ins Bläuliche spielende Röte des Zechers zeigte , weißen Bartkoteletten , schwer und stapfend im Tritt , mit einer Atmosphäre um sich , die an einen leichten Dampf und an den Geruch von Juchten erinnerte . Überzeugt , daß sie seinen Antrag als unverhofft glückliche Wendung ihres Gouvernantendaseins betrachte , hatte er ihre Antwort kaum abgewartet und sie gleich bei seiner Werbung kräftig an sich gezogen . Während der folgenden Monate , in denen die junge Frau Stabsarzt ihr Kind erwartete , glaubte auch sie an das unverhoffte Glück . Zwar entsprach der massige , ältliche Herr nicht ganz den Träumen , die ihr in ihrer Mädchenzeit das Bild des künftigen Gatten umwoben hatten . Daß er um 35 Jahre älter war , als sie , beängstigte sie ein wenig . Aber sie war schon bange gewesen , ihr Frauenschicksal zu versäumen ... Mit all ihrer Begier nach dem » Wunderbaren « erwartete sie nun das Kind . Es kam , - und kam zu früh und starb , nachdem es wenige Tage in künstlicher Wärme vom rauhen Leben abgesperrt gehalten wurde , an den Folgen eines Luftzuges . Eine zweite Schwangerschaft endete mit einer Fehlgeburt , eine dritte brachte ein dürftiges Geschöpfchen , das drei Jahre seine Mutter in Atem hielt , bis es seinen Geschwistern folgte . Dann kam noch ein viertes Kind , ein kleines Mädchen . Es wurde mit Widerwillen empfangen und ausgetragen und in Erbitterung geboren . Aber es fristete sich am Busen einer kernigen Amme weiter und blieb am Leben , ohne daß seine Mutter sich wesentlich um seine Existenz mühte . Indessen begehrte der Fünfundsechzigjährige noch immer Zutritt zur Tür seiner Frau . Aber während sie sich seiner greisen Begier überließ , arbeitete die mißhandelte , schwer vergewaltigte Phantasie mit krankhafter Hartnäckigkeit ein Bild aus , daß der maßlos gereizte Glückshunger gewalttätig ins tatsächliche Schicksal seiner Trägerin projizierte . Zug für Zug erweiterte sie dieses Tableau , schweifte dabei umher , glücksbegierig , lebenshungrig - und suchte das Modell für die Hauptgestalt . Einen jungen Arzt , der auf der Fläche ihres Lebens irgendwo auftauchte , erwählte sie sich endlich . Sie stellte ihn an den großen , freien Platz in ihrem Bild - und sich selbst , in entsprechender Pose , daneben . Ganz im Bann ihrer Manie , begann sie jetzt die Aktion . Aus der Welt des Wahnes ging es nun heraus in die der harten Tatsachen , - zum gewaltsamsten Zusammenstoß mit der Wirklichkeit . Er begann damit , daß sie plötzlich jeden Zusammenhang mit der Familie unerträglich fand . Sie sperrte sich stundenlang ein , ließ sich ihr Essen auf ihr Zimmer bringen . Die bloße Nähe ihres Mannes verursachte ihr physische Störungen , - sie konnte , wie sie sich ausdrückte , das Essen , das sie in seiner Gegenwart einnahm , nicht mehr verdauen . Eines Tages war sie entschlossen . Unter Mitnahme ihrer geringen Ersparnisse verließ sie das Haus . Dann trat sie vor den unfreiwilligen Helden ihrer Träume und sagte ihm unverzagt : » Ich liiiebe Sie ! « Daß der Erwählte sich gegen jede Beziehung zu ihr verwahrte , störte nicht den Ablauf ihres Wahns . Frohlockend erzählte sie Olga , an die sie sich mit derselben Energie anschloß , mit der sie ihre Liebe gegen alle Bedenken verteidigte , - wie » seine « Boten und Späher jeden ihrer Schritte bewachten . Der Geliebte sorge auch dafür , daß sie ihn nicht vergesse . - Wie er denn das mache ? fragte Olga . Nun , - sie wurde ernst und geheimnisvoll - heute sei ihr ein Mann gefolgt , der ihm entschieden ähnlich sah . - Was sie denn damit sagen wolle ? - Nun , das sei doch klar zu durchblicken . Er sei reich , für Geld sei alles zu haben , und so habe er Sorge getragen , einen Detektiv ausfindig zu machen , der ihm ähnlich sei , - damit sie sich seiner erinnere , wenn sie jenem begegnete .... Ein andermal zeigte sie einen Brief vor , den sie an den Geliebten geschrieben und der mit dem Vermerk » Retour , nicht angenommen « an sie zurückgelangte . » Sehen Sie , « sagte sie leuchtenden Auges , - » das hat er selbst geschrieben , - damit ich seine Handschrift sehen soll ... « Und diese Frau war nicht wahnsinnig , wie Olga zuerst glaubte ; ihr Geist war - bis auf dises eine , geheimnisvolle Gespinst , das ihr verfehltes , schwer lädiertes Frauenschicksal in ihrem Hirn erzeugt hatte , - nicht umnachtet , ihr Orientierungsvermögen nicht gestört . Wunderbar aber war , was aus dem erschütterten Boden dieser Seele , aus der undämmbaren Lava ihres Wahnes , die sich aus den Tiefen undurchdringlich und schwarz über sie gebreitet hatte , - an Tatkraft erwuchs . Gerade jenes Kampfes , in dem sie sich als Heldin bewährte , schien sich Erika am wenigsten bewußt . Es war ihr Kampf um Brot , von dem sie Olga zwar mit der gewohnten , freundlichen Bereitwilligkeit auf ihr Befragen berichtete , den sie selbst aber nur als nebensächlich , - als eine kleine Schwierigkeit , die eben zu bewältigen war , - betrachtete . An jenem Nachmittag , zu dem sie sich angesagt hatte , - an dem sie vor ihrem letzten Scheidungstermin kam , beide Arme mit Blumen für Olga beladen , die die Freude über ihre » Freiheit « ausdrücken sollten , - berichtete sie , in bester Laune , und in einer Darstellung , die die scharfe Beobachtung nicht verkennen ließ , von den » kleinen Plackereien « , mit denen sie zu schaffen hatte , seit sie dem Gehege der versorgten Ehefrau , vollkommen ungerüstet , entsprungen war . Ganz unvermittelt begann sie , nachdem sie sich an einer Tasse Tee gelabt hatte , von der Anomalie ihrer linken Gesichtshälfte zu sprechen . » So wurden die Hexen dargestellt , « bemerkte sie