hatte , wandte sich nun an Georg ; in ihrer absichtlich beiläufigen Art mit einem Blick auf Anna bemerkte sie : » Hübsch sieht sie aus . So frauenhaft . Das hat sie übrigens immer an sich gehabt . Musizieren Sie noch mit ihr ? « » Manchmal « , entgegnete Georg kühl . » Vielleicht bitt ich sie , vom neuen Jahr an wieder mit mir zu korrepetieren . Ich weiß nicht , wieso es bis jetzt nicht dazu gekommen ist . « Georg schwieg . » Und wie steht es denn eigentlich « sie wies mit einem Blick auf Heinrich » mit Eurer Oper ? « » Mit unsrer Oper ? Noch gar nichts steht ' s damit . Wer weiß , ob was draus wird . « » Natürlich wird nichts draus werden . « Georg lächelte . » Warum sind Sie denn heut gar so streng mit mir ? « » Ich ärgere mich halt über Sie . « » Über mich ? Warum denn ... ? « » Daß Sie den Leuten immer wieder Anlaß geben , Sie als Dilettanten zu betrachten . « Georg war ins Herz getroffen , verspürte sogar einen leisen Groll gegen Else , faßte sich aber rasch und erwiderte : » Ich bin ja vielleicht nichts anderes . Und wenn man kein Genie ist , so ist es schon besser , man ist ein ehrlicher Dilettant , als ... als ein aufgeblasener Künstler . « » Wer verlangt denn , daß Sie gleich das Größte leisten ? Aber deswegen muß man sich doch nicht so gehen lassen , wie Sie ' s tun , innerlich und äußerlich . « » Ich versteh Sie wirklich nicht , Else . Wie können Sie behaupten ... Wissen Sie denn auch , daß ich im Herbst nach Deutschland gehe , als Kapellmeister ? « » Die Karriere wird daran scheitern , daß Sie nicht um zehn Uhr früh bei den Proben sein werden . « In Georg wühlte es noch immer . » Wer hat mich denn übrigens einen Dilettanten genannt , wenn ich fragen darf ? « » Wer ? Gott , es ist doch schon in der Zeitung gestanden . « » Ach so « , sagte Georg beruhigt , denn er erinnerte sich jetzt , daß ein Kritiker ihn nach dem Konzert , in dem Fräulein Bellini seine Lieder gesungen , als » dilettierenden Aristokraten « bezeichnet hatte . Georgs Freunde hatten damals erklärt , diese animose Besprechung habe ihren Grund darin , daß er dem betreffenden Herrn , der als sehr eitel bekannt war , keinen Besuch gemacht hätte . So war es nun einmal ! Immer waren äußere Gründe dran schuld , wenn die Leute einen ungünstig beurteilten . Auch die Gereiztheit Elsens heute , was war sie im Grunde anderes , als Eifersucht ... Die Tafel wurde aufgehoben . Man begab sich in den Salon . Georg trat zu Anna , die am Klavier lehnte und sagte leise zu ihr : » Schön siehst du aus . « Sie nickte befriedigt . Dann fragte er weiter : » Hast du dich mit Heinrich gut unterhalten ? Worüber habt ihr denn gesprochen ? Über Therese ? Nicht wahr ? « Sie antwortete nicht , und Georg merkte mit Befremden , wie ihr plötzlich die Augenlider zufielen , und sie zu wanken begann . » Was ... was haben Sie denn ? « fragte er erschrocken . Sie hörte ihn nicht und wäre niedergesunken , wenn er sie nicht rasch bei den Handgelenken gefaßt hätte . Frau Ehrenberg und Else waren im selben Augenblick bei ihr . Haben sie uns beobachtet ? dachte Georg . Schon hatte Anna die Augen wieder offen , zwang sich zu einem Lächeln und flüsterte : » O es ist nichts , ich vertrage die Hitze manchmal so schlecht . « » Kommen Sie « , sagte Frau Ehrenberg mütterlich , » vielleicht legen Sie sich einen Augenblick hin . « Anna schien verwirrt , erwiderte nichts , und die Damen des Hauses geleiteten sie ins Nebenzimmer . Georg sah um sich . Den Gästen schien nichts aufgefallen zu sein . Der Kaffee wurde herumgereicht . Georg nahm eine Tasse und rührte zerstreut mit dem Löffel herum . Am Ende , dachte er , wird sie doch nicht im Bürgerlichen enden . Aber zugleich fühlte er sich innerlich so entfernt von ihr , als ginge ihn persönlich die Sache nichts an . Frau Oberberger stand neben ihm . » Also wie denken Sie eigentlich über platonische Liebe , Sie sind ja Fachmann ? « Er erwiderte zerstreut , sie redete weiter , in ihrer Art ; ohne sich zu kümmern , ob er zuhörte , ob er antwortete . Plötzlich war Else wieder da . Georg erkundigte sich nach Annas Befinden , teilnehmend und höflich . » Eine schwere Erkrankung dürfte es wohl nicht sein « , sagte Else und sah ihm fremd ins Gesicht . Demeter Stanzides trat heran und bat sie zu singen . » Wollen Sie mich begleiten ? « wandte sie sich an Georg . Er verneigte sich und setzte sich ans Klavier . » Also was denn ? « fragte Else . » Was Sie wollen « , erwiderte Wilt , » nur nichts Modernes . « Nach dem Souper liebte er es , wenigstens in künstlerischen Dingen , den Reaktionär zu spielen . » Justament « , sagte Else und reichte Georg ein Heft . Sie sang » Das alte Bild « von Hugo Wolf , mit ihrer kleinen , wohlgebildeten und etwas rührenden Stimme . Georg begleitete mit Geschmack , doch ziemlich zerstreut . Er war ein wenig ärgerlich über Anna , so sehr er sich dagegen wehrte . Im übrigen schien wirklich niemand den Vorfall bemerkt zu haben , als Frau Ehrenberg und Else . Ach , was lag am Ende daran ... Wenn sie ' s auch alle wußten ... Wen ging es an ... Ja