sie , dunkel erglühend . – „ Ja , ich weiß , “ unterbrach er , ihr feines vergrämtes Gesicht betrachtend . „ Ich suche – ich bin nämlich Witwer , Fräulein – eine Dame , die meinem Hause vorsteht und die ein wenig gut ist mit den Würmern – Unruhe und Arbeit würden Sie reichlich finden , ich bin nicht allzuviel daheim , verlange aber auch keinerlei Berücksichtigung meiner Person . Seeben , das ist mein Faktotum , ein alter invalid geschossener Waldläufer , der sorgt für mich , mit mir haben Sie also keine Last , Fräulein . Aber trotzdem – Sie sehen zart aus – am End ’ wird ’ s doch zu schwer für Sie . “ „ O , sicher nicht ! “ antwortete sie , „ ich habe viel Lust zur Wirtschaft und Kindererziehung , viel Uebung freilich nicht . Vielleicht versuchen Sie es mit mir , Herr Oberförster ? “ „ Haben Sie Zeugnisse ? “ fragte er . „ Nein , “ sagte sie , „ ich war bisher noch nicht in Stellung , ich lebte bis vor kurzem mit meiner Mutter zusammen . Sie starb so rasch , und ich fühle mich einsam und wünsche Thätigkeit . Vorhin las ich Ihr Gesuch – ich bin sogleich gekommen . “ Er heftete den Blick auf sie . Ein schmales , edel geschnittenes Gesicht , nervös die Farbe wechselnd , um den feinen Mund ein herber Zug , und ein Paar großer dunkler Augen , in denen viel zu lesen war von verschwiegenem Kummer , von herben Erfahrungen . Sie gefielen ihm , diese bangen fragenden Augen . „ Und Sie könnten gleich kommen , Fräulein ? “ Sie zögerte ein wenig . „ Ja ! “ sagte sie dann , „ ich denke , es wird meinem Bruder so recht sein . „ Lebt Ihr Bruder hier ? “ „ Er lebt hier , “ antwortete sie stockend , „ es ist der Hofmarschall von Kerkow . “ Der Mann vor ihr war jählings aufgestanden . Des Kerkows Schwester ? – Er trat zum Schreibtisch und wühlte dort planlos umher , und seine Hand zitterte dabei . – Die Schwester des Mannes , dem er indirekt die bitterste Erfahrung seines Lebens verdankte ! „ Weiß Ihr Herr Bruder ? “ fragte er tonlos . „ Nein ! “ erwiderte sie , „ aber ich weiß , er wird sich freuen , wenn wir bei einander bleiben . Wir haben uns beide nötig , er und ich , Herr Oberförster . “ „ Aber sollte dem Herrn Hofmarschall von Kerkow es recht sein , daß seine Schwester eine – – es ist doch immerhin eine dienende Stellung , Fräulein ? “ „ Wenn nicht hier , dann wo anders , Herr Oberförster . Er sowohl wie ich – waren und sind nicht in der Lage – “ Er unterbrach sie rasch . „ Ich möchte doch erst die Einwilligung des Herrn Hofmarschalls – “ „ Ich bin mündig , “ erwiderte sie , „ zweiunddreißig Jahre alt . Aber wenn Sie Bedenken haben – es wäre , freilich es wäre ein Glück für mich gewesen , in seiner Nähe bleiben zu können ! “ Sie stand auf und schickte sich zum Gehen an . Ihm war es auf einmal wie eine Erleuchtung gekommen . „ Wenn Sie es versuchen wollen , Fräulein , “ sagte er , „ ich würde mich glücklich schätzen , eine Dame wie Sie um die Kinder zu wissen , und lieb wäre es mir , wenn Sie bald , recht bald kommen könnten ! Soviel an mir liegt , will ich Ihnen die Stellung angenehm machen , Sie müssen nur entschuldigen , ich bin nicht auf dem Parkett groß geworden . Wenn ich – “ Sie streckte ihm die Hand entgegen . „ Ich verspreche Ihnen , alles zu thun für die Kinder , was in meinen Kräften steht . Gott gebe , daß ich ihre Herzen gewinne ! “ Er schüttelte die Hand . „ Und die Bedingungen ? “ sagte er unsicher . „ Das überlasse ich Ihnen , “ antwortete sie , entschlossen , in dieser Hinsicht durchaus nicht prüde zu sein . „ Geben Sie nur , was Sie Ihrer vorigen Hausdame gaben , oder weniger , jedenfalls aber , ehe wir das vereinbaren , warten Sie , ob Ihnen meine Leistungen genügen . Und jetzt zeigen Sie mir , bitte , die Kinder ! “ Er ging mit großen schwere Schritten aus dem Zimmer , und kam dann wieder , das Jüngste auf dem Arm , die beiden andern zur Seite . „ Da ist eure neue Tante – Sie erlauben doch , gnädiges Fräulein – “ schaltete er verlegen ein . „ Bitte , bitte “ , sagte sie , „ und nennen Sie mich nicht ’ gnädiges Fräulein ’ , nur einfach ’ Fräulein Kerkow ’ oder , Fräulein Hedwig ’ , oder auch nur ’ Fräulein ’ . – Kommt einmal zu mir , Kinder , und erzählt mir , wie ihr heißt ! Sie nahm ihm das Kleine vom Arm und setzte sich mit ihm auf den nächsten Stuhl , während sie den beiden größeren freundlich zulächelte . Sie ließ sich durch die unguten Mienen der verschüchterten Kinder nicht schrecken , sie redete tapfer in sie hinein , fragte nach Puppen und Schaukelpferd , und nach einer Weile antwortete der Junge ihr zuerst , dann mischte sich Agnes ein mit unendlicher Wichtigkeit , und das ganz Kleine ward auch gesprächig . Es wurde ein wahres Vogelgezwitscher in der sonst so stillen Stube . „ Bleibst du gleich hier ? “ fragte der Bub ’ . „ Heute nicht , ich komme aber wieder – übermorgen . “ „ Bleib ’ doch lieber gleich , meinte die Aelteste , „ der Papa ist so traurig , das ist gar nicht schön ! “ „ Uebermorgen komme ich , und heut