, mit sich fortreißen möchte . Es ist nicht die gewöhnliche Koketterie in mir , daß mich ihr Widerstand doppelt reize ; ich habe immer despotisch geliebt und nie danach gefragt , wie der Gegenstand meiner jedesmaligen Neigung mein Ich in sich aufnahm , wenn ich mich ihm näherte , ich weiß , daß Valerius recht hat , wenn er mich den fürchterlichsten Egoisten der Liebe und darum unmoralisch nennt - aber ich weiß auch , daß ich diese schöne Julia mit den schwimmenden Herzensaugen , mit der ganzen im Morgentau der Jugend lüstern hin und her schwankenden Gestalt verfolgen werde durch alle Zonen , bis dies weiche Wesen meinen straffen Gliedern sich anschmiegt in Begegnung und Wollust . Ich werde - - nicht doch , ich werde nichts tun , bis Valers Gefahr abgewendet oder - oder beendet ist . Es würde mich ein Totenfieber schütteln , wenn mir der liebe Mann von meinem Feinde , dem Tode , entrissen würde . Ihr seid alle Trabanten , er ist ein Planet mit eigenem Lichte ; ich bin sein Komet . Sein Anblick , ein Wort aus seinem Munde , eine Zeile von seiner Hand sind mein Polarstern auf meiner großen Seereise , ich würde mich den Wogen überlassen , ginge mir dieser Stern unter . - - - Er liegt still wie ein griechischer Philosoph mit seinen Schmerzen da . William liest ihm des Äschylus Prometheus vor ; sein Zustand ist sehr bedenklich ; wenn ich der Furcht in meinem Herzen den Zugang gestatten wollte , lieber Konstantin , so würd ' ich fürchten , das schöne Herz Valers werde heut nacht still stehen . - - Leopold weint an seinem Bett still in sich hinein , Valers Hand ruht auf des Kleinen Lockenkopf , er sieht nichts von den Tränen . Ich war eben unten im Gesellschaftssaale - es war alles versammelt ; außer der Fürstin sprach man nur leise , es war wie in der Kirche . Zum ersten Male seit Julias Ankunft , wo ich sie nicht mehr küssen konnte , kam heute Alberta zu mir , als ich eintrat ; das arme Kind sah recht blaß aus ; ich konnte ihr nicht helfen , ich konnte ihr auch nichts Tröstliches von Valer sagen . Auch Julia forschte ängstlich , und in der Hast des Fragens ergriff sie zum ersten Male meine Hand ! Aber Valer rann durch alle meine Adern , ich fühlte nichts im ersten Augenblicke - der Augenblick war kurz , das Blut ward wieder mein ; da floh die Hand feig aus dem Kampfe . Die Fürstin tut verständig teilnehmend , das ist mir sehr widerwärtig . Graf Fips , der wie ein Stück Holz dabei steht , ist mir angenehmer . Alberta hatte die Kühnheit , ihren Vater um die Erlaubnis zu bitten , mit ihm den Kranken besuchen zu dürfen . Er hat es ihr zum Abende zugesagt . Ich habe es nicht verweigert , weil ich nicht glaube , daß es den Valerius aufregen werde ; seine Klara würd ' ich nicht zu ihm lassen . » Des Abends sieht ein Sterbender besser aus als beim Sonnenschein - das helle Leben des Tages kontrastiert zu grauenhaft mit dem heranziehenden Tode ; es ist natürlicher des Nachts zu sterben . « - Diese Worte des Grafen fielen wie Grabgeläut in unsere Herzen - wir waren erstarrt . Ich hasse das Glockengeläut , ich hasse die Raben , ich hasse den Tod . Es wär ' eine Dummheit der Natur , wenn sie den Valerius sterben ließe . 25. Konstantin an Valerius . Ich weiß es , Freund , Du wirst außer Dir sein über meinen Brief , Du wirst mich dumm , albern , verrückt nennen . Vergib mir meine Albernheit , ich will wenigstens wahr sein und Dir alles geben , was sich mir durch den Kopf bewegt . Ich fühl ' es , daß ich auf einer Grenzlinie angekommen bin und plötzlich ein anderer Mensch werde ; ich fühl ' es , daß Dir dieser neue Mensch weniger behagen wird als der alte mit seinen Fehlern . Aber gestatte mir , daß ich Euch allmählich alles , was sich in mir bewegt , darlege . Daß ich vielleicht mehrere Monate nur rhapsodisch zu schreiben imstande bin , kann Euch nicht wundern , wo soll ich die Ordnung hernehmen , da ich eben in eine Krisis trete , die nach Ordnung lechzt . Die Welt mit ihrer Unordnung ist mir plötzlich auf die Brust gefallen , ich will sie allmählich herunterwerfen , Gott weiß , was mir dann übrig bleibt . Ob ich reicher oder ärmer werde ! Wenn auch ärmer , ich will aufräumen . Ich glaube Dir schon einmal etwas Ähnliches geschrieben zu haben , es ist nicht dasselbe gewesen , was ich jetzt denke , vielleicht ist das jetzige gerade der Antipode von dem früheren , vielleicht war jenes Abenddämmerung , vielleicht ist dies Reaktion und jenes war Revolution . Beide müssen Schutt wegschaffen , aber wahr bin ich immer , bei meiner armen Seele . Über der Menschheit vergißt man jetzt gewöhnlich die Menschen , und in dieser Zeit der Brände , Kanonen und glühenden Reden ist es doch erbärmlich kalt . Die Idee ist eine ganz schöne Sache , für fast alle zu groß , und sie bleibt immer nur Idee . Vermählt sie sich nicht mit dem Individuum , mit der Gestalt , so ist sie so gut wie nicht dagewesen . Ach und das traurige erbärmliche Pathos . Da bestrafen nun die Franzosen den Meineid ihres Königs - gut , obgleich schlimm , sie betragen sich eine Weile vernünftig - sehr gut . Nun kommen die allgemeinen Redensarten liberté , gloire usw. heran . Wer für diese hundsföttische gloire Leben und Glück von Generationen opfert , jeder noch so ruhmgekrönte Eroberer ist als solcher ( unbeschadet seiner übrigen Größe ) gebrandmarkt und ehrlos . Ich will nicht hitzig werden , darum hör