war , und lachte und weinte wie ein Kind . Bitternis und Herzeleid hatten ihn an Leib und Seele geschwächt . Ich fragte nach Hilde . Sie liege an einem zehrenden Fieber danieder , sagte er , und führte mich in ihre Kammer . Als sie mich erkannte , leuchtete ein Glanz aus ihren tiefliegenden blauen Augen . Sie dankte mir , daß ich gekommen sei ; sie habe danach gedürstet , mich noch einmal vor ihrem Sterben zu sehen . In mir aber stieg mit dem Mitleid die alte Liebe mächtig auf , so daß ich ihr vorschlug , gedemütigt wie ich war durch die Schläge des Schicksals , sie als mein angetrautes Weib mit mir heimzuführen , wenn sie nur gesunden könnte . Sie nickte , aber zweifelnd und traurig . Da fiel mir mein kostbares Heiligtum ein , denn es war in ganz Engelland ein groß Rühmen und Prahlen von den durch die Reliquien des heiligen Thomas gewirkten Genesungen und Wundertaten . Tote sogar , so predigte die sächsische Pfaffheit , seien kraft der Berührung mit denselben in die Zeitlichkeit zurückgekommen . Im schnellsten Ritte jagte ich nach Windsor und zurück . Ich eilte mit meinem Tüchlein hinauf in ihre Kammer . Sie schlummerte , und ich legte es ihr leise auf die Brust . Da regte sie sich , lächelte freundlich , tat ein paar schwere Atemzüge , schlug die Augen strahlend auf und schloß sie wieder mit einem leisen Seufzer . Herr , sie war tot . Da faßte mich ein grimmiger Schreck und Zorn , daß Herr Thomas , der die Toten auferwecke , mich unversöhnlich verfolge und mir mein Liebes töte . Ich entfloh und das blutige Tüchlein ist wohl mit ihr eingesargt worden . Ich hatte eine stürmische Meerfahrt , und zweimal warf mich die Welle an die englische Küste zurück . Nachdem ich endlich festen Boden beschritt , strebte ich nach schwäbischen Landen denn die Erfahrung des Lebens hatte mir die Lust der Wanderung und weltlichen Neugier völlig ausgetrieben . Wie ich einmal wieder mein Roß im Rhein getränkt hatte , zog mich das Heimweh unaufhaltsam stromaufwärts , bis durch das Tor Schaffhausens . Dort fand ich den Juden Manasse verschollen und wurde als ein weltkundiger und nahmhafter Mann mit Ehren aufgenommen . Ehe der Flitter meines Ruhmes verblich , heiratete ich eine junge Wittib , die mir neben zwei Knäblein ihres ersten Bettes einen Turm in Schaffhausen und einen sonnigen Weinberg am Rheine zubrachte . Ihr traut es mir zu , Herr , daß ich , obzwar ein adeliger Mann und gewesener Königsknecht , mein Handwerk nicht aufgab , vielmehr unverweilt eine fröhliche Werkstatt auftat , aus welcher ich bald einen weiten Umkreis von Burgen und Städten mit großem und kleinem Geschoß versah . Von meinem König aber erfuhr ich nichts , als daß er mit sich und seinen Söhnen nicht zum Frieden kommen konnte . Da begab es sich eines Tages , daß ich , das ältere Büblein meiner Frau an der Hand , gegen den Rheinsturz hinausging , um mit einer neuen Armbrust über den Strom zu schießen , prüfend in welchem Maße durch den Wirbelwind , der dort über den Wassern schwebt , der Flug des Geschosses gestört wurde . Wie ich nach einem Zielpunkte am jenseitigen Ufer spähe , erblicke ich die graue Gestalt eines Ritters , auf einem Felsblocke sitzend , das Schwert quer über die Kniee gelegt wie Euer Carolus Magnus hier am Münsterturme . Meinem Knäblein beginnt es zu grauen , und ich zerbreche mir den Kopf , wer das seltsam natürliche Bildwerk über Nacht in die Wildnis an den Strom gesetzt habe . Da hebt der Ritter langsam die geharnischte Hand empor , und ich sehe , wie er mir winkt . Jetzt erkenn ich ihn , springe in den Nachen des Fergen , stoße mich über , und Herr Rollo ruft mir entgegen : › Ich grüße dich , Schwabe , und lade mich bei dir zum Nachttrunke . ‹ Heimkehrend sagte er mir , er sei auf der Fahrt nach Palermo . Heute in dies Städtchen am Rheine gekommen , habe er Hengst und Dienstleute dort untergebracht und sei dann , von einem fernen Donnern gelockt , neugierig stromabwärts gegangen bis zu diesem tapfern Wasserspiele . Als wir zusammen durch die Gassen von Schaffhausen schritten und das Volk den gewaltigen alten Herrn bestaunte , war mir , als hätt ich vorzeiten unter einem fremden Riesengeschlechte gelebt . Herr Rollo trank manchen Becher meines Weines und lobte ihn . Ich aber wagte endlich eine Frage nach meinem Herrn und Könige . Da blies der Waffenmeister in die Luft und ich verstand , Herrn Heinrichs Seele sei von hinnen gefahren . › Und sein Sterben ? ‹ fragt ich angstvoll , › wie war es ? ‹ › Unpfäffisch ! ‹ gab er zur Antwort . › Ein roter Vaterzorn hat ihn wie der Strahl getötet . Dein Abgott , der Knabe Richard , hatte ihn mit Hilfe des Kapetingers unter sich gebracht und forderte als erste Bedingung des Friedens einen väterlichen Segen , wenn es auch nur die leere Gebärde wäre . Da erhob sich Herr Heinrich , von meinen Armen gehalten , voll stillen Grimmes auf seinem Siechbette und streckte gezwungen seine Rechte über den Sohn aus . Aber die falsch segnenden Finger zog der Sterbekrampf zusammen und sie erstarrten in der Luft . ‹ › Haltet ein , Herr Rollo ! ‹ rief ich schaudernd , und nach einer Weile fuhr ich fort : › Gestattet Ihr es , so begleite ich Euch eine Strecke weit , ich will eine Wallfahrt tun zu der schwarzen Muttergottes von Einsiedeln , mich verlangt , für die Seele meines Herrn zu beten . ‹ Am zweiten Tage erreichten wir die unfruchtbare Hochebene wo Meinrads Zelle liegt . Herr Rollo kehrte nicht an , er wandte und spornte sein Pferd , indem er mit leichtem Kopfnicken von mir Abschied nahm und gegen die