Muatta kemma ! « Da hielt der Alte lächelnd inne , wandte sich gegen das Haus und meinte : » Ei , tausad , tausad ! Is leicht gar epps Wunderlichs fürkemma bei der Muatta ? « Indem trat die Müllerin aus der Tür und rief : » Grüaß di , Thomas ! A Votiv brauch i auf Birkastoa ! Zwee Buam ham ma ! - Und so guat ganga ! - Ganz ohne Kindlweib ! - Wie der Müller kemman ist mit der Wunsiedlin , bin i scho firti gwen ! - Na , Gott sei Dank und insana liabn Frau ! « Bestellte also ein Täflein , gab dem Vater zwei Gulden dafür und bat ihn , daß er ' s gleich in den nächsten Tagen machte und ihrem Knecht , wann er hinabkäm , mitgäb . Darnach wünschte sie uns noch eine gute Weil und Gottes Hut und ging hinein , indes wir uns wieder auf den Weg machten . Gingen also weiter , vorbei an der Bäckeralp , und gelangten zu einem einsamen Wirtshaus bei Ursprung . Da kehrten wir ein , aßen ein wenigs von unserm Speck , und der alte Vater ließ ein Krüglein roten Wein auftragen , nannte ihn Tiroler und tat , als hätt er süßen Met , dieweil er mir doch schier wie eine Essigbrüh fürkam ; doch wollt ich nicht als ein Schleckermaul gelten und nahm herzhaft etliche Schluck von diesem Schindertrank . Indem kam die Frau Wirtin und setzte sich zum alten Thomas , fragte dies und erzählte das und kam zum End auf ihre beiden Töchter zu reden . » Ach , daß ihnen Gott gnad ! « jammerte sie ; » hast s ' ja leicht gut kennt , alle zwo ! - Habs bei die heilinga Frauen ghabt , z ' Chiemsee . - Ja . - Und hat die erst schon d ' Profeß gmacht , und die ander ist im Noviz gstanden . - Ach , daß ' s Gott erbarm ! Alle zwo hab i s ' da ! - Ach , über den Frevel ! Alle Klöster zuaspirrn , die heilinga Leut vertreibn und das schöne Klostergeld einschiabn ! - Thomas , mi deucht , es is nimmer weit zum Antichrist ! « So klagte die gut Seel ; der Thomas aber schüttelte den Kopf und meinte : » Glaubs nit ! Es glangt no nit ! D ' Welt muß no viel schlechter wern ! « » Ja , was nit gar ! « schrie die Wirtin auf . » No schlechter ! - Gibts leicht no epps Schlechters als wie dös , wann der Küni und der Kaiser schö stad zuaschaugt und sei Pfeiferl raucht , unterdem daß die andern alle Klöster zuaspirrn , d ' Kirchen zuaspirrn , d ' Meßgwander stehln und die allerheiligsten Sachen , und nit amal insan liabn Herrn selm verschonen ! - Is das nit schlecht , wann so a arms Trutscherl , wo nixn kennt hat als wie ihra Klosterzelln , ihrn Herrgott und ihrn Rosenkranz , wann die jetzt aufamal in dera sündhaften Welt heraußt umanandapudln muaß , die heilig Unschuld verliern und eppan gar no Kinder kriegn ! Wann das nit traurig gnua is , und net schlecht gnua is , Thomas , na woaß i nimmer ! « Sie hatte einen brennroten Kopf aufgesetzt , die Wirtin , und stand wild vor dem Vater , der nachdenklich trank , sich ein Pfeiflein stopfte und dazu bedächtig die Achseln schutzte . Da ging die Tür auf , und herein traten zwei liebliche Jungfern in schwarzen Wollgewändern ; die eine mocht ein paar Jährlein älter sein als die ander , die ich auf etwan zwanzig schätzte . Die Ältere hatte ein gar schmals , weißes Gsichtlein , große Augen , die ängstlich und versprengt von einem zum andern sahen ; um die kurzgeschnittenen Haar trug sie ein feins Netz , das über der Stirn mit einer samtnen Schleife geziert war . Die Jüngere aber , ein rotbackigs Maidlein mit lustigen Augen und lachendem Wesen , hatte den Kopf ganz voll dunkler Ringellocken ; sie lief sogleich an den Tisch , begrüßte uns freundlich , indes die ander sich schweigend in eine Ecke setzte , und sagte : » Grüaß enk Good beinand ! -Seids aa scho so weit herobn heut ! - Wo gehts denn zu , wenn d ' Frag verlaubt is ? « » Auf Kufstoa « , erwiderte der Thomas lächelnd , und auch ich brachte ein halblauts Grüaß di Good heraus . Das Maidl gefiel mir so wohl , daß ich in alle Ewigkeit hätt so sitzen mögen und sie anschauen , indes die Wirtin und sie mit dem Vater schwatzten , über den Handel , über die Märkt , über die Leut und über die Zeit . Frisch gab die Jungfer auf alles Bescheid ; und da der alte Thomas sie unversehens fragte , ob sie denn nicht Weillang hätt nach dem Kloster , da lachte sie gar hell und rief : » Naa , Vaterl , gwiß nitta ! - Dunkt mi viel schöner dahoamt bei der Muatta jetzand ; viel schöner wie ehvor ! « Und sie tat so lieblich mit der Wirtin , daß diese ganz stolz sagte : » Ja , mei Rosl hat mi alleweil scho mögn ! - Die halt ' t zu ihrana Muatta , da feit si nixn ! « Dann warf sie einen finstern Blick ins Eck , wo die andere Tochter still in einem Buche las , und fuhr fort : » Die hat si aa glei wieder eingwöhnt dahoamt , mei Rosl ; die hilft mir in allem und hängt nit so brüatat umanand , wie dö legate Henn da hinten , d ' Resl ! - Alls zu seiner Zeit ! - ' s Betn und ' s Faulenzn is ganz schön - im Kloster - ; aber da heraußt in der Welt , da