Stimme meiner Frau : » Auch ich schlafe nicht ! - Darf ich einen Vorschlag machen ? « » Welchen ? « fragte ich . Sie öffnete die Leinwandspalte , an der sie gestanden hatte , noch weiter , trat ganz hervor und antwortete : » Wollen aufbrechen ! Fort ! Hinunter nach dem See ! Wir schlafen doch nicht wieder ein ! Das sind die Folgen so alter Geschichten ! « Da sprang Pappermann auf und stimmte bei : » Well ! Aufbrechen ! Fort ! Dann kommen wir genau zum Sonnenaufgang an , wie damals ich ! Seid Ihr es zufrieden ? « Ich stimmte bei , und der » junge Adler « natürlich auch . Das Zelt wurde abgebrochen . Dann ritten wir den breiten , bequemen Terrainabfall nach der Hochebene des Sees hinunter . Der Morgen begann leise zu grauen . Wir hatten grad genug Dämmerlicht für die Augen unserer Pferde , daß sie sahen , wohin sie traten . Dann wurde es heller und heller . War es wirklich nur die Folge der Erzählung Pappermanns , daß wir nicht hatten schlafen können ? Oder gab es irgend eine Bestimmung , die uns veranlaßt hatte , um so viel früher aufzubrechen , als erst in unserer Absicht gelegen hatte ? Sonderbar ! Wir ritten still neben einander her . Wir erreichten die Ebene , auf der wir schneller vorwärts kamen . Der Morgen nahte . Es wurde Tag . Und grad als die Sonne aufging , erreichten wir den äußern Rand des grünen Laub- und Blätterwaldes , der den See von allen Seiten umsäumte . Eine schmale , wiesenartige Lichtung führte in diesen Wald hinein . Sie wurde immer schmaler und bildete schließlich einen Weg von nur fünf oder sechs Meter Breite . » Das ist derselbe Weg , den ich damals kam , « sagte Pappermann . » Nur ist der Wald jetzt höher und dichter geworden . Hier fand ich die Spuren . Und nur eine kurze Strecke weiter sehen wir das Wasser des Sees . « Er ritt diese Strecke voran . Dann wendete er sich nach uns um , deutete aber vorwärts und sagte : » Da sind die letzten Büsche . Und nun kommt der See und der hohe Stein , auf dem Aschta damals saß - - - mein Himmel ! « Er war um die erwähnten letzten Büsche gebogen , ritt aber nicht weiter , sondern blieb halten , stieß diesen Ausruf der Ueberraschung , des Erstaunens aus und starrte nach einem Punkte , der uns noch hinter dem Gesträuch verborgen war . Wir ritten schnell hin . Da sahen wir nun freilich , daß er sehr wohl Veranlassung hatte , zu erstaunen . Ja , unser Erstaunen war ebenso groß wie das seinige . Wir hatten den See erreicht . Wir befanden uns an seinem östlichen Rande . Ja , er war es wert , mit dem gleichnamigen Kanubisee in Massachusetts verglichen zu werden . Doch hatten wir jetzt nicht Zeit , uns mit seiner Schönheit zu beschäftigen . Rechts von uns lagen die Ueberreste der einstigen Senecahäuser , von dem ersten Gruße der Sonne überflutet . Vor uns die vom leisen Morgenhauche bewegte , durchsichtig grünblaue Wasserfläche , deren reich eingebuchtete Ufer sich wie Kulissen aus- und ineinander schoben , von üppigem Grün bewachsen , dessen Blätter wie eingetaucht in flüssiges Metall erschienen . Und links von uns , wo die Büsche bis ganz nahe an das Ufer traten , der hohe , weiße , glattgewaschene Stein , und auf ihm stehend - - - eine junge Indianerin , genau , ganz genau so , wie Pappermann sie uns gestern am Abend beschrieben hatte : Sie war in weiche , weißgegerbte Tierhaut , mit roten Fransen verziert , gekleidet , und ihr langes , dunkles Haar hing , mit Blumen und Kolibris geschmückt , weit über den Rücken herunter . Die Kolibris funkelten im Sonnenstrahle in allen Farben leuchtender Edelsteine ; aber das Mädchen schaute nicht , wie damals , der Sonne entgegen , sondern ihr Angesicht war nach der Stelle gerichtet , an der wir ihr jetzt erschienen . Und dieses Mädchen war schön , sehr schön , sowohl von Angesicht , als auch von Gestalt . Sie bewegte kein Glied . Sie sagte kein Wort . Sie sah uns still und erwartungsvoll aus ihren großen , dunklen Augen entgegen . Und , sonderbar ! Pappermann glitt langsam von seinem Maultiere herab , schritt ebenso langsam , ganz wie mechanisch auf sie zu , als ob ihn eine tiefe , heilige Scheu umfange , und fragte : » Wie heißest du ? « » Ich heiße Aschta , « antwortete sie , genau wie ihm damals geantwortet worden war . » Und wie alt bist du ? « » Achtzehn Sommer . « Da strich er sich mit der Hand über das Gesicht und sagte , als ob er träume : » Also nein ! Das konnte ja gar nicht sein ! Sie ist eine Andere , wenn auch ihr ähnlich , so ganz außerordentlich ähnlich ! « » Sprichst du von meiner Mutter ? « fragte nun sie . » Man sagt , daß ich ihr überaus ähnlich sehe . « » Du hast eine Mutter ? « » Ja . « » Wie heißt sie ? « » Aschta , wie ich . « » Und dein Vater ? « » Heißt Wakon . Wir wohnen weit im Norden von hier , am Niobraraflusse . « Da schlug er die Hände zusammen und rief : » Sie ist eine Tochter von ihr - eine Tochter ! « Da bog sie ihren Oberkörper weiter vor , als ob sie vom Steine herunterspringen wolle , und sagte : » Du kennst meinen Vater und meine Mutter ? Und die Hälfte deines Gesichtes ist vom Pulver verbrannt ! Heißest du vielleicht Pappermann ? « » Ja , so heiße ich . « » Du warst zu derselben