gewissen Respekt vor dem jungen Mädchen hatte , wollte ihr neue Kulturen zeigen . Ausserdem wollte Lena Zwiebeln und Setzlinge aussuchen und sich über verschiedene Erdmischungen belehren lassen . Trotz dieses geschäftlichen Hintergrundes hatte Bornstein ein förmliches kleines Fest für Lena vorbereitet . Wenn sie nur nicht darauf bestanden hätte , ihr albernes Ladenfräulein als Anstandsdame mitzubringen ! Kurt , der schon seit ein Uhr bei ihm herumlag , würde sich schwerlich als Partner für den ganzen übrigen Tag an der Verkäuferin genügen lassen . Dann waren sie wieder zu Dreien , wie so oft , und er hatte so gut wie nichts von Lena . Schon eine Viertelstunde vor Ankunft des Zuges schritt er ungeduldig mit Kurt auf dem Bahnsteig auf und ab . Endlich fuhren die Wagen ein . Kurt hatte die Schwestern zuerst erspäht . » Donnerwetter , « rief er , » das ist schneidig . « Und den jungen Mädchen entgegeneilend , rief er Lena schon von weitem zu : » Das haben Sie famos gemacht , Fräulein Lena , allen Respekt . Mein Kompliment , Fräulein Lottchen . « Lena lachte und begrüsste beide Herren mit gleicher Herzlichkeit . » Es freut mich , dass Sie es mir nicht übel nehmen , dass ich die Lotte mitgebracht habe . Der Wurm wollte mich durchaus sprechen . Da habe ich sie der Einfachheit halber gleich mit aufgepackt . « » Sehr gescheidt , Lena , « sagte Bornstein , ihr freundschaftlich die Schulter klopfend . » Du hättest gar nichts besseres thun können . « In der That atmete Bornstein auf . Kurt hatte ihm neulich so viel von Lottes Mondscheinschönheit vorgeschwärmt , dass der leichtsinnige Kourmacher zweifellos für den Rest des Tages besorgt und aufgehoben war . In der besten Laune fuhren sie durch eine Allee alter Kastanien dem Schlosse zu . Selbst Lotte wurde durch den Uebermut der andern ein klein wenig aus ihren trübsinnigen Gedanken gerissen . Wer doch auch ein so leichtes Herz haben könnte wie diese drei ! Der Tag verlief völlig programmmässig . » Erst das Geschäft , dann das Vergnügen , « wie Lena von vornherein angeordnet hatte . Das Herrenhaus , der weitläufige Park , vor allem aber die wundervollen , im wahrhaft grossen Stil angelegten Gärtnereien - alles viel schöner und vornehmer als ihre Kinderschwärmerei Klockow - entzückten Lena bis zur Begeisterung . Aber sie war viel zu klug , sich ihre staunende Bewunderung anmerken zu lassen . Ihr Freund durfte niemals auf den Gedanken kommen , dass sein prächtiges Besitztum ihr zum Fallstrick werden könnte . Gerade , dass er etwas kühler gegen sie geworden war , ohne sie im geringsten zu vernachlässigen , war Lena ausserordentlich bequem . So konnte sie , da er ihr mehr freie Zeit liess als früher , unbehelligt ihren Geschäftsinteressen nachgehen und im übrigen als unumschränkte Gebieterin in ihrem Hause sich den Luxus gönnen , zu empfangen wen sie wollte , ohne einer fortdauernden Kontrolle zu unterstehen . Wahrhaftig , es war alles so gekommen , wie sie es nur in ihren kühnsten Träumen zu hoffen gewagt . Sie verlangte vorerst nach gar nichts anderem , als dies Leben eine Weile ruhig fortsetzen zu können , am liebsten so lange , bis sie gänzlich unabhängige Besitzerin des Geschäfts war . Dann konnte man ja auch am Ende ans Heiraten denken . Für etwas anderes als für diesen soliden Abschluss ihrer goldenen Freiheit war Lena nach wie vor absolut nicht eingenommen . Nachdem mit Mehlmann alles besprochen war und Lena erreicht hatte , was ihr notwendig dünkte , führte Bornstein seine Gäste auf die luftige Gartenterrasse . An einer reizend arrangierten Tafel wurde ein spätes Diner mit einer exquisiten Speisenfolge und beinah noch exquisiteren Weinen eingenommen . Dann fuhr ein eleganter Jagdwagen vor , den man in sehr erhöhter Stimmung bestieg . Nur Lotte war über Tisch wieder stiller und sehr blass geworden . Bornstein fuhr selbst . Er wollte Lena gern seine gesamten Ländereien zeigen . Es war doch unmöglich , dass ihr der reiche Besitzstand nicht imponieren sollte . Und wirklich erreichte Bornstein es , dass sie sich jetzt nicht mehr ganz so im Zaume hatte wie vor dem Diner , und öfters in begeisterte Rufe ausbrach . Als sie durch das weitläufige Waldrevier fuhren , that sie ihren Gefühlen sogar nicht den geringsten Zwang mehr an und schien in ihrer lebhaften Bewunderung Bornstein wieder einmal reizender und begehrenswerter denn je zu sein . Als er aber auch nur die leiseste Miene machte , die Situation auszunutzen , wurde sie sofort wieder nüchtern , so dass er verstimmt früher ans Umkehren dachte , als es ursprünglich in seinem Plan gelegen hatte . Auch Kurt , mit Lotte hinter den beiden sitzend , war , wie er Bornstein später anvertraute , » nicht auf seine Kosten gekommen « . Verwünscht vornehm war die blasse Putzmacherin gewesen . Der Deibel mochte wissen , was in diesen kleinen Mädchen steckte . Bei anbrechender Dunkelheit fuhren sie wieder in den Gutshof ein . Bornstein beurlaubte sich auf ein paar Augenblicke und lud dann seine Gäste noch einmal auf die Gartenterrasse hinaus . Ein vielstimmiger Ausruf des Entzückens lohnte seine hübsch ausgedachte Ueberraschung . Der weite Rasenplatz unterhalb der Terrasse mit seinen vielfarbigen Blumenrabatten , der Halbkreis alter , schöner Bäume , der ihn im Hintergrund umstand , war während ihrer Abwesenheit feenhaft erleuchtet worden . Es war wirklich ein wundervoller Anblick , der sich den dreien bot . Nun stieg auch von der Mitte des Rasens noch ein buntes Kugelspiel leuchtender Raketen zu dem sternenhellen Junihimmel auf und zerplatzte knatternd und prasselnd zu unzähligen , weit hinstiebenden Feuerfunken . Dieser letzte grossartige Effekt hatte bei Kurt das Mass der Begeisterung zum Ueberlaufen gebracht . Mit lauter , überschnappender Stimme brachte er ein Hoch auf den Gutsherrn von Dahlow aus , in das Lena und Lotte aus herzlichster Ueberzeugung einfielen . - Als Lotte sehr spät und stark übermüdet von dem Bahnhof nach