Burgvogte alle Gerätschaften und Stoffe erhielt , die ich verlangte , so brachte ich es bald fertig , die beiden gleich aussehenden Schmelztiegel zu beschaffen und herzurichten . Zur Verbesserung meines Plans erfand ich ein Mittel , um Senos Aufmerksamkeit abzulenken , derweilen die beiden Tiegel zu vertauschen waren . Ich wollte im entscheidenden Augenblicke das glühende Schüreisen vor Senos Füße fallen lassen . Proben , die ich mit den Geräten und allen nötigen Hantierungen vornahm , gelangen aufs beste , und es galt nur noch , den Wortlaut der Briefe festzustellen . Ich machte mehrere Entwürfe und beschloß , gemeinsam mit den Frauen die Entscheidung zu treffen . Endlich war das Dach schneefrei genung , eine Wanderung zu gestatten . Wie innig ich mit Thekla verbunden war , verriet mein Herz durch seinen Jubel . Marianka verhehlte nicht , wie sehnlich die Jungfer Gräfin nach mir verlangt habe , wie schon manche Nacht das Feuer im Kamin ausgegossen , und wie gehorcht worden sei , ob ich nicht endlich komme . Groß war die Freude , als ich meinen Plan in allen seinen Teilen darlegte . Nach sorgfältiger Beratung gaben wir den Briefen folgenden Wortlaut : » Der hochwürdige Pater wolle mir eine Bitte erfüllen . Ich habe endlich herausgebracht , wie die Mondblume aussiehet , deren ich zur Goldtinktur bedarf . Mein Oheim , Tobias Tilesius , im Isergebirge zu Schreiberhau unweit der Stadt Hirschberg wohnhaft , ist seines Zeichens ein Laborant . Wenn irgend einer die Mondblume beschaffen kann , so ist er es , zumal diese in den Klüften des höchsten Schneegebirges vorkommet . Wenn nun Hochwürden beiliegendes Briefel recht schnell an meinen Oheim befördern und ihm Belohnung in Aussicht stellen möchten , so würde Tobias Tilesius durch Euren Boten das mir erwünschte Kraut senden . Sollte aber mein Oheim die Mondblume nicht getrocknet vorrätig haben , so könnte er sie nach eingetretenem Frühling beschaffen . Mit aller Zuversicht stelle ich in Aussicht , Gold zu machen , wofern die Mondblume in meine Hand gelangt . Wolle dann der Herr so gewogen sein mir die Freiheit zu geben . Um sein zuverlässiger Diener zu bleiben , tut mir keine Gefangenschaft not . Seid zu Gnaden Eurem Diener : Johannes Tilesius . « Der beizulegende Brief , soweit er mit schwarzer Tinte zu schreiben war , erhielt den Wortlaut : » Lieber Oheim , in Prag ergehet es mir immer noch gut , und ich bin mit großem Eifer der chymistischen Kunst beflissen . Darfst erwarten , daß mir auch fürder die Goldbereitung gelinge , nachdem ich endlich herausbekommen , welch Kraut zur Tinktur nötig ; man heißet es die Mondblume , und so Du sie mir beschaffest , werde ich so viel Gold machen , als das Quantum meiner Tinktur gestattet . Die Mondblume , so benamset , weil ihre Blättlein rund wie Vollmond , wächset bei Schreiberhau in der Großen Schneegrube , wo sich eine Basalt-Ader durch den Granit ziehet . Kreucht unter Knieholz am Boden dahin , vergleichbar dem Bärlapp und trägt im Sommer rosenfarbene Glöcklein , würzig duftende . Lieber Oheim ! Sollte die beschriebene Blume sich unter Deinen getrockneten Kräutern befinden , so sende mir den ganzen Vorrat . Der Überbringer dieses Briefes , ein Diener des Herrn Grafen Slawata , wird Dir guten Preis dafür zahlen . Falls Du aber die Mondblume noch nicht hast , so siehe zu , daß Du sie findest , sobald der Sommer auf die Berge steigt . Derohalben sollst Du diese Beschreibung der Mondblume aufbewahren und wiederholt lesen . Nun Gott befohlen , guter Oheim , und grüße die alte Beate . Dein Johannes . « Der nächste Teil des Schreibens , so mit meiner erfundenen Tinte geschrieben werden sollte , erhielt diese Fassung : » Ach Oheim ! Diese Nachschrift ist mit einer Tinte geschrieben , so in den ersten beiden Wochen blaß wie Wasser , erst später dunkel wird . Geheime Schrift hab ich erwählt , weil das , was ich Dir jetzo mitteile , nicht für die Augen derer ist , so den Brief an Dich gelangen lassen . Diese Menschen sind meine bösesten Feinde . Der Graf Slawata zu Prag und sein Helfershelfer , Pater Aloisius , ein Dominikaner , haben mich in die böheimische Burg Wasenstein eingesperrt , soll da Gold für sie machen . Das kann ich nun freilich , und Du sollst wissen , lieber Oheim , dieselbe Tinktur , so mir durch Zufalls Hilfe einmal in Prag gelungen ist und Blei zu Golde tingieret hat , verstehe ich jetzo beliebig zu bereiten . Die Mondblume ist bereits in meine Hände gelangt , wiewohl in so geringer Quantität , daß ich nur ein winzig Fläschlein Tinktur gewinnen konnte . Unter diesen Umständen erflehe ich von Dir zween Dienste . Erstens sende mir durch den Grafen Slawata ein reichlich Quantum der Mondblume , zum andern aber sollst Du mich befreien aus meiner Gefangenschaft . Wirst nun fragen : wie vermag ein schlichter Kräutermann eine gewappnete Burg zu öffnen ? Wohlan , höre : Begib Dich unverzüglich nach Empfang dieses Schreibens zum Herrn Wallenstein , Herzog zu Friedland . Brauchst aber nicht den Herzog selber zu sprechen , da er sich vielleicht mit meiner Sache nicht befassen mag , wiewohl sie für ihn so wichtig wie ein Königreich . Frage nur nach Doktor Seno , einem italienischen Herrn , als Astrologus in herzoglichen Diensten . Dem sage alles , was Dir von mir bewußt . Magst ihm auch meinen ganzen Brief weisen . Beschwöre ihn , daß er mit seines Herzogs Beistand mich befreie . Ich verspreche ihm , dafür Gold zu bereiten , soviel er haben will . Wofern aber Herr Seno nicht gläubet , daß mir die Goldbereitung möglich , will ich sie vor seinen Augen vollbringen . Habe von meiner Tinktur einen Rest übrig , der Gold für zehn Dukaten im Beisein des Herrn tingieren wird . Im übrigen magst Du dem Herrn , der etwas auf