lachenden schwarzen Gesellen auf buntem Teppich im Garten unter dem Maulbeerbaum ; Lieder singen sie auf die Lilie , die Nachtigall , die Rose , sie springen auf , um zu tanzen , den graziösen , plastisch schönen Einzeltanz , der eigentlich nur eine wechselnde Folge anmutig herrlicher Stellungen ist ; einer spielt auf dem Tarr11 , zuckend fährt das Knochenstäbchen , mit spitzigen Fingern gehalten , über die Drahtsaiten - in sanften Tönen summt die Suflöte , und unermüdlich klopft mit behenden Fingern der Tipelipitòspieler auf den mit Haut überspannten zusammengebundenen Steintöpfen den Takt ... Und plötzlich verwandelt sich der furchtlose Jäger , und er ist ein scheuer , großäugiger , barfüßiger Knabe , der mit beiden Händen eine weiße Taube an sich drückt , seine Taube , die er leidenschaftlich liebt , und die man ihm wegnehmen wird , um sie dem Vater gebraten vorzusetzen ! Der hungrige Student in Moskau , der von Tee und Kartoffeln lebt und immer noch ein paar Kopeken besitzt für andere und für einen Theaterplatz , wenn ein erster Schauspieler kommt , und der am eifrigsten ist , ihm die Pferde auszuspannen in schäumendem Enthusiasmus ; der fröhliche Geiger , der plötzlich die Geige opfert , weil es ihm in den Sinn kommt , daß es » Besseres « zu tun gibt , als zu » spielen « ; - der brüderliche Mensch in einer Welt brutalsten Faustkampfes ; - der Starke mit dem Kinderlächeln , für den es keine Beschwerden gibt , oder der sie nicht anerkennt , der Furchtlose , der sich nicht scheut , zu helfen , gleichviel , ob es dabei beschmutzte Hände geben kann - alles , alles ist er , und die Liebende lebt wie in einem Wunderlande . Ein Kind ist sie , wenn der Rausch über sie kommt , ein Kind , wundersüchtig , wundergläubig . Wie weit ist sie von ihrem früheren Selbst ! Hat sie nicht in ihrer unseligen Ehe , von dem unglücklichen Manne gelernt , daß alle Menschen , und sie selber auch , niedrig sind ? viel zu verbergen haben ? » Des Menschen Trachten ist böse von Kind auf ! « So war es , bis sie ihn kannte , ihn , der nun alle Erfahrung , alle Weisheit zu Schanden macht . Denn nun bringt jeder neue Tag eine neue Entzückung , eine neue beseligende Offenbarung ! Auf der Stirn des Mannes , den sie liebt , leuchtet alles Gute , leuchtet der Kuß der großen , tiefen , starken Güte ! Und so frei und schlicht und selbstverständlich geht dieser Mensch , von dessen Stirn das Gute leuchtet ! so wie eine Feier der Schönheit ist sein Leben ! Sie fühlt - für ihn ist die Welt da , nur für ihn und seinesgleichen ... Und langsam aus dem entzückten Staunen wuchs für Josefine ein heißer Schmerz . Sie lernte , daß sich selber fühlen heiße , sich krank fühlen ; ganz entwurzelt war sie , ohne irgend einen Zusammenhang nach rechts oder links . Und sie quälte sich : Gehört die Welt den Guten ? ist das wahr ? Wohin dann sollen wir uns flüchten , wir , die wir schlimm sind und nur Schlimmes von allen erwarten ? Sie begann sich vor Hovannessian zu fürchten . » Was hab ich mit dir zu schaffen , du allzu helles Licht ? Laß ab , wirf keinen Strahl in meine Dunkelheit ! « Schwarze , stürmische Wellen rollen dahin , treiben eine zerbröckelnde Eisscholle , treiben sie hinaus in Nacht und Untergang . Und auf der zerschellenden Scholle die unbestimmten Umrisse einer menschlichen Gestalt . Sie kennt diese Gestalt - diese Gestalt ist das Schicksal , das auf sie wartet in der Zukunft , diese und keine andere ! Geh ! geh ! geh ! du Herrlicher , du Guter - nicht für mich , nicht für mich strahlt deine Stirn . Bleibe so für mich , schönste Säule der Menschlichkeit , aufgerichtet unter den Bäumen , die bis zum Grase niederblühen , aus dem die weißen Blüten wieder emporblühen zu den Bäumen ! So wie ich dich jetzt sehe , mit dem schlanken Fuß auf dem Spaten , mit den hellen Tropfen frohen Schweißes auf der Stirn , aus der du den Hut zurückgeschoben hast hinter die tanzenden , schwarzen Locken ! Josefine blickte hinaus zu der heiteren Gruppe im Garten , trank ihre sehnsüchtigen Augen satt an der geliebten Gestalt . » Abschied ! ich nehme Abschied von dir . « Lautes Lachen klang unter den Fenstern ; sie warfen sich mit abgefallenen Kirschblüten , Zwicky , Hovannessian , die Kinder , Laure Anaise ... Rösi mit purpurroten Bäckchen ist ganz außer sich , wie fiebernd in dem warmen , düftebeladenen Wind , der die eben begrünten Sträucher biegt und die zitternden Schatten spielen läßt auf der vom dörrenden Ost und der starken Maisonne blaßgrau gefärbten , wartenden Erde . Weiße Blüten und seliges Blau und goldiges Grün und Kinderlachen . » Kommen Sie nicht ? « ruft Hovannessian und stößt kräftig den Spaten in den sonnenharten Boden . » Kommen Sie auch ! Schöne Arbeit ! « Er strahlt . » Einen Weg machen wir ! « Nun kommt Rösi zu ihm gelaufen , er beugt sich zärtlich zu der Kleinen , seine schwarzen Bartlocken streifen ihr Haar . Liebkosend spricht er mit dem Kinde - wenn er mit Kindern spricht , immer bekommt seine tiefe Stimme diesen liebkosenden Klang . Die Kleine blickt freudig empor , und ihre Gebärde , dieses Aufhorchen voll Hingebung macht sie so schön . Oh , denkt die Frau am Fenster , wär ich so klein wie die ! wär ich mein eigen Kind und stände bei ihm so und blickte in die Höhe zu ihm so - wie Rösi , wie mein glückliches Kind zu ihrem lieben Herrgott aufblickt , den sie im Kirchenfenster sieht ! Noch einmal jung sein , noch einmal glauben - keine