Durch das geöffnete Fenster hörte man das Klappern von Löffeln , die Familie Wardein saß dort schweigend bei ihrem Mittagsmahl . Auch aus den Schornsteinen der anderen kleinen Katen stieg der Rauch und auch dort wurde geschwiegen . Diese Häuschen standen ja meist schwarz und still da , höchstens daß sich einmal bei Steeges eine gellende Frauenstimme vernehmen ließ , wenn Steege betrunken nach Hause kam , oder daß oben beim Strandwächter Lärm entstand , wenn der Strandwächter seine Frau schlug . » Die schlagen sich « , hätte der Geheimrat gesagt , » weil sie ineinander verliebt sind . « Nun , dachte Doralice , das mochte ja eine bequeme Art sein , eine Aussprache herbeizuführen , allein Hans und sie verstanden das nicht . Doralice schaute auf das Meer hinaus , um Hansens Boot zu entdecken . Sie liebte das Meer nicht mit seinem stetigen , schläfrigen Glitzern . Immer war es da , von überall her sah man es , überall hörte man es , ein jeder sprach von ihm ; die einsilbigen Fischer , wenn sie sprachen , sprachen sie vom Meere , der einsilbige Hans , wenn er sprach , sprach er vom Meere . Für sie aber schien es eine unendliche , erdrückende Einsamkeit auszuatmen . Und unten am Strande ging noch immer in seinem grauen Paletot mit seinem grauen Hut der Geheimrat Knospelius auf und ab wie das kleine Gespenst der Einsamkeit . Das alles war freudlos , schläfrig und alltäglich und dennoch , wenn Hans jetzt nach Hause käme , konnte es ja geschehen , konnte es plötzlich alles anders werden und das legte für Doralice in alle Schläfrigkeit und Alltäglichkeit etwas wie das geheime Fieber einer Erwartung . Zum Mittagessen kehrte Hans nach Hause zurück . Bei Tische sprach er wieder vom Meere , sprach von Zibbe Waldhüter , der von einem Wilddiebe einen Schrotschuß in das Bein bekommen hatte , und vom Bilde der Mutter Wardein , das zu einer Ausstellung geschickt werden sollte . Sobald er mit dem Essen fertig war , stand er auf , er behauptete , viel zu tun zu haben , die Bilderkiste mußte zugenagelt werden und dann wollte er mit einer Anweisung zur Post gehen . » Hast du Bilder verkauft ? « fragte Doralice . Ja , er hatte Bilder verkauft , das Geschäft ging gut . In der Tür wandte er sich noch einmal um und fügte hinzu : » Wenn du etwas nötig hast , brauchst du es nur zu sagen , ich komme schon dafür auf . « Damit ging er . Er kam dafür auf . Immer gerecht und billig , allein Doralice fand , daß mit dieser Gerechtigkeit und Billigkeit sie noch sehr weit vom großen Gespräche entfernt war , welches sie so sehnsüchtig erwartete . Jetzt hallte das Haus von lauten Hammerschlägen wider . Hans schien den Hammer mit rechter Begeisterung zu führen . Doralice glaubte aus diesen Schlägen etwas wie Zorn und Leidenschaft herauszuhören , sie sprachen mit ihr , sie machten ihr Vorwürfe , sie schienen ihr zu verraten , was in Hansens Seele vorging , und sie war enttäuscht , als es plötzlich stille wurde und Hans fort war . Sie nahm den englischen Roman und eine Zigarette und beschloß zu ruhen , wirklich zu ruhen , wie sie es einst im Schlosse konnte , wenn die Zimmerflucht still wurde , die Düfte des Gartens heiß und süß durchs Fenster hereinströmten und sie sich in dem großen Voltairesessel zusammenkauerte und gedankenlos und wunschlos dort verharrte . Glücklich war sie damals nicht gewesen , aber zu Hause . Warum kam dieses Gefühl nie mehr über sie ? Vielleicht wenn alles klar zwischen ihr und Hans sein wird , wenn Hans gesprochen haben wird , vielleicht wird sie dann wieder zu Hause sein . Ungeduldig warf sie das Buch und die Zigarette fort und lief zum Meere hinab . Sie konnte Hans ja entgegengehen und im Gehen arbeiteten ihre Gedanken wieder an der großen Szene der Rechtfertigung , der Demütigung und der Versöhnung ; ohne daß sie es wußte , sprach sie laut , redete die Wellen an , welche weiß und zischend den Strand hinaufliefen bis zu Doralicens Füßen : » Ich dachte , du wirst mir tragen helfen an der Verantwortung , aber du wolltest immer nur gerecht und abgeklärt sein . Ich war allein in meiner Not , und dann diese Freiheit , das mit der Freiheit klingt so schrecklich nach Alleinsein . « Im Sprechen war sie an die Stelle gelangt , wo die Düne in scharfer Spitze nah an das Meer heranrückt , hinter ihr führte der Weg zum Dorf hinauf und dort , vom Dünenvorsprung verdeckt , hörte Doralice eine Männerstimme , die laut und eifrig etwas sprach . Es war Hansens Stimme . Doralice blieb stehen und lauschte , da bog er schon um die Ecke . » Oh , du bist es « , sagte Hans . Doralice errötete : » Ja , ich wollte dir entgegengehen « , erwiderte sie , » mit wem sprachst du eben ? « Hans zuckte die Achseln : » Mit niemand ; ich rezitierte nur so für mich den Homer . « Das war natürlich gelogen , dachte Doralice , sie glaubte wohl zu wissen , was und zu wem er da gesprochen hatte . » Machen wir noch einen Spaziergang ? « fragte sie . Sie bogen um die Dünenspitze die Dorfstraße hinauf , gingen an den Kartoffelfeldern und Stoppelfeldern entlang und gelangten endlich auf die geraden Wege der Föhrenschonung . Hans sprach wieder von Farben und von Licht , behauptete , daß die jungen Föhren in den rötlichen Sonnenstrahlen violett würden . Das alles war Doralice unendlich gleichgültig , sie wünschte einen Gesprächsstoff , in dem sie vorkam , sie und Hans . Der beste Ausweg waren dann in letzter Zeit gemeinsame Reiseerinnerungen gewesen . » Erinnerst du dich « , fragte sie , » der Engländerin in den