , wie eben jetzt , irgend etwas mußte ihn furchtbar gereizt haben und es ward dem schlauen Mönche nicht schwer , diese Gereiztheit mit dem vorhergegangenen Besuch des Grafen und dem wahrscheinlichen Gegenstande der Erörterung zwischen den Brüdern in Verbindung zu bringen . „ Die vollste Strenge ! “ wiederholte er langsam . „ Ohne Zweifel ! Wenn nur der Herr Graf Rhaneck nicht Einspruch thut ! Ich meine , “ verbesserte er sich schnell , „ er wird seinen ganzen Einfluß zu Gunsten seines Schützlings aufbieten . “ „ Ich bin in solchen Dingen dem Einfluß meines Bruders nicht zugänglich ! “ erklärte der Prälat hart und entschieden . Ich weiß , Hochwürdigster , ich weiß ! “ stimmte der Prior bei . „ Aber es könnte doch sein . Der Herr Graf hegt ein großes , ein ganz ungewöhnliches Interesse für Pater Benedict – wenn er es versuchte , gegen Ihren Willen – “ Weiter zu gehen in seinen Andeutungen wagte er nicht , ihm war es schon genug , daß der Prälat schwieg und ihn nicht vornehm zurückwies , was sonst unfehlbar geschehen wäre . Also , schloß der Prior weiter , es hatte bereits Streit deswegen zwischen den Brüdern gegeben , Rhaneck hatte vermuthlich gedroht , da galt es zu stacheln , der Prior kannte seinen Abt . „ Der Herr Graf weiß oder ahnt doch wenigstens , was [ 134 ] seinem Schützlinge bevorsteht , “ fuhr er leiser fort , „ er wird ihn schwerlich preisgeben , und wenn er nicht will – “ „ Wenn mein Bruder nicht will ? “ der Prälat hob mit einem zornigen Aufblick das Haupt . „ Sie vergessen wohl , daß ich hier allein zu wollen habe ! “ „ Keineswegs , Hochwürdigster ! Es handelt sich ja auch nur darum , was dem Pater Benedict eigentlich auferlegt wird , und wie weit Reverendissimus zu gehen beabsichtigen . Uebergriffe freilich könnten jetzt bedenklich , ja gefährlich werden . Was man hin und wieder einzelnen ungehorsamen Mönchen gegenüber wagte , nach denen Niemand fragte , und deren fromme Angehörige sich auf das bloße Zeugniß des Klosters hin beruhigten , das dürfen wir hier nicht wagen , wo ein so mächtiger Protector wie Graf Rhaneck im Wege steht . Der Graf ist sehr angesehen , sehr einflußreich bei Hofe und unser allergnädigster Souverain sehr bedenklich freisinnig in solchen Dingen ; wenn die Sache dort zur Sprache käme – ein einziger Schritt über die uns gezogenen Grenzen hinaus könnte verderblich werden . “ Der Prior wußte sehr wohl , was er that , als er langsam einen Stachel nach dem andern in die Seele des Prälaten senkte . Er konnte ihm freilich nichts sagen , was jener nicht schon längst bei sich selber erwogen hatte , aber es klang ihm doch anders aus fremdem Munde , mit dieser leisen Beimischung von Hohn , mit diesem fortwährenden Herausheben des Bruders als einer überlegenen Macht , der man sich zu beugen habe – der stolze Priester richtete sich hoch auf . „ In dem Punkte , wo es sich um meine geistliche Obergewalt handelt , weiche ich weder meinem Bruder , noch weiche ich überhaupt Jemandem , er stehe so hoch er wolle ! Dreißig Jahre lang habe ich dies Stift geleitet , und dreißig Jahre lang ist es dem Lande ein Vorbild gewesen , auf das auch nicht der leiseste Schatten fiel ! Wenn in den anderen Klöstern ringsum sich Schwäche , Abfall und Verrath kund gab , ich habe das meinige rein zu erhalten gewußt und , was auch geschehen mag , ein Abtrünniger wird aus seinen Mauern nie hervorgehen ! Nie , sage ich