Caspar ihr Gebieter sei und sie kommandiere . Das Treiben wurde immer ausgelassener ; als es Abend geworden war , rissen sie die Lampions von den Bäumen und zwangen ein paar Musikanten , ihnen vorauszuziehen , um den Tumult mit ihren Trompeten zu begleiten . Zwei junge Kaufleute hoben Caspar auf ihre Schultern , und er , dem schon Hören und Sehen verging , wünschte sich weit weg und kauerte mit dem unglücklichsten Gesicht von der Welt auf seinem lebendigen Sitz . Unter Gesang und Gelächter kam die entfesselte Schar vor die Estrade , wo der Tanz begonnen hatte ; hier konnte sie nicht weiter , die angesammelte Menge versperrte den Weg nach rückwärts und seitwärts . Plötzlich sah Caspar ganz nahe die beiden Knaben , die in Frau Beholds Kutsche mitgefahren waren ; sie standen auf der Treppe zum Tanzpodium und trugen einen langen Baumzweig mit einem weißen Pappendeckel an der Spitze , worauf in großen Lettern die Worte gemalt waren : » Hier ist zu sehen Seine Majestät Casperle , König von Schwindelheim . « Sie hielten die Tafel so , daß die Aufschrift Caspar zugekehrt war , auch alle Umstehenden gewahrten sie alsbald , und es erhob sich ein schallendes Gelächter . Die Trompeter gaben einen Tusch , und der Zug setzte sich wieder , am Wirtshaus vorbei , gegen den illuminierten Wald in Bewegung . Caspar rief , man solle ihn herunterlassen , aber niemand achtete darauf . Nun zog er mit der einen Hand am Ohr des einen , mit der andern an den Haaren des zweiten seiner Träger . » Au , was zwickst du mich ! « schrie dieser und der andre : » Au , mich zebelt er ! « Wütend traten sie beiseite , wodurch Caspar herunterglitt . Die beiden Schildträger standen vor ihm und grinsten höhnisch . » Wir haben auch ein Fähnlein für dich , « sagte der ältere , » sieh mal zu , ob es weht . « Im selben Augenblick schraken sie zusammen , denn eine gebieterische Stimme schrie dröhnend ihren Namen . Es war der Vater der beiden , der General , der mit einigen andern Herren und mit Frau Behold in geringer Entfernung an einem abseits stehenden Tisch saß . Diese alle erhoben sich , denn am Himmel waren schwere Wolken aufgezogen , und man hörte schon den Donner grollen . Frau Behold empfing Caspar mit den Worten : » Du machst ja schöne Streiche , schämst dich nicht ? Allons ! Wir fahren heim . « Mit überlautem Wesen verabschiedete sie sich von den Herren und eilte zum Ausgang des Festplatzes , wo sie mit kreischender Stimme ihren Kutscher rief . » Setz dich ! « herrschte sie Caspar an , als sie den Wagen erreicht hatten . Sie selbst stieg zum Kutscher auf den Bock , ergriff die Zügel , und nun begann ein tolles Fahren , erst durch den Wald , dann die staubschäumende Chaussee entlang . Sie trieb die Tiere an , daß sie nur so hüpften und von jedem Kieselstein , den ihr Huf traf , Funken spritzten . Kein Stern war zu sehen , die Landschaft breitete sich düster hin , häufig zuckten Blitze auf , und der Donner rollte näher . In wenig mehr denn einer halben Stunde waren sie in der Stadt , und als die Pferde am Marktplatz hielten , dampfte der Schweiß von ihren Flanken . Frau Behold sperrte das Haustor auf und ließ Caspar vorangehen . Er tastete sich in der Dunkelheit bis zu seiner Zimmertür , doch die Frau ergriff ihn am Arm , zog ihn weiter und trat mit ihm in den sogenannten grünen Salon , einen großen Raum , wo die Fenster geschlossen waren und eine muffige Luft herrschte . Frau Behold zündete eine Kerze an , warf Hut und Mantille auf das Sofa und setzte sich in einen Ledersessel . Sie summte leise vor sich hin , plötzlich unterbrach sie sich und sagte in derselben singenden Weise : » Komm einmal her zu mir , du unschuldiger Sünder . « Caspar gehorchte . » Knie nieder ! « gebot die Frau . Zögernd kniete er auf den Boden und sah Frau Behold ängstlich an . Wie am Nachmittag näherte sie wieder ihr Gesicht dem seinen . Ihr schmales , langes Kinn zitterte ein wenig , und ihre Augen lachten sonderbar . » Was sträubst du dich denn so ? « gurrte sie , da er den Kopf zurückbäumte . » Ma foi , er sträubt sich , der Jüngling ! Hast wohl noch kein lebendiges Fleisch gerochen ? He , du Strick , wers glaubt ! Was Teufel , fürchtest dich am Ende ? Hab ich dir nicht die besten Bissen auftragen lassen ? Hab ich dir nicht gestern erst eine schöne Amsel geschenkt ? Ich hab ein gutes Herz , Caspar , da horch , wies schlägt , wies tickt ... « Mit großer Kraft zog sie seinen Kopf gegen ihre Brust . Er dachte , sie wolle ihm ein Leids tun , und schrie , da drückte sie die Lippen auf seinen Mund . Ihm wurde eiskalt vor Grauen , sein Körper sank zusammen , wie wenn die Knochen aus den Gelenken gelöst wären , und als Frau Behold dieser jähen Erschlaffung inne ward , erschrak sie und sprang auf . Ihr Haar hatte sich gelockert , und ein dicker Zopf lag wie eine Schlange auf der Schulter . Caspar hockte auf dem Boden , krampfhaft umklammerte seine Linke die Rücklehne . Frau Behold beugte sich noch einmal zu ihm und schnupperte seltsam , denn sie liebte den Geruch seines Leibes , der sie an Honig erinnerte . Aber kaum spürte Caspar ihre abermalige Nähe , als er emportaumelte und ans andre Ende des Zimmers floh . Die Seite gegen die Tür geschmiegt , den Kopf vorgeduckt , die Arme halb ausgestreckt , so blieb er stehen . Die ferne Ahnung von etwas Ungeheuerm dämmerte in ihm