Sie , daß die Grüße von Mister Nelson kämen ? « » Ein leichteres Rätsel ist mir nicht bald vorgekommen . Ihr Papa teilte mit , Sie kämen erst später , weil Sie nach Liverpool zu schreiben hätten . Nun , Liverpool heißt Mister Nelson . Und hat man erst Mister Nelson , so gibt sich das andere von selbst . Ich glaube , daß es mit aller Hellseherei ganz ähnlich liegt . Und sehen Sie , Leopold , mit derselben Leichtigkeit , mit der ich in Mister Nelsons Brief gelesen habe , mit derselben Sicherheit lese ich zum Beispiel Ihre Zukunft . « Ein tiefes Aufatmen Leopolds war die Antwort , und sein Herz hätte jubeln mögen , in einem Gefühl von Glück und Erlösung . Denn wenn Corinna richtig las , und sie mußte richtig lesen , so war er allem Anfragen und allen damit verknüpften Ängsten überhoben , und sie sprach dann aus , was er zu sagen noch immer nicht den Mut finden konnte . Wie beseligt nahm er ihre Hand und sagte : » Das können Sie nicht . « » Ist es so schwer ? « » Nein . Es ist eigentlich leicht . Aber leicht oder schwer , Corinna , lassen Sie mich ' s hören . Und ich will auch ehrlich sagen , ob Sie ' s getroffen haben oder nicht . Nur keine ferne Zukunft , bloß die nächste , allernächste . « » Nun denn « , hob Corinna schelmisch und hier und da mit besonderer Betonung an , » was ich sehe , ist das : zunächst ein schöner Septembertag , und vor einem schönen Hause halten viele schöne Kutschen , und die vorderste , mit einem Perückenkutscher auf dem Bock und zwei Bedienten hinten , das ist eine Brautkutsche . Der Straßendamm aber steht voller Menschen , die die Braut sehen wollen , und nun kommt die Braut , und neben ihr schreitet ihr Bräutigam , und dieser Bräutigam ist mein Freund Leopold Treibel . Und nun fährt die Brautkutsche , während die anderen Wagen folgen , an einem breiten , breiten Wasser hin ... « » Aber Corinna , Sie werden doch unsere Spree zwischen Schleuse und Jungfernbrücke nicht ein breites Wasser nennen wollen ... « » ... An einem breiten Wasser hin und hält endlich vor einer gotischen Kirche . « » Zwölf Apostel ... « » Und der Bräutigam steigt aus und bietet der Braut seinen Arm , und so schreitet das junge Paar der Kirche zu , drin schon die Orgel spielt und die Lichter brennen . « » Und nun ... « » Und nun stehen sie vor dem Altar , und nach dem Ringewechsel wird der Segen gesprochen und ein Lied gesungen oder doch der letzte Vers . Und nun geht es wieder zurück , an demselben breiten Wasser entlang , aber nicht dem Stadthause zu , von dem sie ausgefahren waren , sondern immer weiter ins Freie , bis sie vor einer Cottage-Villa halten ... « » Ja , Corinna , so soll es sein ... « » Bis sie vor einer Cottagevilla halten und vor einem Triumphbogen , an dessen oberster Wölbung ein Riesenkranz hängt , und in dem Kranze leuchten die beiden Anfangsbuchstaben : L und H. « » L und H ? « » Ja , Leopold , L und H. Und wie könnte es auch anders sein ? Denn die Brautkutsche kam ja von der Uhlenhorst her und fuhr die Alster entlang und nachher die Elbe hinunter , und nun halten sie vor der Munkschen Villa draußen in Blankenese , und L heißt Leopold und H heißt Hildegard . « Einen Augenblick überkam es Leopold wie wirkliche Verstimmung . Aber sich rasch besinnend , gab er der vorgeblichen Seherin einen kleinen Liebesklaps und sagte : » Sie sind immer dieselbe , Corinna . Und wenn der gute Nelson , der der beste Mensch und mein einziger Vertrauter ist , wenn er dies alles gehört hätte , so würd er begeistert sein und von capital fun sprechen , weil Sie mir so gnädig die Schwester meiner Schwägerin zuwenden wollen . « » Ich bin eben eine Prophetin « , sagte Corinna . » Prophetin « , wiederholte Leopold . » Aber diesmal eine falsche . Hildegard ist ein schönes Mädchen , und Hunderte würden sich glücklich schätzen . Aber Sie wissen , wie meine Mama zu dieser Frage steht ; sie leidet unter dem beständigen Sichbesserdünken der dortigen Anverwandten und hat es wohl hundertmal geschworen , daß ihr eine Hamburger Schwiegertochter , eine Repräsentantin aus dem großen Hause Thompson-Munk , gerade genug sei . Sie hat ganz ehrlich einen halben Haß gegen die Munks , und wenn ich mit Hildegard so vor sie hinträte , so weiß ich nicht , was geschähe ; sie würde nein sagen , und wir hätten eine furchtbare Szene . « » Wer weiß « , sagte Corinna , die jetzt das entscheidende Wort ganz nahe wußte . » ... Sie würde nein sagen und immer wieder nein , das ist so sicher wie Amen in der Kirche « , fuhr Leopold mit gehobener Stimme fort . » Aber dieser Fall kann sich gar nicht ereignen . Ich werde nicht mit Hildegard vor sie hintreten und werde statt dessen näher und besser wählen ... Ich weiß , und Sie wissen es auch , das Bild , das Sie da gemalt haben , es war nur Scherz und Übermut , und vor allem wissen Sie , wenn mir Armen überhaupt noch eine Triumphpforte gebaut werden soll , daß der Kranz , der dann zu Häupten hängt , einen ganz anderen Buchstaben als das Hildegard-H in hundert und tausend Blumen tragen müßte . Brauch ich zu sagen , welchen ? Ach , Corinna , ich kann ohne Sie nicht leben , und diese Stunde muß über mich entscheiden . Und nun sagen Sie ja oder nein . « Und unter diesen Worten nahm er ihre