in acht nehmen , wenn er ihn mal unter die Fäuste bekäme . - Gustav nahm die erste Gelegenheit wahr , wo er sich mit seiner Mutter unter vier Augen sah , um sie zu befragen . Da erfuhr er denn das Unglück in seiner ganzen Größe . Ihm war im ersten Augenblicke zumute wie einem , der einen Schlag vor den Kopf bekommen hat . Daß die Vermögenslage des Vaters eine mißliche sei , hatte Gustav ja gewußt , aber daß er geradezu vor dem Zusammenbruche stehe , das war eine Nachricht , die ihn wie ein Blitzstrahl aus heiterem Himmel traf . Auch daß ein Unglück selten allein kommt , mußte der junge Mann an sich erfahren . Die Mutter verhehlte ihm nicht , in welchem Zustande sich Toni befinde . Gustav geriet außer sich vor Zorn . Was ihn am meisten ergrimmte , war , daß die Seinen es verabsäumt hatten , den Menschen , von dem sie das Kind unter dem Herzen trug , zur Rechenschaft zu ziehen . Nun war der Lump nicht mehr im Dorfe . Man wußte nicht einmal genau , wohin er gezogen sei . Die Aussicht , ihn zu belangen , war gering . Und in solche Verhältnisse hinein sollte er eine junge Frau bringen ! Er hatte ja in der letzten Zeit von nichts anderem geträumt als von dem Plane , seine Jugendliebe , Pauline Katschner , heimzuführen . Er hatte sich gedacht , für ' s erste könnten sie auf dem väterlichen Hofe wohnen , bis sich für ihn ein selbständiger Lebenserwerb gefunden haben würde . Und nun drohte hier alles , was eben noch so sicher geschienen , zusammenzubrechen . * * * Pauline erwartete Gustav . Er hatte ihr geschrieben , daß er in den ersten Tagen des Oktober in Halbenau eintreffen werde . Das Mädchen ließ sich nicht anmerken , daß sie vor Sehnsucht nach ihm vergehen wollte . Sie verrichtete ihre Geschäfte und Arbeiten mit der gewohnten Sauberkeit ; aber während sie die Nadel führte , am Scheuerfasse stand oder am Webstuhle saß , schwärmten ihre Gedanken hinaus in die Zukunft . In der Phantasie hatte sie sich bereits ein trauliches Heim zurecht gemacht , für sich und Gustav , den Jungen , und - wer weiß , was mit der Zeit noch dazu kommen mochte . Sie war nicht mehr das unbedacht liebende Mädchen , das sich kopflos mit starken Trieben dem Geliebten in die Arme geworfen hatte ; die Mutter hatte in ihr die Oberhand gewonnen . Sie liebte Gustav , den Vater ihres Sohnes , den zukünftigen Gatten und Beschützer ihres Kindes , mit tiefeingewurzelter , warmer , gleichmäßiger Innigkeit . Sie war so glücklich , daß sie ihn nun ganz wieder haben sollte . Die letzten Jahre waren schrecklich gewesen mit ihren einsamen Nächten , den Zweifeln an seiner Treue und der quälenden Sorge , daß sie ihn ganz verlieren möchte . Nun kam er ! da mußte ja alles gut werden . Allerdings waren sie beide arm , und Gustav hatte noch keinen Beruf . Man würde einen schweren Kampf zu kämpfen haben ; aber für Pauline bedeutete das nichts . Ihr lag die Zukunft im rosigen Lichte . Wenn sie nur ihn hatte , den Vater ihres Jungen . Darin war für sie das Wohl und Wehe des Daseins beschlossen . Daß sie ihn halten würde für immer , als den Ihren , ihr allein Gehörigen , bezweifelte sie keinen Augenblick . Sie war sich des Schatzes von anziehenden Reizen und erwärmender Liebenswürdigkeit , womit die Natur sie ausgestattet hatte , in naiver Weise bewußt . Ganz umstricken wollte sie den Geliebten mit ihrer großen Weibesliebe , daß er gar nie auf den Gedanken kommen könnte , sich ein besseres Los zu wünschen oder je wieder nach einer anderen Frau zu blicken . Der Mutter hatte sie erst ganz zuletzt und nur mit einer kurzen Bemerkung angedeutet , daß sie Gustav erwarte . Das Mädchen ließ die Mutter überhaupt nicht viel von ihren Gefühlen blicken . Frau Katschner hatte der Tochter in jener Zeit , wo Gustav nichts von sich hören ließ und das Verhältnis so gut wie aufgehoben schien , zugeredet , von dieser Liebschaft zu lassen ; ja , sie hatte es Paulinen nahegelegt , sich nach einem anderen Manne umzusehen . Das hatte Pauline der Mutter nie vergessen . Diese Zumutung hatte sie an der Stelle verletzt , wo sie am tiefsten und zartesten empfand . Jedem anderen Menschen hätte sie das vielleicht vergeben , nur nicht der Mutter ; denn die hätte es verstehen müssen , daß es für sie nur eine Liebe gab , in der sie lebte , mit der sie sterben würde . Seitdem war eine Entfremdung eingetreten zwischen Mutter und Tochter . Die beiden Frauen lebten zwar äußerlich in Frieden ; es gab keine Zankerei und keinen Hader . Mit Pauline sich zu streiten , war überhaupt schwer , da sie alles innerlich abmachte und nur mit Blicken Widerspruch zu erheben pflegte . Aber die Tochter verschloß sich in ihren wichtigsten Regungen und Gefühlen der Mutter gegenüber , mit der sie doch scheinbar im vertrautesten Umgang lebte . - Gegen Vormittag kam Frau Katschner aus dem Dorfe zurück . Sie hatte eine Leinewand zum Faktor geschafft und brachte Garn zu neuer Verarbeitung zurück . Sie verkündete die Nachricht , Büttners Gustav sei heute früh in Halbenau eingetroffen . Pauline erzitterten die Knie ; der Mutter gegenüber stellte sie sich jedoch an , als ob die Nachricht ihr ziemlich gleichgültig sei . » So ! « meinte sie , » da wird er wohl och hierruf kommen in den nächsten Tagen . « Mit dieser äußeren Kühle stimmte der Eifer nicht ganz überein , mit welchem sie Vorbereitungen traf für den Empfang des Gastes . Da wurde gekocht und geschmort . Frau Katschner , welche von der herrschaftlichen Küche her allerhand besondere Künste mitgebracht hatte , mußte auf Bitten der Tochter einen