sprach , schien es ihm doch ein andres Lachen und Sprechen zu sein , als am Deich und in der Dönß . Und die Augen sahen auch ganz anders aus . Finkenwärder war aus Sicht gekommen und scheinbar auch schon aus dem Sinn , denn als Hein Mück einmal spöttisch fragte : » Hest ok all Heimweh ? « , da guckte Störtebeker ihn verwundert an , als wenn er ihn gar nicht verstanden hätte . Auch als sein Vater einmal meinte : » Muchst ok all wedder no Hus hin , no Mudder ? « - da schüttelte er nur den Kopf wie im Traum und blickte nach den Segeln hinauf . » Jä , ans müßt seggen , denn geeft wi di an een Jill af , denn büst morgen wedder annen Diek ! « setzte Klaus Mewes lauernd hinzu . Da fragte der Junge nach dem Feuerturm im Süden , um damit anzudeuten , daß er von solchem Schnack nichts wissen wollte . Bis vor den Pagensand kamen sie mit dem Ebbstrom : dort aber wogte und schäumte ihnen die Flut unwiderstehlich entgegen und zwang sie , zu Anker zu gehen . Das war in der Dämmerung . Sie ließen die Segel fallen , steckten das Staglicht an und aßen Abendbrot in der Kajüte . Als sie nachher noch mal überguckten , Störtebeker und sein Vater , sahen sie , daß sich viele Ewer zu ihnen gesellt hatten : eine Schar von ebberwartender Fahrzeugen lag bei ihnen hinter den niedrigen Büschen des ungedeichten Eilandes , und die Lichter liefen auf dem Wasser spielend durcheinander . Der Heben war von übereinandergetürmten Wolken umlagert wie von Alpen , und der kalte Nachtwind strich tauend um die Wanten . Dann kletterten die beiden Mewes in eine Koje und ließen sich von den gluckenden und klopfenden Seen so lange etwas erzählen , bis sie es nicht mehr hören konnten . » Büst ok all bang , Störtebeker ? « fragte Klaus Mewes , schon halb im Traum , aber der Junge antwortete nicht mehr : er schlief schon . Bald wachte nur noch die niedrig geschrobene Lampe in der Kajüte . * * * Mitternacht war vorüber , als der Wecker surrend ablief . Da rief Klaus Mewes : » Seilen ! « und schwang sich aus der Koje , um die Seestiefel anzuziehen . Knecht und Junge entstiegen den seitlichen Kojen und suchten mit kleinen Augen nach ihren Sachen . Störtebeker sollte liegen bleiben wie Seemann , der sich auf der Bank nur umgedreht hatte , aber er stand doch mit auf und half beim Anstecken der Seitenlaternen , er zog die Fock mit auf und drückte beim Hieven des Draggens mit auf die Spaken , denn es war kalt und ihn fror wie einen Schneiderlehrling . Das Großsegel stieg auf , die Besan folgte , dann der große Klüver . Auch auf den andern Fahrzeugen regte es sich , überall erglommen die bunten Lichter , erscholl der Lärm der Winschen ; das Rufen der Fahrensleute wehte mit dem Winde herüber , die Gaffeln knarrten , und die Schoten hauten . Der Wind war südlich gelaufen , so daß sie dalsegeln konnten , schier dolseilen , und nicht mehr zu kreuzen brauchten . Die Segel fielen voll , und der Ewer , ein großer , schwarzer Walfisch in der Nacht , schwamm nach dem Fahrwasser zurück . Kap Horn ging ans Ruder und übernahm die Wache . Er hatte sich ein dickes , wollenes Tuch um den Hals gebunden und sah aus , als wenn er es im Halse hätte . Störtebeker guckte eine Zeitlang auf den hellbeleuchteten Kompaß und fragte , ob er auch in der Nacht richtig hielte , er ermahnte den alten Knecht , keine Havarei zu machen , und ging mit seinem Vater wieder zur Koje . Er zog aber die Decke bis an die Nase und schmiegte sich dicht an ihn , denn er zitterte vor Kälte . Als er am andern Morgen mit seiner Kaffeemuck und seinem Knöbel Roggenbrot aus der Kapp kam , um seinen Vater auszuschelten , daß er aufgestanden war , ohne ihn zu rufen , und um zu sehen , wie weit sie schon gekommen wären : da schäumte der Ewer mächtig durch bewegtes , graugrünes , schmutziges Wasser und lief , was er konnte . » Vadder , neem sünd wi all ? « » To Freeborg , Störtebeker « , rief Klaus Mewes und wies ihm den Turm von Freiburg an der Elbe . » Neem is de See denn ? « » Dor achter ! Wi kommt dor vundog noch hin ! Sultwoter hebbt wi all fot ! « » Ne , dat gläuf ik ne « , rief Störtebeker , aber Hein Mück sprang wie ein Luchs auf , schalt ihn einen Dummbart , schlug eine Pütze voll Wasser auf und hieß ihn kosten . Störtebeker steckte den Finger hinein : das Wasser war wirklich salzig und bitter . Er schmeckte noch einmal , aber der Geschmack änderte sich nicht . Wie das angehen könne , rief er kopfschüttelnd aus , das könne er nicht begreifen ! Daß Fische darin leben könnten , wollte ihm noch weniger in den Kopf . Nun wurde die Fahrt noch geheimnisvoller für ihn . Der Wind wurde nach und nach so stark , daß Klüver und Toppsegel weggenommen werden mußten . Der Ewer lag sehr schief , die Segel standen bukt voll Wind , und die groben Seen spritzten schon einmal über Deck , wenn der Ewer tauchte . Am Heben standen » Ziegenhaare « , zerzauste Wolkenbüschel , die auf stürmische Witterung deuteten . Solche Fahrt war Klür für den Ewer und erst recht für Klaus Mewes , der vergnügt steuerte und sang ! Ein Vers aus der Dänenzeit war es , den er beim Wickel hatte , vererbt vom Großvater her : » Kridderwidderwitt , den dänschen Keunig , kridderwidderwitt , den deen ik ne ! Den sien