einem besonderen Appetit auf das Leben zu machen . Lauter Widerwärtigkeiten . Nun , und dazu verlobte man sich doch , damit in solchen Zeiten jemand da sei , der in das Leben wieder etwas Hübsches und Reines bringe . Und gerade jetzt mußte sie ausbleiben . Nach Paduren fahren wollte er nicht , er hatte keine Lust , sich mit den Mißbilligungsaugen des alten Warthe ansehen zu lassen . So brütete er vor sich hin , bis es im Hause still wurde und die Uhr elf schlug . Da klingelte er und befahl Klaus , Ali , den Rapphengst , zu satteln . Klaus wunderte sich nicht , alle im Hause waren an die nächtlichen Fahrten und Ritte des Herrn gewöhnt . Als Egloff im Sattel saß , wurde ihm wohler , Ali begann munter zu tänzeln , Egloff streichelte den blanken Hals des Tieres . Der war noch ein Kamerad , der stets gut gelaunt bei allem dabei war . Manches Abenteuer hatten sie zusammen unternommen , ja , Ali war die einzige Gesellschaft , die ihm nie Verdruß bereitet hatte . » Nun vorwärts , mein Junge « , rief Egloff , und der Hengst setzte sich in Trab . Die Wiesen , an denen sie vorüberkamen , hauchten eine köstliche Kühle aus , voller Duft , auf der Weide standen Pferde , große dunkele Gestalten , die in den weißen Nebelstreifen zu waten schienen , die über dem feuchten Klee lagen . Ali begrüßte sie mit lautem Wiehern . In einem Birkenwäldchen schütteten die Zweige den Tau wie ein Duschebad auf sie nieder , irgendwo in den Erlen sang eine Nachtigall , rief wach und erregt ihre Töne in das schlafende Land hinein . Dann ging es an kleinen Dorfgärten vorüber , aus denen es ganz süß nach blühenden Bohnen herausduftete . Auf den Türschwellen der Katen saßen Burschen und spielten Harmonika , die hellen Nächte ließen sie nicht schlafen . Plötzlich hielt Ali still , es war vor dem Kruge , Egloff lachte . » Alter Verführer , « sagte er , » gut , gut , feiern wir Erinnerungen . « Und er stieg ab . Die schwarze Lene trat aus der Tür , sie lachte Egloff mit ihrem breiten Lachen an . » Herr Baron sind wieder unterwegs « , meinte sie . » Ja , Lene , « erwiderte Egloff , » nimm Ali , er will wieder bei dir bleiben . Wer kann in diesen Nächten schlafen , dir läßt das Blut wohl auch keine Ruh ? « Lene hob die Arme empor und streckte sich . » Kurios ist ' s in so einer Nacht « , meinte sie , dann griff sie nach dem Zügel des Pferdes , um es in den Schuppen zu führen . Egloff ging langsam die Landstraße hinab , Barnewitz zu . Er wollte am Gartengitter sehen , ob Lydia wirklich auf der Bank sitzt und wartet , und dann , es war gleich , nach Hause konnte er nicht und etwas mußte in einer solchen Nacht unternommen werden . Die kleine , hintere Pforte des Parkgitters fand er wie voriges Jahr offen . Er trat ein und ging die gewohnten Wege entlang . Da war der kleine Springbrunnen mit seinem dünnen Strahle im Sandsteinbecken , die geschorenen Buchsbaumhecken mit ihrem starken , bitteren Geruch , immer , wenn er den Geruch von Buchsbaum spürte , mußte er an Lydia denken . Er bog in die große Allee ein , und wirklich , auf der Bank unter dem Fliederbusche saß sie . Als er vor sie hintrat , sprang sie auf , hing sich an seinen Hals , umschlang ihn , wie Kinder zu umschlingen pflegen , mit dem ganzen Arm , hing an ihm leicht und zitternd . » Da bist du ja , « flüsterte sie mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung , » schon vom Tore ab hörte ich dich kommen , schon als wir herauskamen , wußte ich , daß du kommen würdest . Ich sagte zu Amalie : Heute geschieht etwas , der ganze Garten fiebert . « Egloff hielt die kleine Gestalt so an sich emporgehoben und trug sie zu der Bank , über die der Flieder seine Blüten niederneigte , wie eine weiße , duftige Gardine . Der Garten war so still , daß man deutlich das Plätschern des kleinen Springbrunnens hörte , wie eine flüsternde , eifrig erzählende Stimme . » Was auch geschieht , « sagte Lydia , als Egloff von ihr Abschied nahm , » ich sitze hier und warte . « Egloff ging denselben Weg zurück , den er gekommen war , er ging langsam und bemühte sich , dieses traumhafte Fühlen , das ihn die Zeit über beherrscht hatte , festzuhalten . » Nur nicht ganz wach werden , « sagte er sich , » nur das nicht . « Als er in den von Buchsbaum eingehegten Weg einbog , kam mit schnellen Schritten Dachhausen ihm entgegen . Die beiden Männer standen sich in der Dämmerung einen Augenblick schweigend gegenüber . Egloff überlegte , daß er etwas sagen müsse , als er hörte , wie Dachhausen ihm deutlich und zischend » Schuft ! « zurief . Dann gingen sie aneinander vorüber . Dachhausen lauschte auf die Schritte , die sich entfernten , bis er wußte , daß sie am Tore angelangt waren . Sein erstes Gefühl war das einer großen Befreiung , jetzt hatte er Klarheit , Klarheit nach allem qualvollen Zweifeln , Wachen und Spionieren . Jetzt hatte das Gespenst Fleisch und Blut angenommen , jetzt hatte er einen , an den er sich halten konnte . Fast angenehm war es , wie der Zorn ihm heiß ins Blut fuhr , es war , als mache es ihn größer und breiter . Er richtete sich gerade auf , und seine Schritte wurden hart und fest . Eilig ging er die Allee hinunter , und als er Lydia auf der Bank sitzen sah