heimliche Leidenschaft einzuhauchen , die ihn in dieser buntbeflitterten Festmenge gebunden hielt . Auf jeder Lippe schwebte wie ein Lässiges oder Verächtliches oder ein Neidwort oder ein Wort der Sehnsucht . Auf jeder Gebärde lag eine Müdigkeit oder ein Sichhinwegheben . Oder man erkannte auch unter den Jungen , wie sie einander heimlich mit ihren Armen suchten , als wenn sie sich entgegenwüchsen in jugendlichen Begehrungen . Und manche auch , die zuhörten , ohne daß das Fest ihre Seele erhellte , nur dabei wie von der Straße geladen , Leute , die kein festlich Gewand der Seele kannten . Und solche , die Feste nicht begreifen , als nur von ferne , wie einen schönen Vorklang , der einmal ein wahres Fest einleiten könnte . Weshalb sie jetzt den einsamen Klang nur voller erlauschen möchten mit ungläubigen Augen . Inmitten all dieser standen ihre Augen und stand ihre Sehnsucht und Trauer . Ihre Augen waren wie eine große , einzige Melodie über den durcheinanderirrenden Gestalten und Launen , die rings im Festkleide hinwallten . Diese einzige Melodie einte das ganze große Bild , das nun von Einharts Pinselstrichen aufwachte . Und aus der Menge dieser Gestalten und Launen blickte er selber , Einhart Selle , hin nach jener , die seine Tage und Nächte jetzt in eine heiße Kunstbegierde erweckte , daß er nicht Ruhe fand . Er hatte Tage gemalt und hatte weder recht gegessen , noch getrunken . Außer Kaffee , und was er an Resten noch in seinem Schube gefunden . Er sah bleich und von heiterer Hast verzehrt aus mitten in solcher Leidenschaft des Tuns und der gänzlichen Versunkenheit . Eines Tages wurden Tritte draußen auf der Treppe hörbar , die ihm unbekannt schienen . Was er sonst nie tat , daß er den Pinsel beiseite legte , und wie in einer unbestimmten Empfindung von Klarheit lauschend an die Tür trat , das tat er jetzt . Draußen stand jemand , der sich nicht bekannt hier zu fühlen schien . Die Bewegungen draußen schienen unentschlossen . Jemand las erst die Karten , die an einigen Türen der Bodenräume prangten , ehe er an Einharts Tür sich regte . Einhart erwachte gleich . Es kam ihm jetzt auch gleich so vor , als wenn er diese ganzen Tage nur darauf gewartet . Der wahnwitzigste Gedanke . Es kam ihm so vor , als wenn er überhaupt nur um dieses Besuches willen seine Bilder gemalt . Er lauschte . Er hörte jetzt bestimmt , daß Frauenkleider rauschten und an seiner Tür strichen . Er dachte auch gar nicht daran , irgendetwas von seinen Malereien und Skizzen beiseite zu bringen . Auch nicht daran , etwa ewig hinter der Tür zu stehen , zu schweigen und sich zu verleugnen . Eine wahre Freude , wie in einem Kinde , ging in Einhart . Es kam ihm plötzlich wie eine Erfüllung vor . Als wenn ihm irgendwo ein Weihnachtsglück angezündet . Die Augen Einharts hatten hinter der Tür schon sein zärtlichstes Lächeln . Weil er jetzt auch die Stimme noch hörte . » Also ! gut ! « sagte er vor sich hin , als er gar nicht Zeit ließ , um nur gleich weit aufzutun . So daß Frau Rehorst endlich vor ihm stand . Wer Einhart kannte , mußte wissen , daß er jetzt wie ein sanftes Kind sein würde . Er nahm Frau Rehorst richtig an der Hand und führte sie in seinen Arbeitsraum . Frau Rehorst sagte nicht viel mehr , als einen Gruß mit Lächeln und mit hastigem Atem noch , weil Einhart hoch wohnte . Sie sah wie eine große Dame aus . Das Gesicht hatte dieselbe welke Trauer , die unter dem Lächeln sehr lieblich dünkte . Der große Hut war ähnlich denen , wie er sie von den Schwestern daheim noch im Sinne hatte . Aber er machte sich jetzt gar nicht lustig . » Ich habe hier einmal ein Gruppenbild versucht , « sagte er hastig . » Oh ja , « sagte Frau Rehorst und ließ sich auf den einzigen Stuhl nieder , der im ärmlichen Raume stand . » Es ist eine Tollheit , die mir durch den Sinn fuhr . Sonst malte ich immer nur jetzt aus der heiligen Geschichte . Aber mich dünkt aus dem Füllhorn der Zeit - - - « sagte er etwas gedunsen . Frau Rehorst sah alles sehr genau . » Ich wollte Sie einmal wieder sehen , und sehen , wie es in Ihrem Herzen aussieht , « sagte Frau Rehorst , mit den Augen auf dem Bilde . Aber sie war dann doch ein wenig still . Daß beide lange auf die Tafel sahen . Frau Rehorst trug einen grauen , vollen Pelz in schlanker Façon . Sie saß auf dem Stuhle in der Mitte des Ateliers , dem großen Bilde gegenüber . Sie hatte ihren Hut abgelegt und saß mit den vollen Scheiteln und dem sanften , langen Oval ihrer bleichen Züge . Ihre Augen schwammen . Einhart geriet derart ins Bodenlose , als er sie im Spiegel angesehen , daß er fast nicht fühlte , wie Minuten hinrasten . Auch Frau Rehorst war in einer seltsamen Dämmerempfindung . » Sie müssen nicht denken , daß ich erschrecke , « sagte sie nur . Sie war durch den Anblick nicht ruhiger geworden . Sie erkannte sich sehr genau und sah in dem Bilde eine ganz eigentümliche Erklärung , wie aus einem tieferen Leben genommen . Und eine rechte Verklärung . Einhart versuchte einiges dazu zu sagen . Alles geriet nur wenig . Aber Frau Rehorst begann sich aufzurichten , warf ihre Stummheit ab , sah Einhart lange bestimmt und freundlich an und sagte : » Es ist zu viel Hoheit drin . In mir sieht ein wenig anders aus , was Ihnen so scheinen mag , « sagte sie . » Es kommt mir so vor , als wenn Sie mir vielerlei Dinge zu sagen hätten . Vielerlei Dinge