, von dem Nachmittag an , wo sie die Fahrt nach Tempelhof und den Gang nach der Kürche gemacht hätten . Denn sie hab es wohl gesehen , daß Victoire neben dem großen , für die Mama bestimmten Veilchenstrauß auch noch einen kleinen Strauß in der Hand gehalten hätte , den habe sie dem lieben Bräutigam , dem Herrn von Schach , in der Kürchentüre präsentieren wollen . Aber als er dann gekommen sei , habe sie das kleine Bouquet wieder weggeworfen , und es sei dicht neben der Tür auf ein Kindergrab gefallen , was immer etwas bedeute und auch diesmal etwas bedeutet habe . Denn sosehr sie gegen dem Aberglauben sei , so glaube sie doch an Sympathie , natürlich bei abnehmendem Mond . Und der ganze Nachmittag stehe noch so deutlich vor ihr , als wär es gestern gewesen , und wenn manche so täten , als wisse man nichts , so hätte man doch auch seine zwei gesunden Augen und wisse recht gut , wo die besten Kürschen hingen . « In diesen Satz vertiefte sie sich immer mehr , ohne daß die Bedeutung desselben dadurch klarer geworden wäre . Nach Tante Margueritens Toast löste sich die Tafelreihe ; jeder verließ seinen Platz , um abwechselnd hier oder dort eine Gastrolle geben zu können , und als bald danach auch die großen Jostyschen Devisenbonbons umhergereicht und allerlei Sprüche wie beispielsweise » Liebe , wunderbare Fee , selbst dein Wehe tut nicht weh « , aller kleinen und undeutlichen Schrift unerachtet , entziffert und verlesen worden waren , erhob man sich von der Tafel . Alvensleben führte Frau von Carayon , Sander Tante Marguerite , bei welcher Gelegenheit , und zwar über das Ruth-Thema , von seiten Sanders allerlei kleine Neckereien verübt wurden , Neckereien , die der Tante so sehr gefielen , daß sie Victoiren , als der Kaffee serviert wurde , zuflüsterte : » Charmanter Herr . Und so galant . Und so bedeutungsvoll . « Schach sprach viel mit Sander , erkundigte sich nach Bülow , » der ihm zwar nie sympathisch , aber trotz all seiner Schrullen immer ein Gegenstand des Interesses gewesen sei « , und bat Sander , ihm , bei sich darbietender Gelegenheit , dies ausdrücken zu wollen . In allem , was er sagte , sprach sich Freundlichkeit und ein Hang nach Versöhnung aus . In diesem Hange nach Versöhnung stand er aber nicht allein da , sondern begegnete sich darin mit Frau von Carayon . Als ihm diese persönlich eine zweite Tasse präsentierte , sagte sie , während er den Zucker aus der Schale nahm : » Auf ein Wort , lieber Schach . Aber im Nebenzimmer . « Und sie ging ihm dahin vorauf . » Lieber Schach « , begann sie , hier auf einem großgeblümten Kanapee Platz nehmend , von dem aus beide mit Hilfe der offenstehenden Flügeltür einen Blick auf das Eckzimmer hin frei hatten , » es sind dies unsere letzten Minuten , und ich möchte mir , ehe wir Abschied voneinander nehmen , noch manches von der Seele heruntersprechen . Ich will nicht mit meinem Alter kokettieren , aber ein Jahr ist eine lange Zeit , und wer weiß , ob wir uns wiedersehen . Über Victoire kein Wort . Sie wird Ihnen keine trübe Stunde machen ; sie liebt Sie zu sehr , um es zu können oder zu wollen . Und Sie , lieber Schach , werden sich dieser Liebe würdig zeigen . Sie werden ihr nicht wehe tun , diesem süßen Geschöpf , das nur Demut und Hingebung ist . Es ist unmöglich . Und so verlang ich denn kein Versprechen von Ihnen . Ich weiß im voraus , ich hab es . « Schach sah vor sich hin , als Frau von Carayon diese Worte sprach , und tröpfelte , während er die Tasse mit der Linken hielt , den Kaffee langsam aus dem zierlichen kleinen Löffel . » Ich habe seit unsrer Versöhnung « , fuhr sie fort , » mein Vertrauen wieder . Aber dies Vertrauen , wie mein Brief Ihnen schon aussprach , war in Tagen , die nun glücklicherweise hinter uns liegen , um vieles mehr , als ich es für möglich gehalten hätte , von mir gewichen , und in diesen Tagen hab ich harte Worte gegen Sie gebraucht , harte Worte , wenn ich mit Victoiren sprach , und noch härtere , wenn ich mit mir allein war . Ich habe Sie kleinlich und hochmütig , eitel und bestimmbar gescholten und habe Sie , was das schlimmste war , der Undankbarkeit und der Lâcheté geziehen . All das beklag ich jetzt und schäme mich einer Stimmung , die mich unsre Vergangenheit so vergessen lassen konnte . « Sie schwieg einen Augenblick . Aber als Schach antworten wollte , litt sie ' s nicht und sagte : » Nur ein Wort noch . Alles , was ich in jenen Tagen gesagt und gedacht habe , bedrückte mich und verlangte nach dieser Beichte . Nun erst ist alles wieder klar zwischen uns , und ich kann Ihnen wieder frei ins Auge sehen . Aber nun genug . Kommen Sie . Man wird uns ohnehin schon vermißt haben . « Und sie nahm seinen Arm und scherzte : » Nicht wahr ? On revient toujours à ses premiers amours . Und ein Glück , daß ich es Ihnen lachend aussprechen kann , und in einem Momente reiner und ganzer Freude . « Victoire trat Schach und ihrer Mama von dem Eckzimmer her entgegen und sagte : » Nun , was war es ? « » Eine Liebeserklärung . « » Ich dacht es . Und ein Glück , Schach , daß wir morgen reisen . Nicht wahr ? Ich möchte der Welt um keinen Preis das Bild einer eifersüchtigen Tochter geben . « Und Mutter und Tochter nahmen auf dem Sofa Platz , wo sich Alvensleben und Nostitz ihnen gesellten . In diesem Augenblick wurde