, mit einem ergebenen Seufzer , der ungefähr verriet : Man darf nicht neidisch sein , das ist klein . » Ich wäre also geneigt , die Furcht Ihres Bruders zu teilen , « sagte Allert und fragte hinterlistig : » Ist Ihnen denn noch nie etwas passiert ? « Sie sah ihn durch ihre glatten , uneingefaßten Kneifergläser prüfend an . Sie mochte ihn sehr gern leiden ; als er zum zweitenmal mit ihr tanzte , fiel es ihr schon freudig auf - und nun war sie bereits auf dem Wege , sich in ihn zu verlieben . Sie fand ihn auch so vertrauenswürdig und rückte ihm nun ein bißchen näher , wobei sie vergaß , ihre Eiscreme weiterzulöffeln . » Doch ! « erzählte sie flüsternd , » doch ! Schon zweimal . Wenigstens beinahe .... Aber Marieluis sagte , wir müßten nicht wie kleine alberne Mädchen alles unsern Müttern vorklagen , sondern lernen , mit allem selbst fertig zu werden , wenn es auch fatal sei . Einmal - ja , das war vorigen Winter - da sollten wir eine schlimme Frau , das heißt einen Mann hatte sie aber nicht - die sollten wir bewegen , daß sie ihre zwei Kinder in die Nachmittagsschule gäbe . Oh , die war gemein ! Was die uns alles sagte ! Nein , das kann ich Ihnen wirklich nicht wiedererzählen . Und gerade als Marieluis ihr zurief , sie solle sich schämen , da kam noch ein Kerl aus der Küche und - ja , ich behaupte steif und fest , er wollt ' uns prügeln - er hatte Marieluis schon am Rock erfaßt . Und wie gemein die Weibsperson dazu lachte . Aber Sie glauben es nicht , großartig war Marieluis , entriß ihm ihr Kleid - beinahe ruhevoll - und sah ihn an . Nein , was für ein Blick ! Und der Kerl war einen Moment baff . Da sagt ich : Komm ! und zog sie mit aus der Tür . Ja , es war schrecklich . Aber natürlich , riesig interessant war es auch . « Und ein Ausdruck ganz naiver , unbewußter Lüsternheit war auf ihrem pikanten Gesicht . » Und das andere Mal ? « fragte Allert scharf . » Sie dürfen aber niemand von diesen Sachen was wiedersagen . Versprechen Sie es ? « » Mein Wort ! « sagte er einfach und fest . » Das andere passierte vor ein paar Wochen . Da wollten zwei Betrunkene auf uns los - und der eine packte mich - oh , er war schon mit seinem Mund an meinem Hals - gräßlich roch er nach Schnaps - ich schrie wie wahnsinnig und gab ihm einen Schubs - daß er , glaub ' ich , hinfiel - ich lief und lief - o ja ... « » Und Ihre Freundin ? « fragte er seltsam kurz und trocken . » Wie es ihr ergangen ist , weiß ich eigentlich nicht . Gott , ja , es war treulos von mir , so auszureißen . Marieluis sagt , sie habe auch heil die Elektrische erwischt - aber irgend etwas muß sie da doch noch erlebt haben - sie war so anders nachher . - Aber sie sagt ja , das sind eben die Gefahren auf dem Felde der Berufsehre . Und meine Mutter meint , die Barmherzigen stehen in Gottes Hut . « Sein geduldiges Zuhören , das doch durchaus nur Anteilnahme für sie sein konnte , wurde ihr immer wichtiger . Sie stellte bei sich fest : Mit keiner Dame hat er sich so viel beschäftigt wie mit mir ! Sie setzte sofort auch bei ihm ein rasch aufwachsendes Interesse voraus , und mit der Fixigkeit , die manche junge Mädchen in der Entwicklung von Liebe und Hoffnun haben , war sie schon nicht mehr ganz unbefangen . » Wissen Sie , Herr von Hellbingsdorf , « fuhr sie fort , » das seh ' ich ja ein : man muß was tun . Bloß so Bälle und Sport - nein , das ist nicht mehr zeitgemäß . Ein nützlicher , vernünftiger Lebensinhalt muß sein . Und gerade wir , die nicht für Broterwerb zu arbeiten brauchen , müssen auf sozialem Gebiet Pflichten suchen . Tante Amster hat es uns großartig klargemacht . Aber wenn ich mal heirate , tret ' ich aus ' m Verein . Das steht bombenfest . Dann krieg ich ja andere Pflichten . Und wer weiß , vielleicht denkt mein Herr und Gebieter in spe so wie mein Bruder John und ist überhaupt dagegen . Wir sind darin total verschiedener Ansicht , Marieluis und ich . Und sie sagt , sie nimmt nur einen Mann , der in diesen Fragen eines Sinnes mit ihr ist . Sonst will sie ja gar nicht heiraten und sich der Hebung der Sittlichkeit und der Rettung vaterloser Kinder widmen . Wer hat recht : Marieluis oder ich ? « Dabei lächelte sie ihn an , die reizenden Grübchen erschienen , und hinter den Gläsern strahlten die Augen . Er umging die Antwort . Die Art , wie sie von künftiger Heirat sprach , gab ihm glücklicherweise die Gelegenheit zu einer ablenkenden Frage : » Sie sind verlobt , gnädiges Fräulein ? « Da wurde Dory Vierbrinck ganz rot und lachte etwas fieberisch . » Ach Gott , nein - keine Spur - wieso kommen Sie darauf ? - Ich will keinen von all diesen jungen Leuten , mit denen man irgendwie vervettert oder verschwägert ist - die kenn ' ich ja auswendig . « - - Sie brach ab . Sie fühlte plötzlich : das könne er vielleicht wie einen Wink auffassen . Nein , das wollte sie denn doch nicht . Das vertragen die Männer auch nicht - das wäre eine zu verkehrte Taktik . Aber » entzückend « war er - das stand fest - und man sah sich ja wieder - Papa mußte ihn auffordern , Besuch zu machen