. Warum hast du diese einfache Sache nicht so geordnet , Ruppert , wie ich es wünschte ? Ich habe dir doch deutlich gesagt , wie es gehalten werden sollte ? « Der Amtmann stotterte : » Aber gnädigster Herr - « » Schweig ! « Der Propst winkte . » Erst soll der andre reden . Wie war ' s ? « Marimpfel beschönigte nichts . Das hatte er nicht nötig . Wie der Älteste der Ramsauer , so blieb auch er als gewissenhafter Mensch und verläßlicher Hofmann streng bei der Wahrheit , die er gesehen hatte und beschwören konnte . Und doch bekam die Begebenheit des Tages nun schon ein drittes Gesicht . Die Pfändung war nach Marimpfels Meinung laut Befehl in strengster Ordnung vollzogen worden . Der Käser geriet in Brand , weil die dürren Schindeln auf den Herd fielen , auf dem noch die siegelwidrigen Kohlen glühten . Ein Hirte , der sich unbotmäßig aufspielte , bekam die verdiente Dachtel . » Ich brauch auch nit verschweigen , Herr , daß ich mit der sauberen Hirtin ein lützel scherzen hätt mögen . Das ist doch Hofmanns recht . Nit , Herr ? « Auf diese Zwischenfrage gab Fürst Peter weder ein Ja noch ein Nein zur Antwort . Bei heiterem Scherzen mit der Hirtin mußte Marimpfel so eine breshafte Krot , die ihm grob an den Hals gesprungen , von sich abbeuteln . » Der Lausbub hat gleich das Messer gezogen , und ich hab mich wehren müssen meines Leibs . « Und in der Ramsau hielt der Runotter , hinter ihm an die zweihundert Leute , meuterisch die rechtlichen Pfänder auf . » Der Runotter ? « fragte der Propst erstaunt . » Der , Herr , ja ! Arg weit hat er den Brotladen aufgerissen . « Weil Fürst Peter den Kopf schüttelte , erschien es dem Amtmann als Pflicht , von der Sehnsucht des Runotter nach einem Trunk aus dem eidgenössischen Freiheitskrug zu sprechen . Doch barmherzig verschwieg er dabei des Richtmanns freigeistiges Wort vom Menschen , der sein muß wie er ist . Und Marimpfel erzählte : » Ist auf mich los und hat mir den Gaul scheu gemacht mit seinem Stecken , daß ich ihn fortschieben hab müssen . Und da haben die Leut ein Schreien angehoben und haben mich einen Lumpenkerl geheißen . Noch allweil hab ich Ruh gehalten . Erst wie der Richtmann auf den Herren geschumpfen hat , da hab ich pflichtmäßig einen Griff nach dem Eisen getan . Hab ' s aber nit gezogen , weil ich doch weiß : Der Herr ist lieber gütig als streng . Aber da verschimpft der Richtmann die Pfändung als ein Unrecht , bietet mir , ich soll die Küh vom Strick tun , und der Albmeister weiset mir einen papierenen Wisch - « » Ruppert ? « fragte Herr Pienzenauer . » Das kann nur der Ochsenbrief gewesen sein ! « beteuerte der Amtmann . » Ein ander Siegelrecht ist in matricula sigillorum nicht registriert . Kann sein , die Bauren haben den Hofmann verdutzen wollen . « » Ja , Herr « , nickte Marimpfel , » so ist mir ' s fürgekommen . Und da hab ich - « In aller Aufrichtigkeit wiederholte er jene symbolische Geste . » Ist schon wahr , ich bin ein lützel zornig gewesen . Auf meinen Fürsten kann ich nit schimpfen hören . Also , ich sag noch : Mir ist Recht , was mein Herr gebietet . Und jählings springt mir der Albmeister an den Bauch . Ich wehr mich mit dem Ellbogen . Der Fußknecht , der jetzt im Hof liegt und nimmer reden kann , will mir helfen und fahrt mit dem Spießholz dazwischen . Da droht der Albmeister mit dem deutschen König . Und weil er geblutet hat , ist dem alten Manndl letzt worden . Und da schreien die Ramsauer Mordio . Und her über uns mit Zaunhölzern und Messern . Und der Richtmann schreit nach einem . Und der springt aus des Albmeisters Haus , mit dem blanken Eisen - « Marimpfel verstummte . » Nun ? « » Mein gütiger Herr Fürst soll mir verstatten , daß ich um Bluts willen den Namen verschwieg . Ich hab ' s nit mögen zu einem schiechen Handel kommen lassen . Und hab Befehl gegeben : Hofleut ! Durch ! Und die Ramsauer hinter uns her , mit Fluchworten und Unflat , mit Holztremmeln und Steinbrocken . Einen Fußknecht und einen Buben haben sie uns totgeschmissen . Jeder von uns hat einen blutigen Wisch abgekriegt . « Marimpfel zeigte die verbundene Faust . » Und derweil wir uns gewehrt haben unsres Leibs und Lebens , sind die Küh zum Teufel . Ein paar aus dem Meuterhaufen sind liegenblieben . Ist schon wahr , Herr , wie die angestochenen Keiler haben wir uns stellen müssen . Aber sechse gegen dritthalb Hundert ! Die Ramsauer hätten uns all erschlagen , wär nit durch Gottes gütige Fürsicht der Reichenhaller mit seinen Reitern des Wegs gekommen . « » Wer ? « fragte der Fürst erstaunt . » Der Propst vom heiligen Zeno . Vor seiner Trumpeten sind die Ramsauer durch . Und Herr Otmar hat uns christlich gesegnet und hat uns in Gütigkeit viel Stärkung und Verbandzeug bieten lassen aus seinem Karren . « » Oh ? « Herr Pienzenauer erhob sich . Bei aller Erregung , die man ihm ansehen konnte , lächelte er seltsam . » Die armen Chorherren von Hall ? Und schenken so reich ? Da wird man ein höfliches Dankschreiben verfassen müssen . « Er blieb vor Marimpfel stehen . » Hast du die Wahrheit gesprochen ? « Der Spießknecht streckte sich . » Bei meinem Eid und Leben , Herr ! « Fürst Peter nickte . » Man wird deinen Sold erhöhen . Jetzt geh und laß dich pflegen ! - Vogt ! Man soll die Chorherren zum Kapitel rufen . Gleich ! « Als