über den Karawanenplatz - die lange Straße hinunter - über den Tigris - nach Norden . Und Safur stand mitten auf dem Karawanenplatz und sprach mit Said ibn Selm - dem alten verlumpten Bettler . Said redete wirres Zeug - von großen Geschäften - von Geldverdienen - Ehrlichkeit - Treue - von goldenen Sternen und von goldenen Pferden - von goldenen Herzen und von goldenen Kleidern . Den Dichter schmerzte das wirre Gerede . Er wandte sich ab und dachte an seine Tarub . Ja - jetzt hatte er sie . Seine Sklavin war sie , und er war ihr Herr . Er seufzte tief - wenn er nur gewußt hätte , was er jetzt mit seiner Tarub anfangen sollte ! Ihm ward die große Köchin » geschenkt « - aber was hatte er davon ? Jetzt hatte er nichts mehr davon - nur Ärger , Zank und - und - es war kaum zum Aushalten ! » Wohl dem , der nie ein Weib geschaut - Der fährt niemals aus seiner Haut ! « Also reimte schwach lächelnd der große Dichter , ders jetzt täglich verwünschte , daß er aus Ägypten zurückkehrte nach Bagdad , der Stadt der Qual ... Safur war für Bagdad jetzt wirklich ein - » großer « Dichter , da man Großes von ihm » erwartete « . Osman hatte ihm ganz ernsthaft mitgeteilt , daß er fünf neue Schreiber anstellen würde , wenn er was von Safur herausgeben könnte . Doch Safur schrieb weniger denn je . Er redete nur von einem großen Dschinnengedicht , das er mal in vierundzwanzig großen Gesängen feierlichst der Welt überreichen wollte . Aber es wurde nichts draus - wie gewöhnlich . Safur dachte immer erst ans Genießen . Eine anstrengende Tätigkeit hatte nur dann für ihn einen Reiz , wenn er genau wußte , daß aus dieser anstrengenden Tätigkeit ein großer kräftiger Genuß herauswachsen würde . Wußt er das nicht vorher , so ging er der Anstrengung aus dem Wege - denn für ihn gabs nur ein einziges Endziel des Lebens - und das Endziel hieß : Genuß . Leider wurde das Leben in Bagdad immer ärmer an Genüssen . Der Chalif Mutadid war längst tot , doch unter seinen Nachfolgern wurde nichts besser . Der rasch in kaum zweihundert Jahren erworbene - eroberte - Reichtum ging ebenso schnell - noch schneller - wieder zu Grunde . » Nur was alt wird - hat Lebenskraft . Und alt wird nicht , was gleich am Anfange mit wüstem Ungestüm auftritt . « Also sprach der weise Philosoph Abu Hischam , als er vor Safur sich verteidigte . Der Philosoph hatte grade in dem Augenblicke den Dichter getroffen , als dieser mitten auf dem Karawanenplatze die Fäuste zitternd gen Himmel hob und laut ausrief : » Tarub , erbarme Dich ! « Das sah und hörte sich natürlich sehr putzig an . Deshalb gingen auch die Beiden schleunigst in die große Teestube zu den chinesischen Teemädchen , allwo auch Hamadany und Abu Hanifa weilten . Als Abu Hischam zum Tee auch einen vorzüglichen südkaukasischen Kräuterschnaps bestellte , da nahm das der Dichter garnicht gut auf , warf vielmehr dem lustigen Philosophen liederlichen Lebenswandel und Lauheit in Betreff des Bundes vor . Und dagegen verteidigte sich der Abu Hischam mit den vorhin angeführten und ähnlich klingenden Sätzen - in Samarkand war der große Apostel mit der armenischen Pelzmütze gemütlich geworden - urgemütlich . Zumeist dacht er nur ans Festefeiern - am liebsten hätt er jeden Tag die Gründung der Gesellschaft von Bagdads lauteren Brüdern mit Mut und Durst von Neuem gefeiert . Was doch aus mancher Gesellschaft werden kann - man sollt es kaum für möglich halten . Und wie die vier Brüder wieder zuviel getrunken haben , klagen sie wieder über die entsetzliche Geldklemme , in der sie sich befinden . Es ist zum Erbarmen . Ein Teemädchen will den Abu Hischam mitleidig ans Herz drücken , doch der wills nicht dulden , er singt brüllend » das Abschiedslied des Beduinen « , das im Jahre 895 in allen Bagdader Tingeltangeln gesungen wurde - natürlich bis zur Erschöpfung - so : » Mein Herz gehört der Welt , Kein Weib mir mehr gefällt . Ich lieb nicht mal das Geld ! Ich liebe nur die Welt ! Mein Herz gehört der Welt , Kein Weib mir mehr gefällt ! « Und das immer wieder noch mal . Dabei gelangten die Vier allmählich in die lange Straße , in der man an Gesang schon gewöhnt war . Wie Safur zur Tarub kommt , gibts selbstverständlich wieder einen Höllenlärm . Töpfe fliegen dem Dichter nicht an den Kopf , denn sie sind der Tarub jetzt zu kostbar - aber Schimpfworte hagelts - unglaubliche Schimpfworte . Der Dichter ist erst geknickt durch die Rohheit - durch die Gemeinheit seiner berühmten Köchin - dann jedoch packt ihn der Grimm . Und er faßt seine Tarub fest an , umklammert wütend ihren Hals , rollt mit den Augen , knirscht mit den Zähnen , keucht und stöhnt . Indeß die Tarub schimpft nun erst recht . Da kann er sich nicht mehr beherrschen . Er würgt sie plötzlich mit aller Kraft . Sie will sich frei machen . Und dabei stürzen Beide hin . Tarub schlägt sich ein Loch in den Kopf . Das fließende Blut bringt den Dichter wieder zur Besinnung - und er möchte sich gleich selber den Kopf einrennen . Er schreit vor Angst , wäscht ihr die Wunde mit Wasser aus , weint und zittert , bittet seine Tarub um Verzeihung , fleht wie ein Kind , kniet vor ihr , küßt ihr die Hände , den Mund , die Augen , die Stirn , bittet in herzzerreißender Weise , nennt sie wieder » Bärchen ! Liebes Bärchen ! Mein guter Bär ! « Na - und dann wird wieder alles gut . Sie sagt nur zuletzt weinend : » Nein , lange halt ichs nicht mehr aus . So gehts