mich fast gänzlich mit ihrem Herkommen und ihrer ursprünglichen Bestimmung aussöhnte . Ihr Aeußeres war schön , ihr Wesen und Benehmen bescheiden und anspruchslos ; mit einem Wort , die neue Schwägerin gefiel mir ausnehmend und ich verzieh meinem Bruder aus vollem Herzen , daß er sich zu dem dummen Streich hatte fortreißen lassen . « » Die Hochzeit wurde also in gehöriger Form gefeiert , betreffs der etwanigen Nachkommenschaft – mein Bruder war Protestant , seine Frau Katholikin – die Vereinbarung getroffen , daß alle Kinder in die Stammrolle des Vaters eingetragen , was so viel heißt , wie : in dessen Religion erzogen werden sollten , wie das auch ganz in der Ordnung , und vollständig beruhigt über die Zukunft der jungen Eheleute , reiste ich hierher zurück . Und beruhigt konnte ich sein , denn außerdem , daß seine Frau ihm einige tausend Thaler einbrachte , war es meinem Bruder auch gelungen , eine seinen Fähigkeiten entsprechende Anstellung in einem Bureau zu finden , wodurch ihr Einkommen so weit erhöht wurde , daß sie ein mehr , als behagliches und bequemes Leben führen konnten . « » Ein Jahr mochte ungefähr verstrichen sein , als ich die Nachricht von der Geburt einer Tochter erhielt . Da mir selbst keine Kinder beschieden gewesen sind , so kannst Du die Freude begreifen , welche ich darüber empfand , zum ersten Mal in meinem Leben Onkel geworden zu sein . Ja , ich liebte das Kind schon damals , ohne es zu kennen , und jetzt , da es in meinem Hause , lebt , ist es mir noch viel theurer geworden . Hoffentlich wirst Du es mir nicht verargen , wenn ich gestehe , daß Johanna mir , nächst meiner Lisette , daß Liebste auf der Welt ist ; aber beruhig Dich nur , gleich hinter Johanna stehst Du auf der Rangliste . « » Mit der Geburt des Kindes schien indessen das Glück der beiden Eheleute ihr Ende erreicht zu haben ; ich glaubte dies wenigstens aus den Briefen meines Bruders zu errathen , die immer kälter und geschäftsmäßiger abgefaßt waren und sehr bald die letzte Spur von jenem Humor verloren , der sie vordem stets ausgezeichnet hatte , und daher mehr dem trocknen Rapport eines gewissenhaften Wachtmeisters glichen . « » Die Sache war folgende : Die Natur der Italienerin hatte wohl eine Zeit lang verleugnet , jedoch nicht ganz umgewandelt werden können , und mußte es meine Bruder selbstverständlich niederdrücken , zu gewahren , daß seine Gattin , nachdem sie Mutter geworden , nicht nur weniger haushälterisch mit ihrem Einkommen verfuhr , sondern sich auch , gegen seinen ausdrücklichen Wunsch und Willen , einen Umgang wählte , den er von seinem Standpunkte aus nie gut heißen konnte . « » Unter denjenigen , die in Abwesenheit meines Bruders sein Haus am häufigsten besuchten , befand sich auch ein katholischer Priester . « » Den religiösen Glauben seiner Frau berücksichtigend , duldete mein Bruder längere Zeit hindurch diese Besuche , obwohl es ihn tief verletzte , daß der Priester , ebenfalls ein Italiener , sogar in seiner Gegenwart sich nicht scheute , in seinem Verkehr mit der jungen Frau sich der italienischen Sprache zu bedienen , von der mein Bruder kein einziges Wort verstand . Auch erschien es ihm oft , als wenn das Verhältniß zwischen dem Kaplan und seinem Beichtkinde fast ein zu zärtliches sei , aber seiner kleinen Tochter zu Liebe , wel che er vergötterte , ertrug er Manches , was ihn früher in die grenzenloseste Wuth versetzt haben würde . « » Doch Alles hat sein Ende , sogar meines Bruders Geduld mußte zuletzt reißen . « » Der erste ärgerliche Auftritt erfolgte , als die junge Frau den dringenden Wunsch aussprach , ihre Tochter in der katholischen Religion erziehen , und mehr noch , sie sogleich nach katholischem Ritus taufen zu lassen . « » Als mein Bruder sodann auf ihren bindenden Vertrag hinwies , überhäufte sie ihn , gegen alle Subordination , mit Vorwürfen und Klagen , daß man sich damals ihre Unerfahrenheit zu Nutze gemacht und sie auf eine schändliche Weise hintergangen habe . Ein Wort gab das andere , Thränen wechselten mit Ohnmachten ab , und das Ende vom Liede war , daß mein Bruder , der in dem ganzen rechtswidrigen und unnatürlichen Begehren das Werk des fremden Priesters erkannte , diesen , mit dürren Worten das Haus verbot . « » Anscheinend wurde das Verbot mit Gleichgültigkeit hingenommen . Der Priester ließ sich zwar nicht mehr im Hause blicken , doch vermochte mein Bruder nicht zu verhindern , daß seine Frau den hinterlistigen Betrüger außer dem Hause sah , er selbst aber von dem treulosen Weibe mit kalter Verachtung gestraft wurde , was seinen sonst so frischen Lebensmuth vollends untergrub . « » Wiederum verstrichen einige Monate , ohne daß in seinen häuslichen Verhältnissen eine Aenderung zum Guten erfolgt wäre ; im Gegentheil , der Bruch schien immer schärfer hervortretend , unheilbar zu werden . Kein Wunder also , daß mein Bruder viel abwesend war und sich anderweitig zu zerstreuen suchte ; hm , ich wurde es ganz ebenso gemacht haben . « » Eines Abends , Johanna mochte damals vielleicht ein Jahr alt sein , kehrte er auch wieder zur späten Stunde nach Hause zurück . Gewohnt , daß weder ein Dienstbote noch seine Frau auf dem Posten waren und irgendwelche Notiz von ihm nahmen , begab er sich in sein Schlafgemach . Er zündete Licht an , und das Erste , was ihm beim Schein desselben in die Augen fiel , war ein an ihn gerichtetes Schreiben seiner Gattin . Mit zitternden Händen und nichts Gutes ahnend erbrach er dasselbe ; es enthielt nur wenig Worte , in welchen seine Frau ihm erklärte , daß sie , da sie nicht glücklich mit ihm leben könne , ihr Kind aber in den Schooß der alleinseligmachenden Kirche zurückzufühlen beabsichtige , es vorziehe , sich von ihm zu trennen